Vom Himmel geküsst

Die junge Geomantie in Tschechien

von Radomil Hradil erschienen in Hagia Chora 8/2001

Nachdem alles Unsichtbare in sozialistischer Zeit mit einem Tabu belegt war, wird nun in Tschechien Geomantie zum öffentlichen Thema. Radomil Hradil berichtet über die Entwicklung in einem Land, das die europäische Geschichte wesentlich prägte.

Was mag die spezifische Geomantie Tschechiens sein? Wo liegen die Kraftorte des Landes und wie weit sind sie überhaupt bereits erforscht worden? Wie ist der Genius Loci Tschechiens, und ist er durch die Geomantie wahrzunehmen? Schließlich stellt sich auch die Frage: Was ist überhaupt die Identität Tschechiens? Selbstverständlich können hier keine definitiven Antworten gegeben werden. Möglich sind vielmehr Beschreibungen dessen, was gerade erst entsteht, sich im Werden befindet und seine Inkarnationswege erst suchen muss - das sich immer mehr verbreitende Bewusstsein für die immateriellen Dimensionen der Landschaften, des Landes, der Erde.

Ein Exkurs in die Geschichte

Zur Zeit des "real existierenden Sozialismus" war es nicht möglich, über Feinstoffliches öffentlich zu reden und zu schreiben. So etwas gab es schlichtweg nicht, es gab nur das Stoffliche und eine materialistische Auffassung von Energie, nämlich als etwas, das mit Geräten messbar ist. Da sich der Marxismus selbst für wissenschaftlich hielt, bemühte er sich, alles "Unwissenschaftliche" auszumerzen. Selbst das Pendeln wurde in der Zeit von 1948 bis 1989 nicht geduldet, so dass in diesen vier Jahrzehnten keine geomantischen Forschungen durchgeführt werden konnten - zumindest keine systematischen und auch keine, die erst später publiziert wurden. Doch geomantische Forschungen in Tschechien hat es offensichtlich schon vor dieser Zeit gegeben. In Jens Martin Möllers Buch Mythos einer Sonnenstadt1 wurde eine Landkarte Böhmens mit den so genannten heiligen Linien abgedruckt, die aus der Zeit des "Dritten Reichs" stammt. Die nationalsozialistische Führung Deutschlands war offensichtlich sehr darum bemüht, in Besitz des Wissens von der energetischen oder gar sakralen Ebene des zu erobernden Landes zu kommen. Möglicherweise wurden diese Kenntnisse auch bei der Besetzung der damaligen Tschechei missbraucht - ich stimme dem zu, was Marco Bischof in der vorigen Ausgabe von Hagia Chora (Nr. 7) zu diesem Thema schreibt.2 Im Mai des Jahres 1945 ging auch hier der Krieg zu Ende und die Zeit der kommunistischen Herrschaft stand vor der Tür. Die Geomantie geriet für die nächsten vierzig Jahre in Vergessenheit. Erst vor kurzer Zeit, in den 90er-Jahren, kam sie wieder ans Tageslicht, doch man müsste vielmehr sagen, sie wurde neu geboren. Die Intentionen der heutigen Geomanten sind vollkommen andere als diejenigen zu Zeiten des "Ahnenerbes".

90er-Jahre - ein neues Erwachen

Nach der Wende haben sich die Verhältnisse auch in Tschechien schlagartig geändert. Zwar ist der Materialismus nach wie vor die vorherrschende Weltanschauung und prägt durch die Massenmedien, das Schulwesen etc. die öffentliche Meinung und das allgemeine Bewusstsein, doch wird sie den Menschen nicht mehr aufgezwungen. Es ist möglich geworden, sich öffentlich mit Geomantie zu beschäftigen - eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass in den Menschen ein Bewusstsein für die unsichtbaren Dimensionen der Erde erwachen kann. Die Einstellung der etablierten Naturwissenschaften gegenüber dieser Tendenz ist jedoch noch immer überwiegend von Ablehnung geprägt, und so kann man verstehen, dass es bisher erst wenige Geomanten gewagt haben, mit den Resultaten eigener Forschungen vor die Öffentlichkeit zu treten.
Seit Mitte der 90er-Jahre gibt es dennoch erste Publikationen über Erkenntnisse oder auch Vermutungen über die verborgenen Strukturen unseres Landes. Auch wenn die Zahl solcher Arbeiten noch gering ist, umfassen sie doch bereits einen breiten Horizont von Themen.

