Bourges

Hermetisches Herz Frankreichs

von Siegfried Prumbach erschienen in Hagia Chora 8/2001

Im vergangenen August führte Siegfried Prumbach, Leiter der Akademie Anima Mundi, in der französischen Stadt Bourges im Rahmen einer Sommerakademie seine geomantischen Forschungen zu einem weltumspannenden, pentagonalen Energiesystem fort. Er folgt den geomantischen Spuren der Stadt von der Keltenzeit bis zu den Templern und entwickelt aus ihrer Geometrie sowie aus dem Bauplan der einzigartigen Kathedrale weitere Erkenntnisse zu seiner Theorie.

Im Herzen des Berry liegt auf einem Kalkhügel inmitten einer ausgedehnten Ebene am Zusammenfluss von Yèvre und Auron und am Kreuzungspunkt zweier vorrömischer Straßen die Stadt Bourges. Die Flüsse bilden ein ausgedehntes Sumpfland, die Marais, dessen strategischer Nutzen zur Verteidigung der Stadt schon früh erkannt wurde. Heute sind die Marais der Gemüsegarten der Stadt. Geomantisch gesehen, stellt der Hügel einen natürlichen Landschaftstempel dar, eine Landmarke, die den Menschen in seinen Bann zieht. Der Hügel entspricht dem Archetypen des Nordens, der Kalk dem des Ostens, das viele Wasser des Umlandes dem Nordosten und der Zusammenfluss von Yèvre und Auron dem Südosten. Wir haben es also mit Qualitäten zu tun, die der aufsteigenden weiblichen Lebenskraft des geomantischen Lebensrades entsprechen, einem Ort der Erdgöttin. Zwei Straßen kreuzen sich in Bourges, die mit hoher Wahrscheinlichkeit schon vor den Römern von den Biturigern, einem keltischen Volk, das diese Region seit der Hallstattzeit (1000-500 v.Chr.) bewohnt, angelegt wurden. Die eine Straße führt von Aquitanien (Bordeaux) in die Bourgogne, also von Südwesten nach Nordosten, die andere geht von Lyon nach Armonique (Bretagne), also von Südosten nach Nordwesten. Beide bilden das Grundmuster einer weitreichenden Entdeckung, die aufzeigen wird, dass bereits in vorchristlicher Zeit astronomische und geometrische Faktoren Eingang in die Gestaltung von Orten, Landschaften und Ländern fanden.

Zur Geschichte von Bourges

Im Gebiet um Bourges reicht die Besiedelung weit zurück. Bourges war schon immer ein Brennpunkt für kommerziellen und kulturellen Austausch. In Mazières bei Bourges wurden Bronzeschwerter der Hallstattzeit gefunden, und im historischen Museum gibt es eine Sammlung von rituell verbogenen Klingen, Holzhörnern, Heften aus Knochen, Schmuck, Amuletten und Fibeln dieser Epoche. Im 6. und 5. vorchristlichen Jahrhundert belegen Amphoren aus Marseilles, etruskische Bronzegefäße und Keramik aus Griechenland die weitreichenden Handelsbeziehungen dieser Region. Die vielen Tumuli und Begräbnisplätze zwischen Cher und Auron heben die Bedeutung der Stadt weiter hervor. Im Süden von Bourges, bei Lazenay, erstreckt sich ein weitläufiges Sanktuarium, das sich im Bereich der Gralslinie befindet, einer übergeordneten geomantischen Struktur, die sich von Schottland über Bourges bis in den Golf von Lyon erstreckt. Östlich von Bourges, in den Hügeln des Morvan, liegen die alte keltische Stadt Avalon sowie das berühmte Bibracte, ein keltisches Oppidum, das selbst aus heutiger Sicht betrachtet eine große Stadt war. Es ist belegt, dass die Stadtmauern von Bourges im 2. Jahrhundert v.Chr., also während der La-Tène-Zeit, erneuert wurden. Wir können also davon ausgehen, dass das keltische Oppidum schon vor dieser Zeit bestanden haben muss. Die keltischen Bituriger - ein Volk, das sich in zwei Gruppen teilt, die Bituriges Cubi und die Bituriges Vivisci - errichteten zwei Hauptstädte in ihrem Reich, das fast ganz Frankreich umfasste. Die Bituriges Vivisci herrschten in Burdigala, Bordeaux, die Bituriges Cubi in Avaricum, wie Bourges damals hieß. Dem römischen Historiker Tite-Live zufolge war das Volk noch im 5. Jahrhundert unter einem König Ambigert vereint. Dies würde auch die außergewöhnliche Wirtschaftsentwicklung jener Zeit erklären, zumal die Region reich an Eisenvorkommen war. In der Zeit zwischen 450 und 50 v.Chr. war Avaricum ein Ort der Schwertschmiedekunst, wie zahlreiche Funde zeigen.

