Der Beginenhof Bremen

Ein erfolgreiches geomantisches Werkschulprojekt

von Julia Winter erschienen in Hagia Chora 11/2001

Fortgeschrittene TeilnehmerInnen der Fachausbildung "Haus" der Schule Hagia Chora waren im Herbst des Jahres 2000 aufgefordert, ihr Wissen in einem zukunftsweisenden Wohnmodell einzubringen - dem Expo-Projekt des Bremer Beginenhofs.

Die Beginen-Bewegung entstand im Hochmittelalter aus der Suche nach spirituellen Formen des Lebens außerhalb von Klostermauern. Jede Frau konnte Begine werden, ohne ein lebenslanges Gelübde ablegen zu müssen. Sie konnte alleine, in ihrer Familie, zu zweit, in Kleinst- oder Großkonventen leben. In den Konventen lebten die Frauen nach ordensähnlichen festen Regeln (siehe www.beginen.de). Heute entstehen erneut Wohnmodelle, die sich an der Beginen-Bewegung orientieren. Doch das Expo-Projekt Beginenhof - inzwischen ein international renommiertes Lebensprojekt von Frauen für Frauen - basiert auf völlig anderen Grundlagen als den historischen. Frauen von heute wollten einen Lebensraum schaffen, der Arbeit, Leben, Wirtschaften und Spiritualität vereint und sich dabei an den sozialen wie persönlichen Bedürfnissen der Frauen von heute - und morgen - orientiert. Das trifft sich mit den modernen Zielen der Geomantie, Anliegen und Lebensziele der BewohnerInnen durch die Verbindung mit den Energien des Ortes zu unterstützen und für ein Höchstmaß an atmosphärischer und struktureller Stimmigkeit zu sorgen.

