Vater Land und Mutter Sprache

Eltern, die verstanden sein wollen

von Wolfgang Schmidt-Reinecke erschienen in Hagia Chora 8/2001

In der Geomantie suchen wir die unmittelbare Beziehung zur Seele eines Landes. Ernst genommen, schließt dies seine kollektive Vergangenheit ein. Der individuelle geomantische Weg beginnt in diesem kollektiven Feld. Soll er zur Reife führen, wollen die unbewusst prägenden Faktoren in mildem Lichte betrachtet worden sein, unter anderem auch das eben Gesagte, Ernste, Reife . Ein solcher, kantiger Faktor für die Geomantie ist die jüngere deutsche Geschichte. Was unsere unverkrampfte Beziehung zum deutschen Land so schwierig macht, versucht Wolfgang Schmidt-Reinecke aufzuklären - und leistet auch damit ein Stück "Erdheilung".

Moderne Geomantie basiert als Erfahrungswissenschaft sowohl auf neueren Untersuchungen als auch auf historischen Erkenntnistraditionen. Sie versteht sich als ganzheitliche Praxis mit einem Weltbild, das sich nicht scheut, auch wissenschaftlich (noch) ungesicherte, als "esoterisch" bezeichnete Komponenten in das Forschungsgefüge zu integrieren. In Deutschland wurde geomantisches wie anderes so genanntes esoterisches Wissen nachweislich in das Instrumentarium des Dritten Reiches verstrickt. Angesichts des Missbrauchs eines ganzen Spektrums ganzheitlicher Theorie und Praxis durch den Nationalsozialismus wurde die Anfang des 20. Jahrhunderts neu entstandende Kontinuität geomantischer Forschung nach dem Krieg unterbrochen.1 Darüber weit hinaus gerieten im Gefolge des Nazi-Spuks zentrale Bestandteile geistig-seelischer Identität und Kultur in Deutschland unter Generalverdacht. Um an unbelastete geomantische Traditionen wie generell an "gesunde" seelische Kräfte in diesem mitteleuropäischen Land mit seiner langen und reichen Kultur anzuknüpfen, bedarf es unterscheidender Wiederaneignung.

Am liebsten intergalaktisch ...

Die Auseinandersetzung um eine "Leitkultur" in Deutschland führte Ende letzten Jahres in Medien und Politik zu überwiegend skeptischen, besorgten und abwehrenden Stellungnahmen. Ironie erwies sich in der öffentlichen Debatte oft als intellektueller Reflex, um ein tiefergehendes Eingehen auf eventuelle Folgerungen einer deutschen Kulturidentität zu vermeiden. Vielfach wurde auch die Diskussion um das Für und Wider eines "Hausrechts" einheimischer Kultur in Deutschland mit dem aggressiv vorgetragenen Zweifel daran abgeschnitten, dass es eine authentische Identitätstradition hierzulande überhaupt gäbe. "Was ist das denn: deutsche Kultur?!", fragte Kerstin Müller, Fraktionschefin von Bündnis 90/Grünen im Bundestag provozierend.2 Und mit ihr ein Großteil der Vertreter der deutschen Kultur in Medien, Politik, Wirtschaft und Kunst. Allein auf Vernunft setzendes Politikverständnis und rational argumentierende Philosophie versuchen heute in Deutschland - auch in der Leitkulturdebatte - etwa mit dem Habermas schen Begriff des "Verfassungspatriotismus" gemeinsame kulturelle Identität auf einen bloßen gesellschaftlichen Konsens zu reduzieren. "Deutschland braucht keine Leitkultur, sondern mehr Corporate Identity", fomuliert ein von vorherrschender Ökonomie- und Soziologie-Realität geprägter Leitartikel.3 "Am liebsten wären sie intergalaktisch", spottete der britische Botschafter über die Beteiligten an dieser das Leid mit der eigenen Identität offenbarenden Diskussion - nur eben bloß nicht deutsch. Dabei wird eigentlich kaum jemand die spezifische Prägung durch die uns umgebende Landschaft und überlieferte Tradition bestreiten, wenn er darüber nachdenkt und nachspürt. Höchstens der Anteil dieser Prägung ist "verhandelbar". Der Ort, die Landschaft und das Klima hinterlassen Spuren. Über die eigene Familie hinaus gehören Nachbarschaft, Schule, die Gruppe der Gleichaltrigen und die Zugehörigkeit zu einer sozialen Klasse ebenso zu den uns bestimmenden Einflüssen wie Sprache und Dialekt. Es wirken die Märchen, Geschichten und Gedichte auf uns ein, die Lieder und Bräuche, die wirtschaftlichen Umstände wie auch das politische Umfeld unseres Landes, also dessen Kultur.Z1