Radiästhesie als Einstieg

Als erste Stufe, vielleicht die Vorstufe der Geomantie, bezeichne ich die Radiästhesie, das Wünschelrutengehen. Diese Fähigkeit ist in Tschechien verhältnismäßig weit verbreitet, und das Auspendeln von Wasserläufen, Störzonen usw. wird immer öfter angewendet. Manche Leute überprüfen auch ihre Lebensmittel, Bücher etc. mit dem Pendel auf "Verträglichkeit" oder verwenden das Pendel als Entscheidungshilfe bei wichtigen Lebensfragen. Viele Radiästheten richten ihr Augenmerk in erster Linie auf Störzonen - so genannte geopathogene Zonen - im Wohnbereich und entwickeln Verfahren zur Abschirmung. Dabei besteht einerseits die Gefahr, dass die Erde als feindliches Gegenüber empfunden wird, vor dessen Kräften es sich zu schützen gilt. Andererseits ist dies immerhin ein erster Schritt weg von der Einstellung, die Erde sei nur tote Materie, die vom Menschen bedenkenlos bewohnt, genutzt, ja geplündert werden darf. Als zweite Stufe der Bewusstwerdung bezeichne ich das Feng Shui, das sich auch in Tschechien seit einigen Jahren zu verbreiten beginnt. In seiner hier in Europa praktizierten Form halte ich auch Feng Shui für eine Vorstufe der Geomantie, in der versucht wird, das Leben der Menschen - in erster Linie das Wohnen - in Einklang mit der Erde zu bringen.

Erste geomantische Publikationen

Im Jahr 1997 erschien in Tschechien das Buch "Orte, die heilen" von Olga Krumlovska3, bei dem schon von geomantischer Forschung gesprochen werden kann. Darin werden 33 geomantisch bedeutsame Orte Tschechiens und deren Ausstrahlungsqualitäten sowie ihr Bezug zur Gesundheit beschrieben. So soll zum Beispiel die Energie der Kolonnade in Karlsbad (Karlovy Vary) bei rheumatischen Leiden oder bei Magen- und Nierenbeschwerden wohltun und vorbeugend gegen Erkältungen wirken. Der Aufenthalt dort fördere das Herz, helfe bei Schlafstörungen und beruhige bei Stress. Die nahe Heilwasserquelle helfe bei Blasen- und Ovariumsentzündungen. Ebenfalls 1997 ist das erste Buch des wissenschaftlich und sehr präzise vorgehenden Geomanten Pavel Kozák aus Budweis (Ceské Budejovice) unter dem Namen "Orte des Wirkens" erschienen.4 Der Verfasser beschreibt seine eigenen Forschungsarbeiten über megalithische Monumente wie auch über Kornkreise und nicht zuletzt über die Erforschung des Kreuzwegs in dem südböhmischen Dorf Rímov. Das Buch kam in der Region gut an; man traf des öfteren Menschen in Rímov an, die mit dem Buch in der Hand den Kreuzweg entlang pilgerten. Ein starkes Interesse an einer neuen Landschafts- und Landeskunde war erwacht. Pavel Kozák begann, sich dieser Arbeit systematisch zu widmen, und seit 1998 veröffentlichte er jedes Jahr ein neues Buch, das sich jeweils einer anderen Region widmet.5, 6, 7 Er beschäftigt sich dabei vor allem mit den Kraftorten und Leylinien-Systemen im Süd- und Westböhmischen. Sein letztes Buch7 ist mit Sicherheit auch für die deutschsprachige Leserschaft von Interesse, da die Forschungen beide Seiten der Grenze im Böhmerwald umfasst und das Buch mit einem Vorwort und einem Nachwort in deutscher Sprache versehen worden ist. Außerdem enthalten die vielen farbigen Abbildungen auch deutsche Bildunterschriften. Kozáks nächstes Projekt ist ein Buch über Prag. Auf die Mensch-Erde-Beziehung zurückkommend, ist zur Arbeit dieses Geomanten zu sagen, dass sie von Ehrfurcht gegenüber der Erde und deren unsichtbaren Dimensionen geprägt ist. Diese Gesinnung wird auch denjenigen vermittelt, die seine Bücher lesen und mit ihnen durch die südböhmischen Landschaften wandern. Seine Arbeit weckt das Bewusstsein für das Sakrale der Erde, ohne sofort wieder in ausbeuterische Hintergedanken zu verfallen. Aus einer solchen Gesinnung, glaube ich, schöpft auch die Erde selbst viel Kraft.

