Die Wiederkehr der Göttin

von Nanda Thekla Kolbeck erschienen in Hagia Chora 11/2001

Unabhängig von den verschiedenen Methoden und Herangehensweisen der Geomantie halte ich die Sicht von der Erde als ein lebendiges Wesen, beseelt und mit Geist durchdrungen, für die gemeinsame Basis aller, die sich mit Geomantie beschäftigen. Wer einmal die Ausdehnung des eigenen Bewusstseins und das Verschmelzen mit einem Baum, einem Tier, einem Berg oder einem anderen Menschen erlebt hat - dieses Gefühl, als wäre ich in der Haut des andern und zugleich auch in meiner eigenen - der weiß, dass alles mit allem verbunden ist und lebt (Stanislav Grof spricht von holotropen Bewusstseinszuständen). Es ist nichts, was mit Glauben oder Überzeugung zu tun hat, sondern es ist ein inneres Wissen, eine Wahrheit, die unmittelbar aus der Seele kommt. Betrachten wir die wissenschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahrhunderte, so erkennen wir, dass eine enorme Spezialisierung und Differenzierung stattgefunden hat. Unüberschaubare Mengen an Daten und ungeheures Detailwissen wurden angesammelt - auf Kosten der Gesamtschau. Führt Geomantie die Spezialisten wieder zusammen? Zumindest ist da die Herausforderung, all die vielen Erkenntnisse aus den verschiedenen Richtungen, Disziplinen und Methoden, altes und neues Wissen, wissenschaftliche Beweise ebenso wie subtile Wahrnehmungen aus der "Anderswelt" zueinander in Beziehung zu bringen und wie Puzzleteile zu einem neuen, viel größeren und reicheren Bild zusammenzufügen. Es waren ja nicht nur "Esoteriker", sondern gerade auch hochkarätige Wissenschaftler, die erkannt haben, dass die Wirklichkeit weit mehr ist als unser Verstand erfassen kann. Was Einstein den Nobelpreis eingetragen hat, war eine Inspiration aus dem großen, kollektiven Bewusstsein. Sein Forschergeist erfüllte ihn mit Staunen und Demut vor dem großen Mysterium des Lebens. Der Verstand ist begrenzt. Das, was wir kollektives Bewusstsein, das Leben schlechthin oder auch Gott nennen, ist unbegrenzt.
Dass Geomanten sich darin, was sie "sehen", keineswegs immer einig sind, wie z.B. die jüngste Auseinandersetzung um die Gitterstrukturen zeigte, betrachte ich als Begleiterscheinung bei der Erforschung von Neuland. Wir sind herausgefordert, Bewertungsdenken und Rechthaberei zu überwinden und andere Sichtweisen einfach da sein zu lassen. Naheliegend, dass diese Art von Toleranz im Denken sich auf alle Lebensbereiche auswirkt und unser soziales Miteinander positiv beeinflusst.

Hier können Sie einen neuen Kommentar zu diesem Artikel verfassen





Bitte lösen Sie die untenstehende Rechenaufgabe und tragen Sie das richtige Ergebnis ein. Sie helfen damit, den Missbrauch dieses Online-Formulars und Spam zu verhindern. Herzlichen Dank.

sechs minus vier =