Aufgabe der Werkschul-Gruppe

Aufgaben des Teams waren die Optimierung der einzelnen Wohneinheiten, die Anbindung des Gebäudekomplexes an die Energiestruktur der Stadt Bremen durch Außenraumgestaltung sowie punktuelle Verbesserungen der bestehenden Pläne. Das 23-köpfige Team unter Leitung des Geomanten Hans-Jörg Müller und der Supervisorin Elvira Recke untersuchte in einer ersten Werkschul-Woche das Grundstück, die stadträumliche Umgebung und den architektonischen Entwurf hinsichtlich Geomantie, Raumenergetik, Feng Shui, Elektrobiologie und Radiästhesie. Während einer zweiten Woche boten sie interessierten Frauen individuelle Wohnungsberatungen an. Dabei standen zum Zeitpunkt des Beginns der Zusammenarbeit sowohl Standort als auch grundlegendes Architekturkonzept bereits fest. In einer dritten Woche wurden im Juli 2000 großräumige geomantische Installationen im Außenraum durchgeführt. Ziel des Projekts war, die Ausbildungs-Teilnehmer an die Realität moderner geomantischer Arbeit heranzuführen. Nach einer einführenden Präsentation des geomantischen Ansatzes meldeten sich 30 Frauen für eine Einzelberatung an, die ohne festes Honorar auf Spendenbasis durchgeführt wurde. Kernstück der Beratung war die Optimierung ihres zukünftigen Lebensraumes auf dem Hintergrund eines so genannten Raumpsychogramms, das die Lebenssituationen von Bewohnern umfassend spiegelt. Vor einem Erstgespräch erfolgte eine Analyse der persönlichen Intentionen der Bewohnerinnen durch einen umfangreichen Fragebogen sowie eine Grundrissanalyse; nach dem Gespräch stellten die TeilnehmerInnen ihre Lösungsvorschläge zunächst einzeln in der Gruppe zur Diskussion. Die Ausbildungsleiter ermutigten die StudentInnen, jeweils eigene Wege zu finden. Schließlich kommen wir nicht mit fertigen Vorgehensweisen in die Beratung und setzen überall dasselbe um, sondern wir entwickeln für jedes Projekt einen individuell angepassten Lösungsansatz. Es ist eine ernste Herausforderung an die Geomantie, auf neue soziale Formen mit neuem Herangehen zu antworten. Für die GeomantInnen besonders interessant war die Situation, hier ein neutrales "Versuchsfeld" vorzufinden, um Rückmeldungen über Sinn, Relevanz, Akzeptanz und individuelle Zufriedenheit von geomantischer Beratung zu erhalten. Immerhin lagen über 30 Beratungen in einem Nahraum mit fast gleichen Bedingungen vor. Und interessanterweise wussten auch die meisten Beginen noch so gut wie nichts über Ansatz und Arbeitsweise von Geomantie oder Feng Shui. Gemeinsam mit der wissenschaftlichen Begleiterin des Projektes, Christina Bock, wurde im Anschluss an die Beratungen eine sorgfältig erarbeitete Fragebogenaktion durchgeführt, die zeigte, dass die Wünsche und Erwartungen offenbar voll in Erfüllung gegangen waren. Vieles von der Arbeit der Geomanten lässt sich heute - nach 2 Jahren begleitender Beratung und geomantischer Umsetzung - am Baukörper und der Umgebung selbst entdecken: über den gesamten Bodenbereich der Anlage erstreckt sich eine Spirale - das Symbol der Beginen - die mit rotem Granit in den Untergrund eingelassen ist. Mit verschiedenen Steinsetzungen kreierte das Team einen pulsierenden Energiekreislauf. Auf ausgewählte Punkte gesetzt, sollen die Steine Energie in den Mittelpunkt der Spirale lenken, sie verteilen und auch problematische Bereiche ausgleichen. Zudem sollte auf einer ästhetischen Ebene dem modernen, sehr abstrakten Baukörper wieder ein natürliches Feld verliehen werden. Große, geeignete Steine fand man im Bremer Umland. Die GeomantInnen prüften die Steine auf Größe, Form, Energie und Resonanz mit den zukünftigen Aufgaben. Bei der Auswahl spielte die persönliche Intuition eine große Rolle. Ein besonderer Stein in der Form eines Menhirs vermittelte von Anfang an eine starke Präsenz, von ihm ging Wärme und ein starkes Pulsieren aus. Hans-Jörg Müller kam mit diesem Steinwesen "ins Gespräch" und erfuhr von seinem Vermögen, selbständig eine energetische Verbindung zu kosmischen Sphären aufzubauen und einen Kraftstrom mit "Mond-Qualität" zu etablieren - "ein Mondenstein, der in der Nacht lebendig wird". Viele alte Kulturen schrieben dieser Art von Steinen besondere Kräfte zu: Als ursprünglicher Bestandteil eines Berges repräsentierten sie die göttlichen Mächte, die man in Bergen ansässig sah. Der Berg ist nicht nur eine Verbindung zwischen den Kräften des Himmels und den Kräften der Erde, er ist - als Weltenberg - symbolischer Mittelpunkt der Welt. Durch den Stein übermitteln sich die kosmische Kräfte in den Erdenraum. Diese Vorstellung widerspiegeln zahlreiche Anwendungsformen der Steine zu Heilzwecken und bei Fruchtbarkeitskulten. Dieser Stein - von einer Teilnehmerin über den gesamten Zeitraum betreut - wurde nun zum "Stein der Mitte", zu einem Geniensitz, wie der historische Roland auf dem Bremer Marktplatz, in einer modernen, abstrakten und zugleich universell-archaischen Gestaltungssprache.

