Geomantie und Matriarchat

Mein Zugang zur Geomantie ist ein doppelter, ein wissenschaftlicher und ein spiritueller. Über den ersteren lässt sich leichter sprechen, über den letzteren schon schwieriger, denn er ist eine Praxis. Ich bin als Matriarchatsforscherin lange meinen eigenen Weg gegangen, auf dem sich mir eine gewisse kulturelle Ganzheitlichkeit zunächst theoretisch, dann immer mehr auch praktisch-spirituell eröffnet hat. Dabei bin ich gar nicht auf den Gedanken gekommen, dass meine Arbeit auch mit Geomantie in ihrem tieferen Verständnis zu tun haben könnte, geschweige denn, dass ich mich als "Geomantin" bezeichnen würde. Insofern näherte ich mich der Geomantie sozusagen "von außen" und war/bin dennoch mittendrin. Durch diese Position "von außen" hatte ich die Gelegenheit, die Geomantie über einen längeren Zeitraum zu beobachten und reflektierend zu betrachten. Etwas an ihr zog mich an, etwas anderes stieß mich ab. Ich konnte mir lange keinen Reim darauf machen, ob dies nun eine neue esoterische Modeerscheinung ist (wofür es Anzeichen gab) oder ob dies der Ort für Radiästhesie-Ingenieure als Spezialisten ihrer Geräte ist (wofür es auch Anzeichen gab). Dazwischen klaffte für mich eine beträchtliche Lücke. Ferner nahm ich einen recht frei flottierenden Umgang mit historischen Monumenten wahr, die von steinzeitlichen Megalithbauten bis zu christlichen Domen wie Ersatzstücke benutzt wurden, wobei sie alle quasi in derselben Zeit- und Kulturdimension vorzukommen schienen. Das verschlug der Kulturhistorikerin in mir - die ich in einem nicht-traditionellen Sinne auch bin - des öfteren die Sprache. Diese Anzeichen hielten mich, trotz meiner erheblichen Sympathie für die Sache, geistig auf Distanz. Die gegenwärtige theoretische und zugleich spirituelle Selbstreflexion der heutigen Geomanten und Geomantinnen auf ihr Gebiet, verknüpft mit der Frage nach einer "integralen Kultur", scheint mir jedoch der Weg zu sein, die eben benannte Lücke zu schließen, oder besser gesagt: sie durch ein neues Drittes zu überwinden. Gleichzeitig taucht bei der Frage nach einer "integralen Kultur" und der Rolle der Geomantie in diesem Zusammenhang notwendig die Frage nach der Kulturgeschichte auf, und zwar - zur Freude der Philosophin in mir - selbstredend einer philosophisch verstandenen Kulturgeschichte.
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