Das alte Land der Auvergne

Romanik, Menhire, Vulkane

von Eike Georg Hensch erschienen in Hagia Chora 8/2001

Die Auvergne glänzt durch einige der schönsten Kirchen der Romanik. Ihr eigenwilliger Baustil und ihre lebenssprühende Farbigkeit reflektieren das Feuer und die Seele des Landes. Der Auvergne-Kenner Eike Hensch berichtet von radiästhetischen Forschungen an diesen steinernen Geschichtsbüchern des Abendlandes.

Die ganze Auvergne ist ein einziger Wallfahrtsort. Obwohl die vulkanische Gebirgsregion relativ schwierig zugänglich ist, war sie immer ein wichtiges Durchzugsgebiet für Händler und Pilger und schon in keltischer Zeit ein blühendes Zentrum der Kultur. Wie jede Bergregion hat sie den Charakter eines Refugiums, in dem Bräuche und Traditionen aus vorchristlicher Zeit lange überleben konnten. Ihre heiligen Plätze strahlen eine ungebrochene Lebendigkeit aus. An den Standorten der romanischen Basiliken finden wir fast immer Spuren keltischer und steinzeitlicher Kultplätze. Die Christianisierung der Auvergne geschah durch den römischen Gesandten, Bischof Austremoine, und seine Schüler, die zahlreiche Klöster gründeten, um die herum sich bald kleine Städte bildeten. Auffällig ist, dass sich in kürzester Zeit eine Vielzahl von Wallfahrtsorten etablierte, an denen einige der schönsten Kirchen der Romanik entstanden. Die Verehrung der Jungfrau Maria ist seit den Anfängen der Christianisierung in der Auvergne besonders ausgeprägt. Die goldene Madonna von Clermont (um 946 geschmiedet) war bis zu ihrer Einschmelzung während der französichen Revolution das älteste religiöse Standbild in Frankreich. Auch der Reliquienkult hatte in der Auvergne einen hohen Stellenwert. Schon bald nach der Christianisierung kamen Kranke zum Marienheiligtum Le Puy, um von den Wunderkräften des "Fiebersteines" geheilt zu werden. Die Kapelle auf dem beeindruckenden Kegelberg Le Puy lässt den Geomanten sofort an einen mit der Drachen-Symbolik verknüpften Ort denken: Bischof Godescalc weihte die Kapelle dem Erzengel Michael. Der romanische Baustil der Auvergne unterscheidet sich deutlich von dem in den großen Abteien der Normandie, Burgunds oder auch Südfrankreichs. Diese Bauweise ist in engem Zusammenhang mit der Lebensweise und der sie umgebenden Landschaft der Arverner zu sehen.

Radiästhetische Besonderheiten

Die romanische Kirche in Issoire, die über dem Grab des Klostergründers, Bischof Austremoine, errichtet wurde, ist eines der schönsten Beispiele dieses harmonischen Baustils. Sie ist berühmt für ihre große Krypta, ihre Kapitelle, welche vielfältige Geschichten und Symboliken enthalten, und besonders für die Apsis mit Mosaikverzierungen und in Stein gehauenen Tierkreiszeichen. Das Innere der Kirche ist in allen Farben bemalt. Besonders wenn das Sonnenlicht durch die bunten Kirchenfenster scheint, strahlt aus den Malereien die Lebensfreude einer lebendigen Spiritualität der romanischen Epoche. Für radiästhetisch Interessierte ist die Basilika von Issoire eine Fundgrube erster Güte. Die Giebelverzierungen, sowohl an der Giebelspitze als auch über den ganzen First eines Satteldachs hinweg, geben dem Bauwerk Schutz. Bereits die Anordnung der Firstziegel hat radiästhetische Bedeutung. An der Apsis fällt das Rautenmuster mit seinem Hell-Dunkel-Kontrast aus keramischem Material ins Auge. Ein solches Muster hält Schwingungen zurück. So ist beispielsweise ein Harlekin, der ein derart gemustertes Kleidungsstück trägt, unangreifbar. Zum einen ist die Wirkung nach Art des Opus Spicatum (schräg versetzte Ziegel) nicht von der Hand zu weisen, zum anderen wirken die dunklen Rauten als Absorber für das breitbandige Strahlungsspektrum des Lichtes, so dass die Schwingungen der angeregten hellen Teile durch jene der benachbarten dunklen absorbiert werden. Allgemein finden wir an den romanischen Kirchen der Auvergne vielfältige Schutzdetails, z.B. hufeisenförmige Schlingornamentik an Stellen, wo es aus geomantischer Sicht nötig ist. Häufig sind auch Würfelfriese, die eine ähnlich abschirmende Wirkung haben wie griechische Mäanderbänder. Liegende, fischgrätartig angeordnete Steinreihen wirken ebenfalls wie ein Opus Spicatum.

