Der Kristallplanet, Teil 03
Ideengeschichte der globalen Gitternetze
Das dritte Kapitel von Marco Bischofs Arbeit über die globalen Gitternetze schildert einen Prozess, der bei der Evolution neuer Hypothesen zu unerklärbaren Phänomenen häufig zu beobachten ist: Unter Heranziehung jeder verwandt scheinenden Theorie und unter heftiger Legendenbildung entwickeln auch exotische Ideen ein Eigenleben: UFOs, Katastrophentheorien und Erdenergielinien bilden ein völlig neues Amalgam.

Unter dem Titel "Planetary Grid" erschien im Mai 1975 in der amerikanischen Zeitschrift "New Age Journal" eine Zusammenfassung der in der letzten Folge (Hagia Chora Nr. 8) beschriebenen russischen Arbeiten aus der Feder des bekannten Buchautors Christopher Bird. Sie stellt den Wendepunkt in unserem historischen Überblick dar, denn sie leitete eine völlig neue Phase in der Entwicklung der Hypothese vom Kristallplaneten ein und machte die Idee zu einem zentralen Thema des New Age. Die enorme Wirkung dieser Veröffentlichung lag vor allem an der Person ihres Verfassers. Christopher (Chris) Bird (1928?1996), Bestsellerautor und einer der wichtigsten Popularisierer wissenschaftlicher Grenzgebiete, stammte aus einer der vornehmsten Familien von Massachusetts. Nach einem Abschluss in Botanik und Chinesisch am Harvard College, und nachdem er bei einer Emigrantenfamilie Russisch gelernt hatte, erwarb er an der American University in Washington den Master in Osteuropawissenschaften. 1952 wurde er Mitarbeiter der CIA und gehörte 1955 zu den ersten Special-Forces-Mitgliedern der Armee, die nach Vietnam geschickt wurden. Nach der Entlassung war er zunächst Leiter des Washingtoner Büros der RAND Corporation, eines der führenden Think Tanks der USA. 1966 wurde er Auslandskorrespondent des TIME-Magazins in Jugoslawien. All diese Erfahrungen und Verbindungen waren wesentlich für seine Tätigkeit als grenzwissenschaftlicher Forscher und Berichterstatter. Als Ergebnis seiner Studien brachte er gemeinsam mit Peter Tompkins, einem ehemaligen Spion der US-Regierung, 1973 das berühmte Buch "Das geheime Leben der Pflanzen" heraus. Darin vertreten die beiden Autoren die These, Pflanzen besäßen einen gewissen Grad der Bewusstheit und könnten ihre Umwelt wahrnehmen, was durch Messungen nachweisbar sei. Bird war auch führender Experte für Radiästhesie. Sein Beitrag im Buch "Future Science" half mit, die Radiästhesie mit dem neu entstehenden Gebiet der "Technologien des Äthers" zu verknüpfen (Bird, 1977). 1979 erschien sein Buch "Die weissagende Hand" (deutsch 1981), noch heute eine der besten wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum Thema. 1977 löste sein Artikel über Nikola Tesla in der Zeitschrift "New Age Journal" weltweit neues Interesse an den revolutionären Arbeiten des serbisch-amerikanischen Erfinders aus. Großes Aufsehen erregte auch "Die Geheimnisse der guten Erde" (deutsch 1989), in dem Bird Erkenntnisse der anthroposophischen Landwirtschaft und andere unkonventionelle Aspekte der Bodenkunde verbreitet ? ein bahnbrechendes Buch, für das er jedoch von anthroposophischen Kreisen als "Verräter" angegriffen wurde, der geheimes Insider-Wissen preisgegeben habe. 1991 berichtete er über die Arbeit des kanadischen Biologen Dr. Gaston Naessens, der 1989 als Scharlatan vor einem kanadischen Gericht angeklagt war. Naessens hatte ein neuartiges Lichtmikroskop entwickelt, mit dem man lebende Proben mit einer bis dahin nicht erreichten Vergrößerung betrachten konnte. Auf der Basis neuer Erkenntnisse über bisher übersehene pleomorphe (vielgestaltige) Mikrobenformen hatte er eine erfolgreiche Krebstherapie entwickelt. Birds letzte Publikation war "Modern Vegetable Gardening", ein praktisches Handbuch für organischen Gartenbau, das 1993 erschien.
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