Geomantie im Dienst der Erde

Ende Mai 1999 führt Marko Pogacnik erstmals in Tschechien ein geomantisches Projekt durch. Zusammen mit einer Gruppe holländischer und tschechischer Freunde arbeitete er an der Landschaftsheilung des Böhmerwaldes (Sumava). Dieses Gebirge empfand er dabei als ein mächtiges, für ganz Europa wichtiges Atmungsorgan der Erde, bestehend aus fünf Zentren. In dem anschließenden Seminar in Prag arbeitete die rund 50-köpfige Gruppe in den Bereichen Hradschin (Hradcany) und Laurenziberg (Petrín). Im Juli 2000 wurde die Arbeit an mehreren Plätzen im Zentrum Prags fortgesetzt. Beide Prager Seminare waren von einem stark wachsenden, die Nöte der Zeit wahrnehmenden Bewusstsein für die Erde als lebendiges und geistiges Wesen getragen. Es wurde deutlich, dass dieses Wesen auf unsere Mitarbeit wartet.

Die Flüsse Tschechiens

Auf Satellitenaufnahmen Europas erkennen wir in der Mitte einen runden Kessel - das Böhmische Becken. Angeblich ist es der Krater eines vor mehr als einer Milliarde von Jahren niedergegangenen Meteoriten.8 Die Randgebirge des Beckens, Böhmerwald, Erzgebirge (Krusné hory), Riesengebirge (Krkonose) und Adlergebirge (Orlické hory) bilden zugleich die politische Grenze des Landes. Kein Fluss fließt in dieses in sich geschlossene Land hinein, sondern sie entspringen hier und fließen der Elbe zu, die schließlich das Elbsandstein-Gebirge durchbricht und Richtung Dresden weitereilt. Die drei größten Flüsse Böhmens, Elbe (Labe), Moldau (Vltava) und Eger (Ohre), bilden ein eindrucksvolles Kreuz in diesem Rund. Tschechien ist jedoch nicht nur Böhmen. Die drei Teile Tschechiens - und dies ist kaum bekannt - stimmen mit den Zuflussgebieten der drei Hauptströme überein. Wie gesagt, fließen aus Böhmen alle Wasser in die Elbe und gelangen so in die Nordsee. Wie ein Rückgrat des östlichen Teils Tschechiens, Mährens, fließt die March (Morava) von Norden nach Süden, bildet für eine kurze Strecke die Grenze zwischen der Slowakei und Österreich und ergießt sich dann in die Donau, die in das Schwarze Meer mündet. Die Flüsse Schlesiens schließlich sammeln sich allesamt in der Oder, die bekanntlich zur Ostsee fließt. So verschieden die Charaktere von Nordsee, Ostsee und Schwarzem Meer sind, so unterschiedlich sind auch die Menschen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Und doch gehören sie zusammen und bilden heute ein Volk, wie auch das ganze Land ein Holon bildet. Die Kraftpunkte und -linien Süd- und Westböhmens scheinen durch die Arbeit von Pavel Kozák anfänglich erschlossen und beschrieben zu sein. Auf zwei Orte möchte ich jedoch eingehen, die mir bedeutsam scheinen.

