Das alte Land der Auvergne
Romanik, Menhire, Vulkane
Die Auvergne glänzt durch einige der schönsten Kirchen der Romanik. Ihr eigenwilliger Baustil und ihre lebenssprühende Farbigkeit reflektieren das Feuer und die Seele des Landes. Der Auvergne-Kenner Eike Hensch berichtet von radiästhetischen Forschungen an diesen steinernen Geschichtsbüchern des Abendlandes.

Die ganze Auvergne ist ein einziger Wallfahrtsort. Obwohl die vulkanische Gebirgsregion relativ schwierig zugänglich ist, war sie immer ein wichtiges Durchzugsgebiet für Händler und Pilger und schon in keltischer Zeit ein blühendes Zentrum der Kultur. Wie jede Bergregion hat sie den Charakter eines Refugiums, in dem Bräuche und Traditionen aus vorchristlicher Zeit lange überleben konnten. Ihre heiligen Plätze strahlen eine ungebrochene Lebendigkeit aus. An den Standorten der romanischen Basiliken finden wir fast immer Spuren keltischer und steinzeitlicher Kultplätze. Die Christianisierung der Auvergne geschah durch den römischen Gesandten, Bischof Austremoine, und seine Schüler, die zahlreiche Klöster gründeten, um die herum sich bald kleine Städte bildeten. Auffällig ist, dass sich in kürzester Zeit eine Vielzahl von Wallfahrtsorten etablierte, an denen einige der schönsten Kirchen der Romanik entstanden. Die Verehrung der Jungfrau Maria ist seit den Anfängen der Christianisierung in der Auvergne besonders ausgeprägt. Die goldene Madonna von Clermont (um 946 geschmiedet) war bis zu ihrer Einschmelzung während der französichen Revolution das älteste religiöse Standbild in Frankreich. Auch der Reliquienkult hatte in der Auvergne einen hohen Stellenwert. Schon bald nach der Christianisierung kamen Kranke zum Marienheiligtum Le Puy, um von den Wunderkräften des "Fiebersteines" geheilt zu werden. Die Kapelle auf dem beeindruckenden Kegelberg Le Puy lässt den Geomanten sofort an einen mit der Drachen-Symbolik verknüpften Ort denken: Bischof Godescalc weihte die Kapelle dem Erzengel Michael. Der romanische Baustil der Auvergne unterscheidet sich deutlich von dem in den großen Abteien der Normandie, Burgunds oder auch Südfrankreichs. Diese Bauweise ist in engem Zusammenhang mit der Lebensweise und der sie umgebenden Landschaft der Arverner zu sehen.
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