Die Wiederentdeckung der Geomantie
Zur historischen Entwicklung der modernen Geomantie, Teil 2
Die "alte Wissenschaft der Geomantie" nehmen wir heute als historisch gegeben hin. Welches sind aber die angeblich alten Quellen? Wer hat sie wieder erschlossen, und welcher Zeitgeist prägte die Grundgedanken unserer Erfahrungswissenschaft, die mehr und mehr gesellschaftliche Relevanz für sich reklamiert - ein Anliegen, dem sich nicht zuletzt auch diese Zeitschrift widmet? Marco Bischof stellt im zweiten Teil seiner Artikelfolge die Geomantie-Pioniere John Michell, Nigel Pennick und Paul Devereux und die von ihnen ausgelöste Bewegung vor.

Die eigentliche Geburt der modernen Geomantie spielte sich in den frühen 60er-Jahren im Schoß der Jugendkultur der "Hippiezeit" ab. Diese Schlüsselperiode der Geomantiegeschichte, in der alle für die heutige Entwicklung wichtigen Impulse gelegt wurden, hat Paul Screeton in seinem Buch "Seekers of the Linear Vision" (1993) dargestellt. Anfang der 60er-Jahre traten eine neue Art von "Ley-Hunters" auf den Plan - nicht mehr alte, verschrobene Gentleman-Forscher, sondern junge Leute. Als Initialzündung gilt die Veröffentlichung der Broschüre "Skyways and Landmarks" von Tony Wedd (1919-1980), der im Jahre 1961 Ley-Linien und prähistorische Stätten mit dem Auftreten von UFOs in Verbindung brachte. Sein Buch lieferte die nötige Inspiration und Motivation für den Neubeginn der geomantischen Bewegung. Das UFO-Thema war unter dem Begriff "Fliegende Untertassen" bereits seit 1947 bekannt, als der amerikanische Geschäftsmann und Pilot Kenneth Arnold erstmals über Begegnungen mit "unidentifizierten fliegenden Objekten" berichtet hatte. 1958 hatte der französische Ingenieur und Parapsychologe Aimé Michel in seinem Buch "Flying Saucers and the Straight Line Mystery" behauptet, dass man gerade Linien - von ihm "Orthotenien" genannt - erhalte, wenn man die UFO-Sichtungen einer beliebigen 24-Stunden-Periode auf einer Karte aufzeichne. Beflügelt von diesem Zusammenhang, gründete nun in England eine kleine Gruppe junger Leute, darunter Philip Heselton und Jimmy Goddard, 1962 den "Ley Hunter s Club" und suchte den Kontakt mit den wenigen Überlebenden des "Straight Track Club". Alfred Watkins Sohn Allen wurde dessen erster Präsident und hielt beim ersten Treffen des Clubs einen Vortrag über die Forschungen seines Vaters. Im April 1965 wurde die Zeitschrift "The Ley Hunter" gegründet, damals noch mit Wachsmatrizen vervielfältigt. Sie war bis zu ihrer Einstellung im Frühling des Jahres 2000 die international führende Publikation auf dem Gebiet der Geomantie. Doch erst in den späten 70er-Jahren wurde in der angeregten Atmosphäre der Hippiezeit aus dem verschworenen Klub schließlich die breite "Earth-Mysteries"-Bewegung.
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