Heilige Berge Böhmens

Der Berg Blaník, Meereshöhe 633 m, etwa 50 Kilometer südöstlich von Prag, ist mit einer alten Sage verbunden. In seinem Inneren soll ein Ritterheer schlummern und warten, bis die Lage im Lande so schlimm ist, dass sie nicht schlimmer werden kann - wörtlich, "wenn es dem Volke am übelsten geht". Dann brechen die Ritter hervor und befreien das unterdrückte Volk. Regiert wird diese Kraft vom heiligen Wenzel (svat´y Václav), dem Schutzpatron des böhmischen Landes. Pavel Kozák fand hier ein altes Heiligtum und spricht von einem energetischen Punkt, in dem viele Linien aus anderen Regionen Böhmens zusammenlaufen, die eine Rolle bei der Besiedelung des Böhmischen Beckens gespielt haben dürften. Er erwähnt auch die energetische Verbindung des Blaník mit der Prager Burg (dem Hradschin) und den Strahov- und Brevnov-Klöstern in Prag.6
Der zweite erwähnenswerte Ort ist wieder ein Berg, eigentlich nur ein Hügel von 459 m Höhe, der jedoch größte Bedeutung für das tschechische Volk besitzt. Der Berg heisst Ríp (ein deutscher Name ist mir nicht bekannt; er wird etwa "Rschiep" ausgesprochen) und befindet sich rund 30 Kilometer nordwestlich von Prag. Er hat die Form einer Frauenbrust, und der Sage nach kamen die ersten Tschechen genau auf diesen Berg, als sie vom Osten her einwanderten. Ihr Anführer, der "Urvater Tscheche", schaute in die weite Ebene ringsum und sprach, "das ist das Land, in dem Milch und Honig fließen". Aus esoterischer Sicht wird Tscheche mit Moses in Verbindung gebracht. Seine Entscheidung auf dem Ríp, nicht weiter gen Westen zu wandern, sondern zu bleiben, vergleicht man mit dem Geschehen auf dem Berg Sinai.9 Auf eine gründliche geomantische Untersuchung wartet der Ríp noch. Der Berg besitzt jedoch eine starke Ausstrahlung, die sich ähnlich anfühlt wie die von Hradschin und Vysehrad.3

Praga mysteriosa

Wer einmal in Prag war - und da waren inzwischen ja schon fast alle - wird den besonderen Geist dieser Stadt gespürt haben. Wenn man sich irgendwo eine Vorstellung davon machen kann, was ein Genius Loci ist, dann mit Sicherheit in Prag! Diesem Genius wurde auch das groß aufgemachte, in drei Sprachen gesetzte Buch "Praga mysteriosa" gewidmet,10 das auch aus geomantischer Sicht interessant ist. Es wird hier Einiges zum Stadtplan des alten Prag erläutert, vor allem zu den Vierteln Altstadt, Neustadt und Kleinseite, oder zur Geometrie der Anordnung der christlichen Heiligtümer wie Kirchen und Klöster, die nach einer bestimmten Gesetzmäßigkeit in der Stadt verteilt sind. Ein anderer Teil des Buches widmet sich der Aufteilung der Stadt in die Wirkungsbereiche der zwölf Tierkreiszeichen. Einige aufschlussreiche Einsichten bezüglich der vielschichtigen energetischen Beziehungen Prags ergaben sich aus der erwähnten Arbeit mit Marko Pogacnik in den Jahren 1999 und 2000. Dabei ging es um die Leylinien, die Wirkungszentren der Wesen der vier Elemente, um die Ein- und Ausatmungspunkte und auch um die Fokusse von Engelwesenheiten.11 Der Fokus der Elementarwesen des Elements Wasser beispielsweise befindet sich demnach über dem Moldauwasser, südlich der Karlsbrücke. Bei Wahrnehmungsübungen auf der Insel Streleck´y ostrov wurden große Probleme auf der feinstofflichen Ebene festgestellt, die einer Heilung bedürfen, namentlich im Bereich von Hradschin, Vysehrad (Hochburg) oder an einem wichtigen Punkt nahe dem Hauptbahnhof. Im Bereich der Prager Burg befinden sich einige architektonische Elemente des bekannten slowenischen Architekten Josef Plecnik. Aus den Untersuchungen Marko Pogacniks geht deutlich hervor, dass sein Landesgenosse Plecnik, der um die Jahrhundertwende lebte, mit den feinstofflichen Ebenen vertraut war, denn seine Skulpturen wurden von ihm genau an Kraftorten platziert, deren Charakter den jeweiligen Formen entsprach. Oft verhelfen sie sogar dem Feinstofflichen, zum Ausdruck zu gelangen. Alle BesucherInnen Prags werden den Wenzelsplatz kennen. Dessen obere Front ist durch das Nationalmuseum geprägt, vor dem sich ein Springbrunnen befindet. Hoch über diesem Brunnen sei eine hohe geistige Wesenheit wahrzunehmen, die als die Seele des tschechischen Volkes bezeichnet werden könne.11 Selbstverständlich ist sie im gesamten Land anwesend, doch hier ist einer ihrer Fokuspunkte. Pogacniks Arbeitsgruppe versuchte, diese Wesenheit mit dem Kraftort in der Erde vor dem Museum wieder zu verbinden, der als ein wichtiger energetischer Punkt des Landes gilt. Es heißt, die Seele des Volkes habe ihre Verbindung mit dem Land verloren. Der Vollständigkeit halber sei hier noch das 2000 erschienene Buch "Esoterisches Prag" erwähnt, das in etwas profaner Weise auf esoterische Zusammenhänge einzelner Orte in Prag hinweist.12