Vereinigung der Epochen

Die Basilika von Orcival zeigt beeindruckend die Verbindung aus neolithischem, keltischem und christlichem Kultplatz. In der Nähe des Sancy-Massivs liegt im Tal des Flüsschens Sioulet die Basilika Notre-Dame im Herzen des Dorfes Orcival. Es wird spekuliert, ob sich der Name "Orcival" von Val d Orcus, einem gallischen Gott, Hüter der ewigen Verdammnis, herleitet, oder von Valleé de l Ours, dem Bärental. Da hier mehrere kleine Quellen entspringen, liegt es nahe, den Ursprung des Wortes in Ourche Val zu vermuten, was "kleines Quellental" bedeutet, ausgehend von dem keltischen Wort Urs für Quelle. Geschichtlich ist nicht eindeutig geklärt, auf wen diese Gründung zurückgeht, doch scheint der in kurzer Zeit fertiggestellte Bau eine gemeinsame Aktion von Klerus, Mönchen und den verantwortlichen Gutsherren gewesen zu sein. Die damaligen Baumeister müssen eine hohe Bedeutung in dem gewählten Ort gesehen haben. Damit die Kirche eben dort errichtet werden konnte, musste der Fluss verlegt und der Berg eingeschnitten werden. Der Eingang der Basilika ist exakt nach der aufgehenden Sonne der Sommersonnwende ausgerichtet. Auf dieser Achse liegen der als Tombeau de la Vierge ("Grab der Heiligen Jungfrau") bezeichnete Ort - eine ehemalige Kultstätte der Megalithkultur, sowie eine Heilquelle, die früher in ein Becken im Kirchenvorraum der Basilika floss. Das Heiligtum dieser Wallfahrtskirche ist die Marienfigur der "gütigen Jungfrau von Orcival". Ihre intensive Ausstrahlung wurde auf einer unserer Forschungsreisen mit der Qualität LA 7,1 gemutet. Sieben Linien strahlen von ihr zwischen den Säulen der Kirche hindurch, so dass das Standbild eine Art Quellpunkt darstellt oder als Antenne der Kraft wirkt, von der es durchpulst wird. In Orcival finden sich einige schöne Beispiele von Steinmetzzeichen. Dies sind monogrammartige oder geometrische Zeichen, die von den Steinmetzen seit Mitte des 12. bis Anfang des 16. Jahrhunderts in die von ihnen bearbeiteten Steine gehauen wurden. Sie waren Erkennungszeichen z.B. für die Lohnabrechnung oder auch Ehrenzeichen. Wie Schriftzüge von Personen sind Steinmetzzeichen Informationsquellen des Urhebers. Um "sein" Zeichen besonders zur Wirkung zu bringen, verewigte der Steinmetz sich damit an rechtszirkular abstrahlenden Bauteilen und Zonen erhöhter Intensität. Die Resonanzlängen der Zeichen, die Winkelzuordnungen und die mentale Arbeit beim Steinschlagen sind zusätzlich aufmodulierte Faktoren.

Ein christianisierter Menhir

Ein weiteres Beispiel für eine christianisierte Kultstätte ist der Menhir von Aydat (linke Seite), dem ein kleines Kreuz aufgesetzt wurde. So brauchte er nicht verteufelt zu werden, sondern galt weiterhin als Weiheort. Vielleicht wird dieser Ort deshalb heute noch als sehr "aktiv" empfunden. Als ich mit einer Forschungsgruppe zusammen mit meinem Kollegen Joseph Birckner im Jahr 1997 den Menhir aufsuchte, hatten zwei Teilnehmerinnen den intensiven Eindruck einer blauen Aura um den Stein. Sie schien stärker zu werden und zu pulsieren, je mehr sich alle mit dem Stein befassten. In dieser Resonanz hielt sich die Gruppe sehr lange am Menhir auf, und es entstanden wie von selbst viele anregende Gespräche.

Vulkanische Urkräfte

Die Berge der Auvergne sind vulkanischen Ursprungs, was sicherlich zu der besonderen geomantischen Qualität des Landes beiträgt. Der Besuch eines Vulkankraters führt uns unmittelbar zum Kontakt mit dem Erdinneren - für Geomanten besonders interessant. Wir sind von Schlacken und Aschen umgeben, sehen nichts Lebendiges mehr, nicht einmal fossile Reste. Im Zentrum des Kraters ist der zu hartem Basalt erstarrte Schlot zu erkennen - schwarz, düster und unnahbar. Verstreute, rund geformte Steinbrocken verstärken das bizarre Bild, so genannte Bomben, die der Vulkan einst in die Luft schleuderte. Die Erden, Steine und das Geröll haben eine stark rechtszirkular abstrahlende Wirkung - unser Nervensystem ist hier angesprochen. Auch finden wir kapazitive Steinbrocken - wenn man so will, mit "geistigem Gehalt". Die Begegnung mit kulturell geschaffenen Schönheiten wie den romanischen Kirchen ist ein ganz anderes Erlebnis als der Eindruck von den elementaren Erdkräften eines Vulkans. Doch ist es heilsam, beides auf sich wirken zu lassen und darin den besonderen Klang des alten Landes der Auvergne zu finden.