Ein Platz in unserer Kultur

Eine Standortbestimmung von Geomantie ist aus verschiedenen Blickwinkeln möglich. So lässt sich beispielsweise von außerhalb der Geomantie-Szene einiges über uns GeomantInnen und unser Tun in Erfahrung bringen. In der Zusammenschau mit unseren eigenen An- und Einsichten ergibt sich dann ein recht komplexes Bild von Geomantie als Teil unserer heutigen Kultur. Ob anhand dieses Bildes dann Rückschlüsse auf die Entwicklung einer "integralen Kultur" (nach den Vorgaben von Paul H. Ray) zulässig sind, ist noch zu klären. Die wichtigere Frage in diesem Zusammenhang scheint mir zu sein, ob Geomanten sich diesen Schuh anziehen mögen. Schließlich spricht Ray in seinem Aufsatz (Hagia Chora Nr. 9) davon, daß die "Evolution der integralen Kultur" amerikanischer Mainstream sei. So sehr ich es begrüße, wenn viele Menschen sich erweiterten Weltsichten öffnen, so habe ich doch Sorge, dass die von Ray beschriebenen Phänomene in der US-amerikanischen Gesellschaft zu einer Vereinnahmung von Geomantie für wirtschaftliche Interessen führen könnte. Mit dem Mainstream geht eben ein großes Marktpotential einher. Sind nicht schon viel zu viele wertvolle Ansätze der alternativen Szene auf dem Markt bis zur Unkenntlichkeit verzerrt worden? Haben wir nicht in den letzten Jahrzehnten schon öfter von einer "Morgendämmerung eines neuen Zeitalters" gehört, um dann lediglich einen Marketingfeldzug zu erleben? Rays Begriffe sind schwammig, unscharf. Nach kulturwissenschaftlicher Lehre ist Kultur im überregionalen Zusammenhang immer aus sich selbst heraus integral. Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Sozialpsychologie. So genannte kulturell Kreative gab es dem Wesen nach auch schon seit mehr als hundert Jahren, sie sind also kein Indikator für den Aufbruch in die "transmoderne Kultur".
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