Transparenz und Gleichgewicht

Geomantie ist das Wahrnehmen (gewahr werden) der Erde und das Wissen um ihre sichtbaren und unsichtbaren Erscheinungen und Qualitäten als charakteristische Ausdrucksformen ihres lebendigen Wesens. Sind Erdstrahlen, Wasseradern, Gitternetze, Drachenlinien, Engelfokusse, Zwerge, Nixen, Salamander, Landschaftsdevas, Landschaftstempel, Genius Loci, Seele des Ortes usw. ein heilendes oder heilloses Wirrwarr geomantischer Begriffe? Und wie tragfähig sind diese Begriffe, um geomantische Erfahrungen zu kommunizieren? Über all meine Bemühungen, im Buch der Natur zu lesen, um eine Rückbesinnung und Verbindung an das Ursprüngliche zu finden (Rückbindung, Religio), treffe ich eine Unterscheidung zwischen dem (religiösen und auch nicht-religiösen) Wissen, das ich selbst durch Erfahrungen gesammelt habe, oder das durch Überlieferungen an mich tradiert wurde. Erfahrung geschieht durch Naturbeobachtung, Meditation, Visionen, innere Stimme, Schicksalsschläge, Selbsterfahrungs-Seminare, Übungen und so fort. Erfahrungen bleiben etwas Persönliches, auch wenn ein zentrales Element in der geomantischen Erfahrung die Verschmelzung mit dem Ganzen ist. Unter Umständen kann eine Erfahrung ein einmaliges Ritual hervorbringen. Die Terminologie, in die Erfahrung gefasst wird, bleibt individuell und vielfältig. Eine traditionelle Übertragungsreligion hingegen ist geprägt von wiederholbaren Ritualen, tradierbaren Konzepten und einer übereinstimmenden Terminologie für Erlebtes. Beide Arten des Religionverständnisses können sehr wohl in meiner Person nebeneinander existieren und sich ergänzen. Beide Arten bereichern mich ebenso, wie sie die Gefahren des Zweifelns, der "richtigen" Interpretation (Auslegung, Missbrauch) und des Missionierungseifers bergen. Auf meinem persönlichen Weg habe ich mich insbesondere zwei Übetragungslinien zugewandt: Ich lernte östliche Meditationstechniken und meine Rituale und Haussegnungslieder von den nordamerikanischen Ureinwohnern. Eines Tages empfand ich eine tiefe Traurigkeit darüber, dass all jene spirituellen Praktiken, mit denen ich etwas anfangen konnte, aus anderen Kulturkreisen stammten. Ich begann nach den geomantischen Wurzeln meiner Vorväter zu forschen. Ich traf auf einen Begriff von Erde und Heimat, der nationalsozialistisch missbraucht war , so dass ich diesen Faden nicht aufnehmen wollte. Ich las die Bibel und hörte mir ihre Auslegung in einer Sprache an, die ich nicht verstand. Ich fand Schriften über die alten Kelten und stellte fest, das diese von ihren Feinden, den Römern, verfasst wurden .
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