Aus bardischer Sicht

Über die Ethik in der Geomantie

von Nigel Pennick erschienen in Hagia Chora 8/2001

Alle menschliche Aktivität ist aus einer ethischen Perspektive zu sehen, sei dies den Handelnden bewusst oder nicht. Die Praxis der Geomantie kann sich dieser Gesetzmäßigkeit nicht entziehen, im Gegenteil: sie bietet sich geradezu für Missbrauch auf unterschiedlichsten Ebenen an, und so ist es besonders wichtig, für sie einen ethischen Standpunkt zu definieren, der hilft, Missbräuche zu offenbaren. Dazu müssen wir zu den Wurzeln der geomantischen Praxis zurückgehen. Die traditionelle europäische Geomantie basiert auf dem Verständnis der Beziehung zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos. In einfachen Worten bedeutet dies, dass jeder Teil das Ganze widerspiegelt und jede Veränderung in einem Teilbereich sich auf das Ganze auswirkt. Wenn wir irgendeinen Teil vernachlässigen, falsch behandeln, missbrauchen oder zerstören, dann wird auch das Ganze beeinträchtigt. Auch vergeudete Energien oder nutzlose Aktionen wirken sich dementsprechend aus. Leider ist unter dem heutigen materialistischen Weltbild, das man die "Herrschaft der Quantität" genannt hat, das Gewinnstreben zur vorherrschenden Triebkraft geworden. In dieser "Philosophie" gilt Verschwendung nicht als unwiederbringlicher Verlust an Materie für die Welt, sondern wird nur unter dem Aspekt der finanziellen Kosten betrachtet. Weil Materialien nach ihrem Geldwert beurteilt werden, wird ihre Verschwendung oder Zerstörung nicht als ein unmoralischer Akt angesehen. Ökonomie bedeutet heute, den größtmöglichen Profit zu erzielen, und nicht, wie früher, die verfügbaren Materialien und den Arbeitsaufwand auf die beste und zweckmäßigste Art und Weise einzusetzen.

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