Hingabe an das Lebendige
Franz Anton Mesmer und der Beginn der modernen Lebensenergie-Forschung
Lebensenergie ist einer der zentralen Begriffe in der Geomantie. Befassen wir uns in diesem Zusammenhang mit Heilungskonzepten, begegnet uns der Widerstreit zwischen vitalistischer und mechanistischer Auffassung von Medizin, wie es Jutta Gruber am Beispiel Franz Mesmers verdeutlicht.

Den Beginn der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Lebensenergiephänomenen markiert das Wirken Franz Anton Mesmers. Seine Arbeit stellt einen entscheidenden Teil der abendländischen Tradition dieser Forschungsrichtung dar. Über den Einblick in die faszinierende Geschichte des "Animalischen Magnetismus" und die mit ihm verbundenen Konzepte von Gesundheit, Krankheit und Heilungsweg hinaus verdeutlichen sich an Mesmers Auseinandersetzung mit Fachkollegen und Gutachtern auch die strukturellen Schwierigkeiten im Austausch zwischen so genannten Außenseitermethoden und den jeweils tonangebenden Wissenschaften.
Die Erfolgsstory
Franz Anton Mesmer wurde am 23. Mai 1734 in Iznang am Bodensee geboren. Sozusagen über Nacht wurde er für "Wunderheilungen" durch Magnetkuren bekannt. Anstoß zu dieser Entwicklung gab ein durchreisender Engländer im Jahr 1774, der unter Magenkrämpfen litt und nach einer therapeutischen Behandlung durch Stahlmagnete verlangte - eine Methode, die seinerzeit in England verbreiteter war, als im deutschsprachigen Raum. Solche Magnete wurden mittels moderner Verfahren hergestellt. Ihre Wirkung übertraf die des natürlich vorkommenden magnetischen Gesteins um ein Vielfaches. Nachdem die Behandlung des englischen Klienten erfolgreich verlaufen war, wendete Mesmer sie auch bei einer eigenen Patientin an, die seit zwei Jahren an unheilbaren Krämpfen am ganzen Leib litt.
"Als meine [Mesmers] Patientin im Monat Juli einen neuen Anfall bekam, band ich ihr zwei gebogene Magnete an die Füße und hing ihr einen herzförmigen an die Brust. Plötzlich erhob sich ein heißer zerreißender Schmerz von den Füßen an, strömte aufwärts, hinterließ durchgehend bei jedem Gelenk ein Brennen gleich einer glühenden Kohle. Dieser fremde Auftritt erweckte bei der Kranken und den Umstehenden Schrecken! Ich nötigte die Kranke, die Magnete zu behalten, und legte noch mehrere an den unteren Teilen an. Sie bemerkte hierauf, dass der magnetische Strom den Schmerz, welcher in den oberen Teilen zugenommen hatte, mit Gewalt herabriss.
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