Mährische Vermutungen

Angeblich existiert eine neue, bisher nicht publizierte geomantische Studie über Mähren, doch ich konnte diese bisher nicht auffinden. So muss ich mich, das mährische Gebiet betreffend, auf meine Vermutungen beschränken. Die größte Stadt Mährens und zweitgrößte Tschechiens ist Brünn (Brno). Der Name stammt offensichtlich aus dem deutschen "Brunnen". Solche Ortsnamen weisen immer auf heilige Quellen, also Kraftorte hohen Ranges, hin. In diesem Zusammenhang sei noch erwähnt, dass der tschechische Name für Prag, Praha, mit dem Wort für "Schwelle", Práh, eng verwandt ist. Dies wird z.B. in esoterisch-anthroposophischen Kreisen so gedeutet, dass Prag die Schwelle zwischen Ost und West bildet, also zwischen unbegrenzter und abgehobener Geistigkeit einerseits und dem erdgebundenen Materialismus andererseits. Daraus ergibt sich die vermittelnde Aufgabe Prags, Tschechiens und unseres Volkes überhaupt. Zurück zu Brünn. Das Gesicht dieser Stadt ist vor allem durch zwei Hügel geprägt, dem Petrov (Petersberg), auf dem eine mächtige neugotische Kathedrale steht, und dem Spilberk, einer Festung, auf die ich noch eingehe. Im Mährischen scheinen allerdings drei andere Orte die wichtigsten zu sein. Alle drei spielten und spielen zum Teil noch heute eine große Rolle im christlich-religiösen Leben Mährens und Tschechiens überhaupt, denn an allen dreien befinden sich bedeutende Wallfahrtskirchen: Svat´y Kopecek (der Heilige Hügel) bei Olmütz (Olomouc) im Mittelmähren, der stark mit dem marianischen Kultus verbundene Hochstein (Host´yn) in Ostmähren sowie Velehrad (Großburg) in Südmähren. Zum Teil ist bekannt, dass sie sich an Stellen alter keltischer Siedlungen befinden.13 Wenn man diese drei Orte auf der Landkarte miteinander verbindet, entsteht ein beinahe gleichschenkeliges Dreieck, an dessen Hypotenuse die altertümliche Stadt Kremsier (Kromeríz) liegt, mein Geburtsort.