Das römische Avaricum

Im 1. Jahrhundert v.Chr. ist das gallische Avaricum nach Cäsars Beschreibung im "Gallischen Krieg" ein stark befestigter Ort, er nennt ihn die schönste, mächtigste und reichste Stadt ganz Galliens. Das hinderte ihn nicht daran, Avaricum 52 v.Chr. vollständig zu zerstören. Die heutige Ausrichtung der Altstadt stammt aus dem römischen Wiederaufbau der Stadt. Die Bituriger Cubi durften als freie Bürger weiterhin bleiben. Die Stadt erblühte im nächsten Jahrhundert zu außergewöhnlichem Reichtum und wurde schließlich unter Diocletian zur Hauptstadt der Provinz Aquitanien ernannt. Aus dem 2. und 3. Jahrhundert sind ein Portikus, eine große Brunnenanlage zur Wasserversorgung und ein Amphitheater sowie eine Festungsanlage belegt. Die Mosaiken und Fresken in ihrem fröhlichen und spontanen Stil, die an vielen Gebäuden gefunden wurden, geben einen Eindruck vom Prunk der antiken Stadt wieder.
Für unsere Entdeckung spielt besonders das Straßensystem zur römischen Zeit eine zentrale Rolle. Die Karte der antiken Nekropolen von Avaricum zeigt ihre Verortung an verschiedenen Punkten der Stadt, wobei sie immer in der Nähe der Ausfallstraßen und Handelswege zu finden sind. So befindet sich auch heute noch im Norden der Stadt ein Friedhof, der zu römischer Zeit an der Straße nach Saint Satur lag. An der gleichen Straße, nur weiter zum Zentrum hin, wurde ein kleineres Gräberfeld gefunden. Die Richtung der Straße nach Saint Satur weist auf 18°. Genau gegenüber, auf 198° befindet sich im Süden der antiken Stadt eine Nekropole an der Straße nach Trouy. An den bereits zuvor erwähnten Straßen von Aquitanien in der Bourgogne (234° bzw. 54°) und von Lyon nach Armonique (126° bzw. 306°) befinden sich im Süden der Stadt weitere Nekropolen, wie auch an der bereits erwähnten Gralslinie bei Lazenay. Genau auf der Ost-West-Achse durch Bourges, auf der heute die Straße von Ste. Thorette nach Bourges führt, liegen westlich und östlich der Stadt keltische Tumuli. Zusammenfassend können wir also feststellen, dass es zwei vermutlich schon keltische Straßenachsen durch die "Ebenen des Cher", wie die Umgebung von Bourges heißt, gab, die sich an diesem astronomischen Muster orientierten.

