Elemente des Vaastu
Kosmologie und Orientierung
Die erste Folge dieser Artikelreihe
hat sich mit den geistig-spirituellen Hintergründen des indischen Denkens, der Philosophie des Veda und insbesondere des Vaastu und seiner Herkunft auseinander gesetzt. Wolf-Dieter Blank betrachtet nun einzelne Elemente, zum Beispiel den Vaastu-Dämonen Purusha, seine Lage in den verschiedenen Himmelsrichtungen und seine Beziehungen zu Göttern und Menschen.
Es ist interessant, dass auch das uralte Wissen des Vaastu seit einigen Jahren in Indien eine große Renaissance und zunehmende Akzeptanz im Westen erfährt. Moderne Einfamilienwohnhäuser, Mietshäuser, aber auch Büro- und Industriebauten werden möglichst mit den überlieferten Regeln in Einklang gebracht. Viele Wohnanforderungen haben sich allerdings im Laufe der Jahrhunderte geändert, und so gilt es, traditionelles Wissen an modernes Leben, technische Notwendigkeiten, Bauvorschriften und Anforderungen der Umwelt anzupassen. Vaastu ist jedoch auch heute ein zeitgemäßes und sinnvoll einzusetzendes Instrument, um "Wohl oder Leid" beim Hausbau und insbesondere beim späteren Bewohner zu steuern. Vaastu hat das Ziel, alle Komponenten des Wohnens zu ordnen und auf die alten Regeln auszurichten. Diese sind mythischen Ursprungs, sie wurden von den Weisen (Rishis) geschaut und anschließend aufgezeichnet. Im "Mikrokosmos Haus" werden alle Kräfte harmonisch zum Wohle des Menschen zusammengeführt. Die innere Ordnung und Struktur des Gebäudes soll dafür mit den äußeren Gegebenheiten übereinstimmen, um nicht zu einer Schwächung einzelner Funktionen zu führen.
Das Vaastu-Purusha-Mandala
Im Mittelpunkt des Bauens und Wohnens steht der Vaastu Purusha bzw. das Vaastu-Purusha-Mandala. Purusha bedeutet dabei etwa "Seele" oder "Geist" und lässt sich heutzutage zeitgemäß am besten mit "Energie" übersetzen. Der Begriff Mandala ist bekannt als Kreis-Form mit starkem Symbolgehalt. Im Matsya-Purana, einer der alten heiligen Schriften, wird der Ursprung des Vaastu-Purusha erzählt, der bis in die Zeiten zurückreicht, in der Götter und Dämonen um die Vorherrschaft ringen: "Vor langer Zeit lebte ein Dämon, genannt Bhuta. Er entstand aus einem Kampf zwischen Shiva und dem Asura Andhaka. Durch die große Kraftanstrengung, ihn zu besiegen, schwitzte Shiva - ein Tropfen heißer Schweiß rann von seiner Stirn und fiel auf den Boden, aus dem sofort ein fürchterlicher Dämon entsprang. Dieser hatte einen schrecklichen Gesichtsausdruck, und sein Hunger war unsagbar groß. Shiva zwang ihn, das Blut des besiegten Dämonen Andhaka zu trinken, das sich in großen Mengen über den Boden verbreitet hatte, aber er war damit nicht zufrieden. Durch intensive Buße gewann er Shivas Gunst und erlangte dabei die Erlaubnis, alle drei Welten zu verschlingen. So breitete er sich über die ganze Erde aus und war dabei, die hohen Himmelswelten zu erobern, als er stürzte und mit dem Bauch auf die Erde fiel. Die Gunst des Augenblicks nutzend, begannen alle Götter und Halbgötter und ihre Helfer auf ihn niederzuspringen und ihn mit dem Gesicht zur Erde festzuhalten. Da die Götter und alle anderen sich auf verschiedenen Teilen seines Körpers niederließen, wurde er Vaastu ("der Platz, wo Devas bzw. Menschen wohnen") genannt.
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