Erneuerung einer alten Tradition

Der Bremer Beginenhof möchte unter dem Motto "Frauen schaffen Zukunft" eine alte Tradition neu begründen. Frauen aller Altersgruppen, mit und ohne Kinder, können hier generationsübergreifend zusammenleben. Sie verbinden Eigenständigkeit und Rückzugsmöglichkeit in der eigenen, abgeschlossenen Wohneinheit mit dem Eingebundensein in eine Gemeinschaft, die ihnen nachbarliche Kommunikation, Hilfe und Solidarität bietet. Männer sind als Gäste stets willkommen, es geht nicht darum, sie auszuschließen. Nur wohnen dürfen sie hier nicht - gemäß altem Brauch der Beginen. Die religiöse Bewegung nahm im 12. Jahrhundert ihren Anfang. Unverheirateten Frauen, die nicht ins Kloster gehen wollten, bot sich hier eine einzigartige Möglichkeit für eine autonome wirtschaftliche Existenz. Vor allem in Holland, Frankreich und Deutschland entstanden zahlreiche Beginenhöfe, in denen kleinere Gemeinschaften nach eigenen Regeln unter demokratischer Führung zusammenlebten. Obwohl sie - um nicht als Ketzerinnen zu gelten - unter der Autorität der katholischen Kirche stehen mussten, stellten sie in gewisser Hinsicht ein Gegengewicht zu den häufig in Machtstreben und Reichtum erstarrten katholischen Glaubenshütern dar. Ihr Leben orientierten die Beginen am Vorbild von Jesus Christus. Sie lebten in Armut, gaben Besitztümer in die Obhut der ganzen Gemeinschaft und leisteten Dienste der Nächstenliebe, wie z.B. Krankenpflege oder Sterbebegleitung - ein Aspekt, der in Bremen wieder aufgegriffen wird: Die Möglichkeit, im Krankheitsfall in der eigenen Wohnung Pflege zu erhalten und dort eventuell auch zu sterben, ist ein Grundgedanke des Projekts. "Wenn Frauen quer durch die Generationen und unter einem Dach Beziehungsgeflechte gegenseitiger Unterstützung entwickeln, gibt es weder Bedarf an teuren Diensten für alleinerziehende Mütter noch an menschenunwürdigen Alten- oder Pflege- und Sterbeghettos. Darin steckt die soziale und wirtschaftliche Brisanz des Modells" schreiben die Initiatorinnen auf ihrer Internetseite. "Auf dem Höhepunkt der Individualisierung wagt das Modellprojekt den Versuch, eine Lebensform zu begründen, welche die individuelle Autonomie nicht in Frage stellt, sie aber bewusst mit einem neuen Typus von Sozialbindung verknüpft. Es ist die Wahlverwandtschaft. Wahlverwandtschaft meint Zusammengehörigkeit ohne Abhängigkeit und Verantwortung ohne lebenslange Pflichten." Für diesen Ansatz erhielt der Beginenhof vor kurzem eine große Auszeichnung der UNO: Er wurde von der UNCHS (United Nations Center of Human Settlement) in die "Ehrenliste für ausgezeichnete Projekte im Bereich Lebensraum" aufgenommen. Mit dem Preis will die UNCHS vor allem Initiativen, die weltweit übertragbar sind, ehren und hervorheben, damit sie anderen Ländern als Anregung dienen können.