Bewusste Anlage von Straßen

Bourges ist ein Beispiel für die bewusste Anlage dieser Straßen. Beide verlaufen im Bereich der Sonnwendlinien. Besonders deutlich ist dies im weiteren Umland von Bourges zu sehen, da hier die Wegführung nicht durch Sümpfe und Flüsse behindert wird. Sogar heute verläuft die Straße von Aquitanien in die Bourgogne noch als Feldweg fast genau auf der Linie der Wintersonnenwende, und auch bei der Straße von Lyon nach Armonique kann aus Wegfragmenten rekonstruiert werden, dass sie der Sommersonnwendlinie entspricht. Heute noch gibt es eine Landstraße von Ste. Thorette nach Bourges, die über weite Strecken mit einer alten Römerstraße identisch ist. Sie verläuft entlang der Linie der Tagundnachtgleichen. All diese Linien kreuzen sich auf dem Hügel von Bourges. Auf dem 47. Breitengrad betragen die Sonnwendwinkel 36° nördlich und südlich der Ost-West-Achse, umfassen also eine Spanne von 72°, d.h. der Sonnenauf- und untergang wandert im Verlaufe eines Jahres in dieser Spanne am Horizont hin und her. Aus dem Winkel von 72° aber kann ein Fünfeck gebildet werden. Die Natur ist die Schöpferin der Geometrie, nicht der Mensch. Auf dem 47. Breitengrad und auf dem entsprechenden der Südhalbkugel lassen die Bewegungen von Erde und Sonne im Lauf eines Jahres Wendepunkte entstehen, aus denen ein regelmäßiges Fünfeck gebildet werden kann (siehe Grafik). Vielleicht entsprang die Erfindung der pentagonalen Geometrie der Naturbeobachtung der frühen Völker. Nahe bei Bourges, im Val de Saone, liegt eine gallische Tempelanlage mit einem fünfeckigen Zentralbau. Auch wurde hier einer der rätselhaften gallorömischen Dodekaeder gefunden. Bis heute hat man 97 dieser Objekte entdeckt, die Fundorte konzentrieren sich im Bereich des 47. Breitengrades und nördlich davon, nicht aber südlicher. Seine geographische Breite und die Tatsache, dass Bourges mit dem heiligen Hügel im geometrischen Zentrum Frankreichs liegt, könnten also Indizien dafür sein, dass von diesem Ort das Wissen um die heilige Geometrie ausging - zumal in der Landschaft ein fünfeckiges Muster zu rekonstruieren ist.

Das römische Layout der Stadt

Wie dargestellt, wurde Avaricum im ersten Jahrhundert von den Römern urbanisiert und auf einen Plan gesetzt, der eine Fläche von mehr als 100 Hektar umfasste. Mit Beginn der augustinischen Periode wurde ein Programm zur Konstruktion von Monumentalbauten entwickelt, das zum Ende des 1. Jahrhunderts bereits verwirklicht war. Der orthogonale Plan der Stadt selbst war grob nach Nordwest und Südost orientiert. Zwei große Stadttore konnten rekonstruiert werden, und zwar eines an der Straße von Aquitanien und eines an der Straße von Lyon. Dem römischen Stadtplan liegt das Doppelquadrat zugrunde, dessen Längsachse, der Cardo Maximus, vom Places du 8 Mai 1945, dort, wo ehemals die Porte du Lyon stand, zum Place Planchet in Richtung Auronfluss verläuft. Die Querachse, der Decumanus Maximus, verläuft von der ehemaligen Porte d Auron hin zum heutigen Place George Sand. Das Doppelquadrat umfasst den alten Stadtkern mit seinen alten Stadtmauern, die vermutlich schon auf das keltische Oppidum zurückgehen. Interessanterweise wurde die römische Stadt nicht nach der Schwerpunktlinie des Hügels ausgerichtet, also nach der Linie seiner längsten Ausdehnung, sondern man hat die Stadt um 36° aus dieser Linie herausgedreht. Das römische Stadtzentrum hat sich vermutlich am vorherigen keltischen orientiert. Dieses liegt in der Nähe der Rue de la Moyenne, die vom Decumanus Maximus an einem Punkt gekreuzt wird, an dem jetzt eine große alte Platane steht. Wir können davon ausgehen, dass die keltische Stadt nach den Sonnwendlinien orientiert war, d.h. nach der Ost-West-Achse und den dazugehörigen, sie im 36°-Winkel schneidenden Visierlinien. Interessanterweise folgte die keltische Stadt genau dem Hügelgrat. Die Römer haben diese ursprüngliche Konstruktion aufgegriffen, ihr Doppelquadrat aber so angelegt, dass die Nord-Südlinie nun genau dessen Diagonale bildet, also mit der Schwerpunktlinie des Hügels läuft. Auch das römische Layout baut also auf dem astronomischen Prinzip auf, das sich in Bourges/Avaricum durch seine Lage auf dem 47. Breitengrad ergibt.

