Die alles durchwirkende Zeit
Die Konkretisierung der Zeit ist eine der Voraussetzungen für eine integrale Kultur. "Denn es kann nur das Konkrete, niemals das Abstrakte integriert werden" (Jean Gebser, 1905-1973). Im Frühjahr bin ich von der Montessori-Gesamtschule Potsdam (Schulleiterin Ulrike Kegler) beauftragt worden, auf dem Schulhof ein Sinneserfahrungs-Gelände zu gestalten. Nach einer eingehenden Besichtigung und Gesprächen mit dem Gestalter der bisherigen Anlage, Vertretern des Grünflächenamtes und der bevorstehenden Bundesgartenschau erarbeitete ich das Projekt, das in der Woche vom 17. bis 21. September 2001 durch 160 Schülerinnen und Schüler ausgeführt wird. Von der Bundesgartenschau sind zwei Fachleute zur Verfügung gestellt, Lehrerinnen und Lehrer beteiligen sich helfend und organisierend.
Ein Schulhof zur Entfaltung der Sinne
Das zu gestaltende Areal ist ein Birkenwäldchen mit Jungbäumen, die vor etwa 30 Jahren in Reih und Glied angepflanzt wurden. Einige Lücken haben sich von Natur aus gebildet, einige alte Bäume standen schon auf dem Areal, vor allem eine große Eiche in der Mitte des Wäldchens. Für die Projektwoche konnten sich die Kinder verschiedene Arbeitsgruppen anschließen - in jeder Gruppe waren alle Altersstufen vertreten. Im Sinneserfahrungs-Gelände waren die Gruppen "Sinnespfad", "Spielgeräte", "Mergelplatz", "Duftgarten", "Klangobjekte" und "Dokumentation" beschäftigt. Die Kinder waren über das Projekt gründlich informiert worden, und die Arbeit war so gründlich vorbereitet, dass schon nach dem ersten Werktag ein eindrucksvolles Ergebnis vorlag, das alle Beteiligten beflügelte. Ein Fuß- und Sinneserfahrungspfad windet sich durch das Wäldchen. Das flache Gelände ist durch aufgeschüttete Hügel gestaltet, die mit Brücken verbunden werden. Eine der Brücken ist als Kettensteg, die andere als Hangelreck ausgebildet. Mit den Füßen ertasten wir die Mutter Erde, die uns trägt und ernährt (Material - Mater). Wir beginnen, sie zu verstehen. Ihre Energie stärkt uns. Der Anblick von mächtigen Bäumen lässt uns in der Wirbelsäule aufrichten, den Kontakt zwischen Erde und Himmel innerlich herstellen. Im bewussten Atmen erfahren wir die Baumgestalt unserer Lunge als sich bedingende und erhaltende Gegenform zu den Sauerstoff spendenden Bäumen. Natur in uns und Natur um uns vereinigen sich zu einem Ganzen. Wir lauschen dem Rauschen der Blätter in den Bäumen. Feine Klangmobile, bewegt durch einen leisen Wind, verbreiten zarte Klänge im Zauberwald. Die Welt ist Klang. Wir alle klingen, wenn wir uns öffnen und unsere Spontaneität sich äußern lassen.
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