Die Architektur

Für das 6000 Quadratmeter große Grundstück in der Bremer Neustadt (Buntentorviertel) entwarf die bekannte Hamburger Architektin Alexandra Czerner unter Berücksichtigung der zuvor geäußerten Wünsche drei kreissegmentartig geformte, um einen Innenhof in Hufeisenform angelegte Häuser. Fassaden- und Raumgestaltung nehmen Bezug auf die in Bremen traditionell schlanken Maßstäbe, eine zeitgemäße Formensprache hebt den Gebäudekomplex jedoch bewusst von seinem über hundert Jahre alten städtebaulichen Umfeld ab. Offene Erdgeschosse, eine Markthalle, verschiedene, teils veränderbare Wohneinheiten, Gruppenräume für die Beginen und altersgerechte Zugänge sowie ein Kindergarten bieten Raum für neue Möglichkeiten des Zusammenseins. Angestrebt ist eine Verbindung von Wohnen, Arbeit und Freizeit, von privatem und öffentlichem Raum. Im Parterre befinden sich Gewerbeflächen (Bäckerei, Café, Kosmetik, Friseur, Wellness etc.). Auch eine ökologische Zielsetzung ist gegeben: Das Projekt erfüllt die Kriterien der Lokalen Agenda 21 und hat ein vorbildliches Mobilitätskonzept entwickelt. Die offene Form des Grundrisses soll den Austausch zwischen dem Beginenhof und seiner Umgebung fördern. Sowohl eine schöne Parklandschaft als auch die Altstadt von Bremen, das Zentrum mit dem Wahrzeichen des Roland, befinden sich in unmittelbarer Nähe - aus geomantischer Sicht ein ausgesprochener Glücksfall, manifestieren sich doch im Roland, dem durch eine Statue repräsentierten und in der Stadt immer noch wirksam anwesenden Genius Loci, Qualitäten, die den Zielen des innovativen Wohnprojekts entsprechen. Bereits die Errichtung des Roland im 13. Jahrhundert - gedacht auch als inhaltliches Gegengewicht zur Macht der Kirche - demonstriert Freiheitswillen und Unabhängigkeitsstreben der Bürger. Sein griffbereit gehaltenes Schwert symbolisiert Schutz- und Wehrhaftigkeit, der musizierende Engel auf seiner Gürtelschnalle personifiziert den hohen Stellenwert der Kultur. Toleranz, Weltoffenheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Selbstorganisation sind weitere Eigenschaften. Durch die Präsenz des Ortsgenius wird die Identität und Stabilität der Stadt gewahrt. Dieser Zusammenhalt durch eine geistige Kraft ist aus geomantischer Sicht in Norddeutschland besonders wichtig, da keine Berge oder andere begrenzende Landschaftsformen vorhanden sind, die einen Stadtorganismus stabilisieren. Bezeichnend für die große Bedeutung des Roland ist ein Gesetz der Stadt, das die Bürger noch heute dazu verpflichtet, den Roland im Falle einer Zerstörung binnen 24 Stunden wieder aufzurichten. Für alle Eventualitäten befindet sich ein "Ersatzroland" im Keller des Rathauses.

Die Anima Loci der Stadt

Zu den geomantischen Grundstrukturen der Stadt gehört neben dem Genius auch die Anima loci, die Ortseele, welche die Erinnerungen hütet und die man vielleicht als das Wesen des Ortes an sich definieren könnte. Wer mit ihr in Kontakt treten kann, erfährt etwas von der Geschichte des Ortes, von seinen Verletzungen, aber auch von seinen Potenzialen. Zum Auffinden der Anima loci, anderen Genien und übergeordneten Formenkräften studierte die Hagia-Chora-Gruppe zunächst die Messtischkarten der Stadt. In der Wasserlandschaft der Weser fand man am alten Krähenberg der Werderinsel das Zentrum der "Seele des Ortes". Eine angehende Geomantin beschreibt ihre Begegnung mit der Anima loci: "Während einer Wahrnehmungsübung auf einem Bootsanleger, der direkt ans Ufer ins Wasser gebaut ist, erscheint das Bild einer Flussgöttin, die riesengroß und leuchtend über dem Fluss schwebt. Sie hat wildbewegte, lange Haare, aus Flüssen und Schlangen gebildet, und einen ebenso bewegten Kleidersaum. Obwohl schlank und ruhig über der Landschaft schwebend, strahlt sie eine unbändige Kraft und Bewegung aus. Sie scheint ans Wasser gebunden und prägt doch alle Landschaft im Umkreis. (.) Die Anima loci von Bremen ist geprägt von der Kraft des Wassers, des Stärksten unter den Elementen. Das Grundstück der Beginen befindet sich in unmittelbarer Nähe der Werderinsel. Diese Lage, so dicht am weiblichen Energiezentrum der Stadt, bedeutet eine starke Unterstützung für das Frauenprojekt. Das Gebiet der Werderinsel ist als Kraftquelle und Meditationsort besonders für Frauen geeignet." (Angelika Arend) In einer Stadtführung wurden die "Orte der Kraft" mit ihrer Bedeutung und ihren Möglichkeiten des "Auftankens" und Eintauchens in den Geist dieses Lebensraumes durch Teilnehmer der Ausbildungsgruppe an die Beginen weitergegeben. Wie ein lebendiges Wesen nimmt die Landschaft in einem Atmungsvorgang an bestimmten Punkten kosmische Energie auf, die sie an anderen Stellen wieder abgibt. Solche Punkte befinden sich - was bei einem Grundstück dieser Größe nicht unbedingt zu erwarten ist - auch auf dem Beginenhof. Hans-Jörg Müller und Team verlegten den auf dem Grundstück befindlichen kosmischen Einstrahlpunkt in die Mitte der großen Bodenspirale und besiegelten mit dem Ritual der Grundsteinlegung die Anbindung der gesamten Anlage an die umgebenden Energien. So gelange immer genug Kraft in das Projekt, erläutert er. "Alles, was an Energie gebraucht wird, kann einfließen und sich über die Spirale und über weitere Installationen, z.B. die Steine, in dem gesamten Projekt verbreiten."