Orte des Schreckens

Noch drei andere Orte will ich der Vollständigkeit halber ansprechen. Es gibt in Tschechien - und leider muss ich sagen, "selbstverständlich" - auch Orte, die durch grausames menschliches Handeln auf der vital-energetischen und wahrscheinlich vor allem auf der astralen Ebene schwer beschädigt wurden. Der erste ist Austerlitz (Slavkov) in der Nähe von Brünn. Im Jahre 1805 wurde hier die blutige Schlacht zwischen Napoleon auf der einen und dem österreichischen und russischen Heer auf der anderen Seite ausgetragen. Es gibt bis heute immer wieder Berichte, dass es in den das ehemalige Schlachtfeld umgebenden Dörfern "spukt". Die meisten Menschen haben keine Vorstellung davon, wie ungeheuerlich die Beschädigung des Feinstofflichen an solchen Orten tausendfachen Todes ist. Es wundert mich nicht, dass sie sich bis in physische Bereiche hinein bemerkbar macht. Der zweite Ort ist die erwähnte Festung Spilberk in Brünn. Deren Kasematten (unterirdische Zellen und Gänge) dienten bereits im Mittelalter als Gefängnis und als Folterkammern, und diese schreckliche Funktion mussten sie wieder erfüllen, als die Nazis hier einzogen. Es bleibt zu erforschen, was diese Belastung für die Stadt bedeutet, und vor allem müsste an deren Reinigung gearbeitet werden. Der dritte Ort ist aus traurigen Gründen allen bekannt - Theresienstadt (Terezín) bei Leitmeritz (Litomerice). Von der österreichischen Kaiserin Maria Theresia als Festung aufgebaut, wurde dieses Städtchen während des Zweiten Weltkriegs zum Konzentrationslager. Ich muss nicht mehr dazu sagen, als dass Menschen mit Gespür für das Feinstoffliche Theresienstadt bis heute als ungeheures schwarzes Loch empfinden. Dieser Beitrag kann nur einen ersten überblick über Tschechien aus geomantischer Perspektive geben, über das Land, in dem nach alter Sage die Erde vom Himmel geküsst wurde.8 Wie eingangs gesagt, steht die geomantische Erforschung des Landes ganz am Anfang, und so gebe ich einen Eindruck von der Geburt dieser Forschung wieder. 7
Anmerkung: Bei Ortsnamen wurde immer der deutsche und in Klammern der tschechische Name angegeben. Wo mir kein deutscher Name bekannt war, habe ich den tschechischen angegeben und in Klammern eine ungefähre Übersetzung ins Deutsche gesetzt, sofern es keine offizielle deutsche Bezeichnung gibt.

Literatur: (1) Möller, Jens Martin: Mythos einer Sonnenstadt. Spuren deutscher Geschichte. Dingfelder Verlag, Andechs 1995, S. 392. (2) Bischof, Marco: Die Wiederentdeckung der Geomantie. In: Hagia Chora Nr. 7, Herbst/Winter 2000/2001, S. 54-58. (3) Krumlovská, Olga: Místa, která lécí. Kde a jak cerpat energii. (Orte, die heilen. Wo und wie man Energie schöpfen kann.) Troja, Praha 1997. (4). Kozák, Pavel: Místa psusobení. Megality, posvátná místa, obrazce v obilí. (Orte des Wirkens. Megalithen, heilige Orte, Kornkreise.) Archet + Pyramida, Ceské Budejovice 1997. (5). Kozák, Pavel: Tajemná místa na samém jihu Cech. (Geheimnisvolle Orte ganz im Süden Böhmens.) MH, Beroun 1998. (6). Kozák, Pavel: Tajemná místa od Blaníku k Susici. (Geheimnisvolle Orte vom Blaník bis Susice.) MH, Beroun 1999. (7) Kozák, Pavel: Tajemná místa Posumaví. (Geheimnisvolle Orte im Böhmerwald.) MH, Beroun 2000. (8) Svobodová, Marie - Neubauer, Zdenik: Duse Cech. (Die Seele Böhmens.) In: Gemma, Nr. 10/11, 1994, S. 3-5. (9) Král, Josef: Príbeh praotce Cecha. Mytologické pocátky cesk´ych dejin. (Die Geschichte des Urvaters Cech. Mythischer Ursprung der tschechischen Geschichte.) In: Gemma, Nr. 8, 1994, S. 5-7. (10) Spsurek, Milan: Praga mysteriosa. Tajemství prazského slunovratu. (Das Geheimnis der Prager Sonnenwende.) Eminent, Praha 1996. (11) Janksu, Helena - Tajbos, Jan: Prazsk´y projekt lécení Zeme. (Prager Erdheilungsprojekt. Nachschrift eines Vortrags von Marko Pogacnik.) In: Obytn´y prostor 2000, Cultura Informa Bohemia, Praha 2000. (12) Kuchar, Jirí: Praha esoterická. Prsuvodce skryt´ymi dejinami mesta. (Esoterisches Prag. Ein Führer durch die verborgene Geschichte der Stadt.) Eminent, Praha 2000. (13) Vostová, Irena et al: Kromeríz, Prerov, Bystrice pod Host´ynem, Holesov. (Touristisch-kommerzieller Prospekt, deutsche Fassung.) Interkontakt, Zlín.