Geomantie in der Öffentlichkeit

von Martin Schmidt-Bredow erschienen in Hagia Chora 10/2001

Der Kosmos lebt, weil wir leben - dies sagt eigentlich schon alles: Unsere Welt entsteht daraus, dass wir sie wahrnehmen. Die Frage, inwieweit von uns nicht Wahrgenommenes wirklich existiert und auf uns einwirken kann, möchte ich weiterhin den Zirkeln gemeinsamer Seminare von Philosophen und Quanten-Bewusstseinsphysikern überlassen. Meine Konsequenz daraus ist - ähnlich dem Schamanismus - möglichst viel um mich herum als belebte, bewusste Wesenheit zu begreifen, mit der Chance, mit dieser zu kommunizieren. Ein drastisches Beispiel und harter Lernprozess war für mich mein jahrelanger, ganz persönlicher Kleinkrieg mit Computern - auch sie sind Wesen -, der mich gelehrt hat, es auch hier mal anders zu versuchen. PC-Experten hatten mir bestätigt, dass meine Geräte überproportional viele Fehler produzierten. Das Haupthindernis ist für mich im Zweifelsfall doch wieder, etwas als tote Materie zu betrachten und damit als Arbeitssklaven bzw. als beliebig für meinen Willen verfügbar. Offenbar geht aber vieles besser, wenn ich freundlich, liebe- und respektvoll der Materie gegebenübertrete, egal ob einem PC, Auto oder Haus. In die Phase unreflektierter New-Age-Begriffe sind die neuen Geomanten vermutlich gerade erst eingetreten. Die Schaffung einer für alle geomantisch Tätigen gemeinsamen Begriffswelt ist für mich nicht im Ansatz erkennbar, weil zuerst tausend alte Begriffe ausgegraben und hundert neue kreiert werden. Solche intellektuelle Akrobatik scheitert jedoch meist in dem Bemühen, das erspürbare Unsagbare anderen Menschen nachvollziehbar mitzuteilen. Physikalische Ebenen einerseits und gefühlsmäßige bzw. spirituelle Erfahrung andererseits auseinanderzuhalten, dürfte ein intellektuelles Konstrukt sein. Die Diskussion und Forschung über Bewusstseinsphysik in den 90er-Jahren in den USA, von der bei unseren Esoterikern so gut wie nichts angekommen ist, macht keinerlei Hoffnung, dass es irgendeine Versuchsanordnung auf der Welt gäbe, bei welcher der Beobachter nicht schon allein durch seine Einstellung eingreift und damit seinen neutralen Status verliert. Für tragfähig halte ich Geomantie dann, wenn sie ihr Ergebnis anderen Menschen vermitteln kann, sei es durch Einbeziehung von Bauherren in den Bewusstwerdungsprozess oder einfach dadurch, dass die übrigen Menschen als Nutznießer die verbesserte positive Atmosphäre wahrnehmen und vielleicht auch anerkennen. Mein persönliches Weltbild ist selbstverständlich über unsere Raumzeit hinaus ein höherdimensionales. "Darüber hinaus" heißt aber auch, dass die lineare Zeit von einer höheren Dimension aus gesehen nicht mehr existieren kann und das naive Reinkarnationsmodell damit ad absurdum geführt wird. Es gibt aber eine Art Zwischenschicht, die ich so wahrnehme: Muster aus anderen Zeiten können Resonanz zu heute existenten Orten oder auch zu real existierenden Menschen entwickeln, was Reinkarnationserinnerungen wieder rechtfertigen könnte.

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