Landschaftstempel Europas

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 8/2001

Die sakrale Ebene einer Landschaft ist reich gegliedert. Es kann sich dabei um eine geomantische Beziehung zur Seele der Landschaft handeln, um ein Netzwerk der sakralen Plätze der Natur oder auch um geistige Zusammenhänge, welche die Natur fast nicht berühren, sondern rein menschliche Schöpfung sind. In jedem Fall jedoch geht es um eine geomantische Ebene, die nicht von Natur aus vorhanden war, sondern die durch das Zusammenwirken von Kultur und Natur entstanden ist. Die Erde ist ein sakraler Planet und braucht für ihre geistige Dimension keine speziellen Ausdrucksformen. Dies war eher das Bedürfnis der frühen Kulturen, um über Generationen hinweg mit der Seele der Landschaft zu kommunizieren. Unterstützt durch Steinsetzungen, zeremonielle Wege und Rituale, sind so Landschaftstempel entstanden, die sich tief in die geomantischen Schichten der Orte und Landschaften eingeprägt haben. Unter vielen verschiedenen Möglichkeiten, sich der sakralen Ebene einer Landschaft zu nähern, möchte ich mich der Form des Landschaftstempels widmen, der sich meiner Einsicht nach speziell in Europa entwickelt und dort ausgedehnt hat. Es geht um den neolithischen Landschaftstempel, der später durch die nachfolgenden Kulturen übernommen und bewusst oder unbewusst weiter ausgeformt wurde. Dieses Modell prägt die europäische Landschaft bis heute.

Dreigliederung des Landschaftstempels

Die neolithische Kultur war eine über mehrere Jahrtausende sich entwickelnde Göttinnenkultur. Sie nahm die Seele der Landschaft als Fraktal der dreigestaltigen Göttin wahr. Jeweils als Ganzheit, im Holon eines Ortes oder einer Landschaft werden drei Aspekte der Göttin erkannt, die Phase der Jungfrau (Ganzheit), die schöpferische Phase (Lebensfülle) und die Phase der Schwarzen Göttin (Wandlung). Praktisch heißt das, dass an jedem Ort oder in jeder Landschaft Plätze zu finden sind, die mit einem der drei Prinzipien übereinstimmen. Ich nenne dies die Dreigliederung des Landschaftstempels:

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