Konstruktionsprinzipien der Kathedrale

Im 6. und 7. Jahrhundert ist Bituriges ein Zentrum der geistigen Kraft mit einer Fülle von Klöstern und Kirchen. 1195 gibt Erzbischof Henrie de Sully die Anweisung, die romanische Kirche neu im Stil der Gotik zu rekonstruieren. Dabei wird der Chor über die gallorömische Stadtmauer hinaus erweitert und dem Ganzen ein monumentales Konzept gegeben. Der Höhenschnitt ist ein gleichseitiges Dreieck, während die Grundkonstruktion der Kirche pentagonal ist, basierend auf dem Doppelquadrat. Interessanterweise ist die Platzierung der Kirche von Ausmaß und Achse her vollkommen in das römische Konzept des Doppelquadrates integriert. Wird das südöstliche Doppelquadrat in 4 Teile geteilt, so sitzt im ersten, dem nördlichen Quadranten, die Längsachse der Kathedrale genau in der Winkelhalbierenden dieses Quadranten, und diese Winkelhalbierende führt exakt durch das alte Zentrum, durch den heiligen Punkt der römischen Stadt, dort, wo heute die alte Platane steht. Die Längenausdehnung oder die Chorbegrenzung der Kathedrale stimmt überein mit der östlichen Ecke dieses Quadranten. Damit liegt die Kathedrale genau zwischen den Sonnwendlinien der Ost-West-Achse und der Achse der Sommersonnenwende. In der Verlängerung des Chors befindet sich eine Kapelle, in der heute eine Marienstatue mit Kind steht. Am 2. Februar, also zu Maria Lichtmess, geht die Sonne genau in der Längsachse der Kirche auf und scheint vom gotischen Ostfenster bis zum Portal. Der Chor selbst besitzt durch seine fünf Kapellen eine pentagonale Teilung, die zu einer Zehneckteilung verdoppelt werden kann. Generell haben wir es mit einem außergewöhnlichen Konstruktionsprinzip zu tun, da dieser Kathedrale das Querschiff fehlt. Sie ist zwar wie alle anderen romanischen und gotischen Kathedralen nach dem Doppelquadrat gebaut, aber hier wird nicht das im Osten liegende Himmelsquadrat durch die Quadratur des Kreises proportioniert, sondern - und das ist einzigartig - beide Doppelquadrate werden durch einen Kreis erfasst, aus dem sich dann die Proportion der Kirche entwickelt. Diese Kirche heißt heute auch die "Kirche der Einheit", vielleicht aufgrund des enormen Längshauses, das mit einem Haupt- und je zwei Seitenschiffen fünfschiffig angelegt ist. Wir erkennen darin die Resonanz zum pentagonalen Landschaftssystem.