Das Kosmogramm

Für das Zentrum der Anlage wurde ein eigenes Kosmogramm entwickelt, das die hindurchfließende Energie entsprechend seiner Symbolik in ein bestimmtes Schwingungsmuster versetzten sollte. In einer einzigen Linie nimmt das Kosmogramm die Spirale - das Logo der Beginen - auf, führt sie symbolisch durch die Lebensphasen von Geburt, Kindheit, Gemeinschaftsleben und Wandlung bis zum Tod - wiederum eine Spirale. Im Mittelpunkt repräsentiert eine dreifache Mandorla die dreifache Göttin: Eine Spirale, die sich als Auge öffnet, die Bewusstheit der Weißen Göttin, ein Kreis als Lebenssymbol die Rote Göttin, Gralskelch und ein Zeichen der Wandlung die Schwarze Göttin. Das Zeichen ist insgesamt eine Balance von Werden und Vergehen, von Gemeinschaft und Individualität, von Bewusstsein und Leiblichkeit. Alles wird durch die aus einem Stück entwickelte Form in eine Einheit geführt. Das Kosmogramm wurde auf einen achteckigen Stein eingemeißelt und bei der Grundsteinlegung vergraben. Damit wollte man erreichen, dass die Kraft des Kosmogramms sich nicht äußerlich zum Anschauen, sondern als inneres Prinzip im täglichen Leben manifestiert. Die Zeremonie der Grundsteinlegung orientierte sich an einem alten etruskischen Ritual. In das im Zentrum ausgehobene Loch legte jede der neuen Bewohnerinnen ein Geschenk hinein, etwas, das für sie von Bedeutung war - Anlass für bewegende Momente. Eine Frau trennte sich von einem Stein, der ihr 30 Jahre lang als Glücksbringer gedient hatte, mit dem Wunsch, er möge nun allen Frauen Glück bringen. Ein solches Ritual schafft eine tiefe Verbindung. Viele betrachten den Beginenhof auch als ihr endgültiges Zuhause, das sie nicht mehr verlassen möchten. Nach der Tradition der Grundsteinlegung wurden die Geschenke vorher "energetisch sortiert", damit sich ein harmonisches Energiemuster vom Entstehungspunkt des Projektes ausgehend überall hin ausbreitet. Vier "Repräsentanz-Steine" verbinden die Mitte mit den umliegenden Steinsetzungen - kleine Gesteinsproben erzeugen einen "Sympathiestrahl". Daraus entstand ein Energiegewebe, das mit einer eigenen Intelligenz arbeiten kann, eine Art multidimensionaler Energiekörper, der Energie dorthin trägt, wo sie gebraucht wird, und sie dort abfließen läßt, wo ein Überschuss gegeben ist. Solche eigenständige Systeme zu schaffen, sei übergeordnetes Ziel geomantischer Maßnahmen, erklärt Hans-Jörg Müller. Es bestünde sonst die Gefahr, dass der Geomant, der so viele Dinge wahrnimmt, sich (und seine Kunden) überfordert, indem er versucht, alle Probleme zu lösen. "Man muss Systeme schaffen, die so viel Eigenintelligenz besitzen, dass Disharmonien ohne weiteres Zutun der Menschen allein ausgeglichen werden, und zwar auf sehr einfache Weise. Das kann erreicht werden, wenn man die Ebene der Kraft verstanden hat. Wenn ich eine organische Sympathiebeziehung zwischen Objekten geschaffen habe, kann Energie aus ihrer eigenen, Potenziale ausgleichenden Gesetzmäßigkeit heraus fließen, und übermäßige oder mangelnde Potentiale gleichen sich von selbst aus."

