Erfahrungwissenschaft Geomantie

Der folgende Beitrag ist zur Hälfte spontane Antwort auf eine Frage der Redaktion, zu einem anderen Teil bereits ausgearbeitete Erörterung. Wollte er alle Thesen auch nur soweit untermauern, dass sie ohne weitgehende Voraussetzungen, die ich andernorts dargestellt habe, nachzuvollziehen sind, würde er auf Buchformat anschwellen müssen. Insofern ist mir bewusst, dass er verwirrend wirken kann - doch ich wende mich mit diesem Beitrag ausdrücklich an diejenigen, die Interesse haben, mitzudenken und den Gauben an den Reduktionismus zu überwinden. Theoria heißt ursprünglich "Anschauung", und zwar im Sinn eines Festzuges, einer Prozession, in welcher die Inkarnationen der Götter an einem vorbeiziehen. Es ist der Weg jeder Wissenschaft, dass das, was in der Erfahrung lebendig war, in der Theorie versteinert. Das ist nicht vermeidbar. Wer diesen Prozess prinzipiell ablehnt, hat nicht verstanden, wie die menschliche Weise der Wissengewinnung vor sich geht. Nicht Vermeidung von Todesprozessen, sondern Möglichkeiten der Wiederverflüssigung sind gefragt.
Naturwissenschaft
Die neuzeitliche Physik ging um 1600 von einer pathetischen Betonung ihres Status als Erfahrungswissenschaft aus, in Abhebung von der aristotelischen Physik, die immer zugleich Metaphysik war. Die Gegenstände sollten nichts als Gegenstände sein, und ihre möglichst wenig von vorgefassten Ideen über ihre Zusammenhänge geprägte, "vorurteilslose" Beobachtung sollte "ihre Natur zeigen". Auf Basis dieser Voraussetzung aber entwickelte sich eine Theorie, die den körperlichen Gegenstand zu etwas ganz anderem macht, als wir wahrnehmen. So widersprechen ihre Schlußfolgerungen ihren Voraussetzungen. Die aristotelische Physik ist interessanterweise im Grunde näher an den Phänomenen: Wenn sie behauptet, eine Feder falle langsamer als eine Bleikugel, setzt sie nicht Gegenstände, sondern Wesen und metaphysische Wesenszusammenhänge voraus.
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