Mystik der Zahlen

Während der letztjährigen Sommerkurse der Akademie Anima Mundi wurde in einem speziellen Workshop das Gründungsritual der Kathedrale Saint Etienne rekonstruiert und auf dem Place Etienne Dole, südlich neben der Kirche, in verkleinertem Maßstab neu aufgezeichnet. Dabei konnte ermittelt werden, dass die Seitenlänge des Konstruktionsquadrates 133 Fuß beträgt und demnach das Doppelquadrat eine Seitenlänge von 266 Fuß aufweist. Das wiederum ergab genau eine Länge zwischen dem Point Sacré, dem heiligen Punkt bzw. Altarpunkt und dem Schwellenpunkt der Kirche von 399 Fuß. Die Abweichung zur Ost-West-Achse der Kirche beträgt 19°. Nun können wir die Länge von 399 Fuß aufschlüsseln in 3 ¥ 7 ¥ 19 bzw. die Seitenlänge des Konstruktionsquadrates in 7 ¥ 19, bzw. die Seitenlänge 266 Fuß des Doppelquadrates in 2 ¥ 7 ¥ 19. Der Radius, der das Doppelquadrat durch den Point Sacré und zwei seiner Eckpunkte umgreift, beträgt 147 Fuß, das entspricht 3 ¥ 49 oder 3 ¥ 7 ¥ 7 oder 21 ¥ 7. Wir haben es also hier mit archaischer, aber auch mit christlicher Zahlenmagie zu tun: Die Drei steht für die Göttlichkeit, die Sieben für die Verbindung von Himmel und Erde, die 21 steht für die Verbindung von oben und unten, und die 19 für den Anfang und das Ende.
In die Ostapsis von St. Etienne sind vier Pentagramme eingeschrieben, die als Basis für alle Proportionen, die in der Kirche auftreten, gelten. Damit werden die fünf Kapellen der Apsis, die fünf Strebepfeiler, die Position der Apsissäulen, die Breite des Hauptschiffes, die Abstände der Säulen in West-Ost-Richtung sowie die Breite und damit die Begrenzung der Altarapsis festgelegt. Insbesondere wird die Breite der Seitenschiffe aus diesen Pentagrammen entwickelt. Im Schiff gibt es 3 ¥ 2 ¥ 12 Säulen, das sind insgesamt 72 Säulen. Zusammen mit den 22 Säulen der Apsis macht das 94 Säulen. Dann gibt es noch 2 mächtige Narthexsäulen und 4 Säulen der Seitenportale, insgesamt also 100 Säulen. Die pentagonale Konstruktion der Kirche nimmt direkten Bezug zum Landschaftsmuster auf, weil die Kardinalpunkte der Sonnenauf- und untergänge darauf ausgerichtet sind (2.2., 21.3., 1.5., 21.6., 1.8., 22.9., 1.11., 21.12.). Die Apsis ist auf den 2. Februar, Lichtmess, gerichtet und demzufolge auch auf den 1. November, Allerseelen. Wie erwähnt, steht eine Marienstatue in der östlichen Kapelle des Chors - Maria ist der Zahlenwert 21 zugeordnet - der Himmel kommt auf die Erde. Die Hauptachse der Kirche steht somit in Verbindung mit den Zeitchakren des 1. Novembers und 2. Februars, also mit der Bedeutung von Tod und Wiedergeburt. Interessanterweise war St. Etienne nie eine Volks- oder Wallfahrtskirche. Sie war und ist vielleicht auch heute noch ein Ort der Eingeweihten, Alchemisten, Priester und Erzbischöfe. In der Gotik sprach man von ihr als der "Königin-Mutter der Kathedralen" und hielt die Kirche für das Kühnste, was die Gotik je hervorgebracht habe. Die Höhenbestimmung der Kirche basiert auf einem gleichseitigen Dreieck oder, räumlich, auf einem Tetraeder, was die Vermutung nahelegt, dass auch der Dodekaeder in der Höhenentwicklung der Kirche bedeutsam war.

Die Kathedrale der Eingeweihten

Bourges war als geographisches Zentrum Frankreichs im Mittelalter ein wichtiger Sitz der Alchemisten. Der Chor der Kirche ist ein hermetisches Symbol in Form der vier ineinander verschachtelten Pentagramme. Der Eingang zur Sakristei wurde im Auftrag von Jacques Coeur gestaltet und steckt voller Symbole aus der Alchemie. Noch heute gibt es in der Stadt die Rue d Alchimie und auch zwei Palais, eines der Renaissance und eines der Gotik, deren Besitzer offensichtlich Alchemisten waren: das Palais Jacques Coeur und das Hotel Jean Lallemant. Jean Lallemant war Ritter der Tafelrunde, wie auch Jacques Coeur. Er hatte Kontakt mit dem Baumeister und Freimaurer Guillaume Belvoisin, der den neuen Nordturm errichtete, der im 15. Jahrhundert eingestürzt war. Guillaume Belvoisin gestaltete die Symbole für die Hauskapelle Lallemants. Dieser war, wie auch Jacques Coeur, Schatzmeister Königs Charles VII. Er kannte Leonardo Da Vinci und traf ihn 1510 in Vierzon beim Bau der ersten Schleuse für den Berrykanal. Seinem Haus enthielt einen kleinen Raum, angefüllt mit alchemistischen Symbolen. Dieser Raum besitzt eine in Quadrate aufgeteilte Decke, von denen jedes ein alchemistische Zeichen trägt. Der Schlussstein dieser Symbole, der genau im Point Sacré, im heiligen Punkt dieses Raumes sitzt, stellt eine pentagonale Blüte dar. Interessant dürfte auch der Hinweis sein, dass auf der Ost-West-Achse in der Nähe der Kathedrale die Kontorei der Templer lag. Ebenfalls auf dieser Linie, und zwar an der Nordwestecke der Kathedrale, stand - und das ist der einzige Beleg für die keltische Vergangenheit - noch im 17. Jahrhundert ein Menhir. Die Templer besaßen neun Kontoreien in Frankreich, die geomantisch auch einem Siebenstern zugeordnet waren. Sieben der Kontoreien lagen an den Spitzen des Sterns und zwei im Inneren des Sterns. Eine davon war Bourges. Die Abbildung unten zeigt die geometrische Verbindung zum pentagonalen Energiemuster, wie sie Ulrich Arndt entdeckt hat.

