Körperlandschaft

Die Erde heilen heißt auch den Körper heilen

von Beatrix Pfleiderer erschienen in Hagia Chora 8/2001

Permakultur ist wohl der Inbegriff geomantischer Landwirtschaft - Gartenkunst, ohne die Freiheit der Pflanzen zu beschneiden. Die Medizinanthropologin Beatrix Pfleiderer beschreibt ihren Weg von der Universität in den Regenwald Hawaiis, wo Erd- und Körperheilung zur Synthese finden.

Permakultur wurde von dem Australier Bill Mollison in die Welt gebracht. Wer dessen Autobiografie liest, weiß, dass da ein Wortgewaltiger spricht, der auf seine eigentliche Kunst verzichtet hat, um der Erde zu dienen, wofür ich ihm hohen Respekt zolle. Permakultur bedeutet permanent agriculture und bezieht sich auf den Garten um unseren Wohnplatz herum. Hier geht es darum, mit der Natur zu pflanzen und nicht gegen sie. Unser Projekt - La akea Gardens - liegt auf der großen Insel von Hawaii. Als wir das Grundstück erwarben, waren rechteckige Felder in den ursprünglichen Wuchs des Regenwaldes eingefräst. Guava- und Limonenbäumchen vegetierten kränklich dahin, weil man ihnen eine Ernte abverlangte, ohne sie als Schenkende zu ehren. Was sollten wir mit einem derart von Pestiziden verseuchten Garten anfangen? Ich wusste es nicht. Soll ihn doch der Regenwald wieder holen ... Ich lehrte damals Ethnologie an der Universität im nahen Hilo und im fernen Hamburg und hielt Kultur für etwas, das Menschen zusammenhält. Von Agrikultur wusste ich nichts oder nicht viel. Mir ging es nur darum, das Stück Regenwald zu retten, da es mir durch inselpolitische Aktionen bedroht erschien. Eines Abends brachte ein Freund Videobänder über das Werk Bill Mollisons mit. Mollison hatte in Zentralindien - meiner ethnologischen Heimat - nachhaltig Wüste in grüne, fruchtbare Gärten verwandelt. Wir gaben ihm den Zuschlag: Wer Solches in einer chronischen Dürreregion vollbringt, ist ein Lehrer. Wir wurden seine Schüler und die des Landes.

Die La akeda Gardens entstehen

Permakultur heilt Landschaften. Sie lehrt, Gärten nach dem integralen Prinzip anzulegen, das der Natur abgelauscht ist. In der Natur herrscht Vielfalt und nicht Monokultur, und Vielfalt ist die Grundlage zur Einzigartigkeit des Einzelnen - und umgekehrt. Zunächst legten wir ein Gemüsemandala an. Die Beete sehen aus wie Hufeisen und werden von ausgedienten Autoreifen gestützt. In der Mitte entstand eine "Kathedrale" aus Bananenstauden. Bald erfuhren wir einen lebhaften Zuzug von Schmetterlingen, Vögeln und Reihern. Als nächstes folgte ein Teich.

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