Radiästhetische Untersuchungen

Auch radiästhetische Gesichtspunkte spielten bei dem Projekt eine Rolle. Wasseradern auf dem Grundstück wurden mit der modernen Methode der Doppel-Entstörtechnik neutralisiert. Dabei verwendete man auf Grundlage der "physikalischen Radiästhesie" brillenspiralenförmige Multifrequenzresonatoren und das klassische, schon von den Römern eingesetzte Opus spicatum (Fischgrätenwerk). Mittels speziell angeordneter Steine werden vorhandene Strahlungen in einem Punkt gebündelt und in Richtung der Wasserader zurückgelenkt, so dass sie sich über das Phänomen der Interferenz selbst löschen. Das Wasser wurde andererseits auch als Anreger benutzt, um eine Atmosphäre von Leichtigkeit in das Gebäude hineinzubringen, was von den Bewohnerinnen als ein Gefühl von Freude und Getragensein beschrieben wurde. Es war den GeomantInnen ein Anliegen, durch ihre präzise ansetzenden, aber auch flächenübergreifenden Vorgehensweisen nicht nur punktuelle Probleme zu lösen - zu "entstören" -, sondern im ganzheitlichen Sinne die "Probleme" immer auch als Chancen zu begreifen. In diesem Fall: das Wasser als positiv anregende Struktur zu nutzen. "Alles hat seinen Sinn am Ort."

Analyse des Baukörpers

Neben der radiästhetischen Untersuchung des Grundstücks analysierte man den Baukörper nach geomantischen Formenlehren, Feng Shui und Raumpsychologie und gab entsprechende Empfehlungen. Als besonders große Schwachstelle fiel sofort ein fehlender Raum in einem Bereich auf, der kulturübergreifend die Qualität von "Fülle und Reichtum" repräsentiert, ein Hinweis auf Schwierigkeiten mit der Finanzierung. Und in der Tat: Im Laufe des Projektes ergaben sich vor allem Probleme im monetären Bereich. Auf gestalterischer Ebene fand man im Juli Möglichkeiten, diesen Mangel - wieder durch Setzung eines Steines - zumindest teilweise auszugleichen, und wir können hoffen, dass den Beginen auch die Wirksamkeit dieser Maßnahme beschieden sein wird. Abschließend Hans-Jörg Müller: "Mit ihrem engagierten, kompetenten Einsatz haben die TeilnehmerInnen der Ausbildungsgruppe nicht nur ihre Befähigung unter Beweis gestellt, sondern auch aufgezeigt, dass Geomantie heute eine Bereicherung für Lebensprojekte auf vielen Ebenen sein kann, auch der sozialen und emotionalen. Sie schafft Bewusstheit für den eigenen Lebensraum, verbindet mit Geschichte und Identität eines Ortes und unterstützt durch Planungsbegleitung sowie radiästhetische oder geomantische Ausgleichsmaßnahmen und Zeremonien Gemeinschaften in ihrem Miteinander, hilft konkret bei der authentischen und erfolgsorientierten Lebensraumgestaltung von Menschen und Gewerben."