Geomantie in Worte fassen?
Geomantie - Weissagen aus den Zeichen der Erde - beruht auf sehr individuellen Erfahrungen. Kann sie dann einen Beitrag zur Evolution einer integralen Kultur leisten? Diese Frage beschäftigt auch uns schon länger. Je mehr wir in dieses Thema eintauchen, erscheint uns eine neue Frage wichtiger: Soll die Geomantie denn überhaupt einen solchen Beitrag leisten? Und: was bedeutet Wissenschaft oder wissenschaftlich? "Beiträge" im herkömmlichen Sinn durchlaufen so genannte wissenschaftliche Überprüfungen, deren Logik und Denkweise denen der Geomantie vollkommen entgegenstehen. Der Standpunkt des wissenschaftlichen Denkens liegt in der notwendigen Distanz zum Forschungsobjekt, zum Beobachteten. Ein Geomant aber, der als Beobachter diese Distanz nicht überwindet, nicht eins wird mit dem Beobachteten, kann überhaupt nicht in diese völlig andere Erfahrungswelt "einsteigen". Ist nicht Geomantie auch eine heilige Betrachtungsweise eines Schwingungsmusters? Mantie, griechisch manteia, "Weissagung", kommt von mainesthai, "außer sich sein, verzückt sein", und bedeutet, dass ihre Erkenntnisse nur in einem Zustand der Entrückung oder Trance erreicht werden können. Für den, der diesen Zustand durchlebt, bedeutet es auch eine besondere Gnade. Geomantie ist für uns das Einswerden mit dem Ort, der Schwingung, und das Durchdringen und Durchwirken von Beobachter und Beobachtetem. Beispiel: Ein kundiger Schamane oder eine weise Frau beobachten den Flug eines Milans. Ihre Beobachtung geht so tief, ist so absolut gründlich, dass sie nach kurzer Zeit im Körper des Vogels mitfliegen. Über ihre Erfahrung des Vogelbewusstseins verschmelzen sie zu einem Wesen: Menschenvogel oder Vogelmensch. Wie soll eine solche Wahrnehmung wissenschaftlich verständlich ausgedrückt werden? Soll das überhaupt geschehen, und warum? Ist das nicht eine besondere Gnade, über die der Kundige niemals spricht, vielleicht auch gar nicht sprechen kann - zumindest nicht mit Sprache und Logik der Menschen? Sind nicht alle "mantischen" Erklärungen bzw. Berichte unvollkommen, weil es die Trennung des lebendigem Seins und des menschlichen Ichs gibt? Ist die Trennung aufgehoben, existiert keine verbindliche Wortwahl, kein Erklärungsversuch mehr, und Geomantie beginnt zu wirken.
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