Verbindung zum globalen Dodekaeder

Zusammenfassend sehen wir in Bourges eine Kontinuität von pentagonalen Mustern - vom Landschaftsmuster über das römische Stadtlayout, die Kathedrale bis hin zu den Alchemisten von Bourges, in deren Einweihungsraum im Schlussstein das Pentagramm sitzt. Das Landschaftsfünfeck von Bourges kann heute noch von der topographischen Karte abgelesen werden. Im Westen verläuft in etwa 12 km Entfernung ein altes Wegesystem, in dessen Bereich sich megalithische Kraftorte befinden. Es bildet einen Kreisradius um den Mittelpunkt von Bourges. Schreibt man diesem Kreis ein Fünfeck ein, das sich an den Sonnwendachsen orientiert, und lässt man das Fünfeck linear wachsen, indem seine Ecken die Seitenmitten des jeweils nächsten Fünfecks berühren, so enthalten wir nach dem 16. Wachstumsschritt ein Fünfeck, das zwölfmal um den Planten passt. Es hat die gleiche Verortung wie die in Hagia Chora Nr. 3 beschriebene globale Dodekaeder-Struktur. Diese wurde inzwischen von dem Mathematiker Dr. Christoph Hug als maßhaltig bestätigt. Wir konnten feststellen, dass die Entwicklung des globalen Dodekaeders aus der Grail Line (Gralslinie, Peter Dawkins) und der Cosmic Line in Übereinstimmung mit dem neuen Beweis steht, denn der 10. Vergrößerungsschritt in der linearen Vergrößerung des Fünfecks ist identisch mit dem Frankreichpentagramm, das aus Grail und Cosmic Line entwickelt wurde. (Die Konstruktionen sind im Internet veröffentlicht: www.geomantie.net.) Es scheint, dass es sich bei dem globalen Dodekaeder um ein Doppelsystem handeln muss, da aus den beiden Ansätzen ein invertierter Dodekaeder entstand. Wie sich die beiden energetisch zueinander verhalten und welche Art von Energiesystem sie bilden, ist Aufgabe weiterer Untersuchungen.

Schlussbemerkung
Es mag viele Ideen zur Energiestruktur unseres Planeten geben, aber eine Phantasie hört auf Phantasie zu sein, wenn es Belege dafür gibt. Das pentagonale Landschaftsmuster von Bourges, dessen keltische, römische und christliche Integration und die Proportion der Pentagramme, die schließlich ein globales System erkennen lassen, sprechen eine so eindeutige Sprache, dass hier nicht mehr von Zufall die Rede sein kann. Die Sommerakademie in Bourges hat neues Licht in die Forschung gebracht und führte zu äußerst befriedigenden Ergebnissen. Wir konnten begreifen, dass Bourges ein Stern ist, der seine Strahlen über Europa aussendet. Die weitere Vorgehensweise wird so sein, dass diese Arbeit in einem stillen Arbeitskreis weiter untersucht wird, um die Beziehungen aufzuzeigen, die zur heutigen energetischen Situation des Planeten gehören. Der Eindruck, der von Bourges entstand, war der eines lebendigen Systems, das seinen Ausgang in einer historischen Vision hat, welche die Weisen in der Vergangenheit initiiert haben mögen. Doch heute muss sie eine neue Dimension annehmen und sozusagen zu einem neuen globalen Lichtmuster wachsen. Das Ziel der Arbeit ist, in Stille und Bescheidenheit diese neuen Entdeckungen zu begreifen. Mögen sie allen Wesen dienen.