Mit der Welt sprechen
Der Kosmos lebt, weil wir leben." Man könnte den Satz auch umdrehen, und er verlöre nichts an Gültigkeit: "Wir leben, weil der Kosmos lebt". Die Aussage der so genannten "Tabula Smaragdina" des Hermes Trismegistos - eines spätantiken hermetischen Textes - zeigt, dass es nichts grundlegend "Neues" unter der Sonne gibt: "Wahr, ohne Lüge, sicher und vollkommen wahrhaftig ist: Was unten ist, ist wie das, was oben ist, und was oben ist, ist wie das, was unten ist, um die Wunder des Einen zu vollbringen." Die Erkenntnis, dass sich die Erscheinungen des Makrokosmos im Mikrokosmos spiegeln, war vor Jahrtausenden der Beginn dessen, was man heute Astrologie nennt. Aber was verstehen wir unter dem Begriff Kosmos? Ist es die Gesamtheit der Planeten, Sterne, Galaxien und Sternhaufen, der schwarzen Löcher und Metagalaxien, also letztlich etwas Materielles? Oder müssen wir nicht zuerst die Frage stellen, ob dem sinnlich wahrnehmbaren Kosmos, der von der Naturwissenschaft seit dem 17. Jahrhundert immer genauer unter die Lupe genommen wird, nicht ein geistiger Kosmos gegenübersteht - oder, besser gesagt, dieser die andere Seite der Medaille bildet. In der nach Planetengottheiten benannten Siebentagewoche haben wir noch immer eine Erinnerung an eine geistige Welt hinter der materiellen Welt. Der Mittwoch heißt z.B. in Frankreich Mercredi - der Tag des Hermes/Merkur, Freitag heißt französisch Vendredi - nach der Venus, der Samstag wird im Englischen Saturday genannt, nach Saturn. Der antiken Weltsicht war noch zugänglich, dass die mit dem Auge sichtbaren Himmelskörper nur die äußere Erscheinung darstellen, so wie die äußere, körperlich-physische Erscheinung des Menschen seinen geistigen Wesenskern umgibt. Wollte man nun den Menschen nur nach seinem körperlichen Aussehen beurteilen oder ihn gar auf das physische Erscheinungsbild reduzieren - wie das in der positivistisch geprägten Naturwissenschaft tatsächlich praktiziert wird -, dann würde man aus meiner Sicht denselben Irrtum begehen, wie wenn man den Planeten Erde als Produkt eines zufälligen Zusammentreffens von elementaren materiellen Bausteinen bezeichnete. Im Megalithikum war die Vorstellung von der "Großen Mutter Erde" von Schottland bis in den Nahen Osten verbreitet.
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