Krankheitsaufstellungen

von Dorothea von Stumpfeldt erschienen in Hagia Chora 9/2001

Meine Leidenschaft als Ärztin galt schon immer dem Anliegen, von der reinen Symptom-Bekämpfung hin zu einer wirklichen Erleichterung für die Seele und damit zur Heilung des Menschen zu kommen. Besonders deutlich wurde dies während intensiven Lernprozessen als Ärztin in der Gefängnispsychiatrie. Im Laufe vieler Jahre entwickelte ich zusammen mit zwei weiteren Frauen eine Methode, die ich "EmotionalKörperProzess" nannte. Damit begleite ich Menschen in ihre eigenen inneren Bilder und Gefühle hinein. Solche Prozesse können zu einem ungeahnt tiefen Kontakt mit sich selbst führen. Die Menschen beginnen, ihre Bilder und Gefühle sich selbst zu offenbaren, sie lernen auszudrücken, wie es ihnen geht, was sie wollen, und schließlich, wie sie selbst andere unterstützen möchten. Solche Arbeit erfordert Mut und Vertrauen und Liebe - und die Erfahrung, dass das Wissen im Detail steckt. Indem der Mensch das Detail begrüßt, kann es sich öffnen und selbst zu sprechen beginnen.

Krankheitsaufstellungen

Vor diesem Hintergrund begegnete ich vor drei Jahren der Familienaufstellung nach Bert Hellinger. Damals entstand erstmals im Freundeskreis die Idee, für eine sich in einer Krise befindenden Freundin deren Krankheit aufzustellen. Dieses erste Erlebnis war für uns so beeindruckend, dass wir diese Arbeit fortsetzten. Es bildete sich eine Gruppe, wir mieteten Räume und boten wöchentlich offene Gruppen und Workshops an. Nach wie vor sind wir nach jeder einzelnen Aufstellung erfüllt, fasziniert, zutiefst dankbar und selbst ein Stück geheilt - so wie alle Anwesenden. Wir erfahren uns als Teil eines wissenden Feldes, aus dem wir Kraft schöpfen und in das wir jederzeit zurückkehren können zur Quelle all unserer Gefühle, Achtung und Liebe. Transformation findet statt - in den Aufgestellten und im ganzen Raum. So empfinde ich diese Arbeit auch als geomantischen Prozess: Er holt einen komplexen Zustand, nämlich das jeweilige Problem, das hinter der Krankheit steht, in den Raum hinein, bringt es aus einer nicht fassbaren Dimension in eine für uns sichtbare und in ihrer Mehrdimensionalität anschaulich erfahrbare Ebene.

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