Das unbekannte Wesen: Die Volksseele

Untersuchungen zu Identitätsprofilen der Völker werden heute gleichwohl von Soziologen und Ethnologen in Deutschland sehr ungern angestellt. Die Furcht geht um, ein mit diesem Thema befasster Autor könne Gefahr laufen, als unzeitgemäß nationalistisch hingestellt und lächerlich gemacht zu werden. Beiträge zum Nationalcharakter erscheinen deshalb, wenn überhaupt, mit überbetonten Distanzierungssignalen. "Die Frage nach dem Wesen eines Volkes ist heute völlig vom Tisch", wird sogar behauptet.4 Nicht so ganz. Es hat den Anschein, als ob diese Aussage doch in erster Linie für Deutschland zutrifft. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts waren jedenfalls hierzulande wie auch in vielen anderen westlichen Ländern Studien zum Nationalcharakter der Völker weit verbreitet. Außerhalb Deutschlands gilt die Frage nach Existenz und Konsequenz einer nationalen Identität weiterhin als keineswegs erledigt. So erschien in Schweden erst kürzlich eine vielbeachtete Studie zum schwedischen Volkscharakter.5 Unbestreitbar ist sicherlich, dass die Vielschichtigkeit und schwer fassbare Wirkungsmächtigkeit nationalkultureller Prägung das Thema dem einfachen soziologischen Zugriff entzieht. Schwer definierbar sind insbesondere die mythischen Kernbereiche dieser kollektiven Identität. In Deutschland werden sie gerne als typisch deutsche, quasi religiöse Überhöhung des Begriffs der Nationalkultur bezeichnet.6 Eine kaum haltbare Argumentation. Zum einen sind Mythen per definitionem Deutungsmuster und Entstehungsgeschichten, die auf religiös-geistigen Urbildern beruhen. Zum anderen lassen sich diese mythischen Identitätsanteile unschwer im Nationalcharakter vieler Länder erkennen. Ein Beispiel aus Nachbarschaft und Gegenwart ist Serbien, wo die Mehrheit des Volkes gegen alle Vernunft und wirtschaftlichen Vorteile einem charismatischen Führer folgte, der seine Legitimation im wesentlichen aus dem schicksalhaften (mythischen) Sendungsauftrag der (groß-)serbischen Nation bezog.

Von Trauma-Verursachern und Tabu-Brechern

Die Vermutung liegt nahe, dass die betont rationale und abwehrende Haltung der Nachkriegsdeutschen zur Frage ihres kulturellen Selbstverständnisses mit der von den meisten von ihnen als größte Katastrophe ihrer Geschichte empfundenen Periode zusammenhängt. In dem Fall wäre es einer näheren Betrachtung wert, ob sie auf einer Verletzung der im Kern liegenden - und gerade deshalb kaum bewusst wahrgenommenen - mythischen Identitätsanteile des deutschen Kollektivs basiert. Es sind vor allem Autoren außerhalb Deutschlands, welche die religiös-mythische Wirkungsebene der nationalsozialistischen Bewegung als essentiellen und bislang weitgehend vernachlässigten Faktor stärker ins Blickfeld rücken. Einen Durchbruch in dieser Beziehung markiert die gerade erschienene, ungemein materialreiche Studie des US-Historikers Michael Burleigh. In dieser Untersuchung wird zum ersten Mal in konsequenter Duchführung eine Gesamtschau des Phänomens des Nationalsozialismus mit besonderer Berücksichtigung seines Potenzials als politische Religion vorgenommen.7, 8, Z2 In Deutschland haben sich Wissenschaft und Kultur bisher infolge eines besonders rational interpretierten Menschenbildes und der damit einhergehenden Ignorierung seelisch-mythischer Realitätsebenen der entscheidenden Werkzeuge für ein differenziertes Verständnis- (und Verarbeitungs-)raster beraubt. "Das mythologische Element wurde entweder geleugnet oder zu einer peripheren Erscheinung reduziert, obwohl bereits in den 30er-Jahren scharfsinnige Beobachter wie Ernst Bloch, C.G. Jung, Dennis de Rougement, Thomas Mann oder Karl Kerényi diese starke Kraft erkannt hatten."9

Verführungskraft der mythologischen Heldenreise

Es gibt ein Sprichwort: Vertreibt man Gott durch die Vordertür, kommt er als Dämon durch den Hintereingang. Um im Bild zu bleiben: Die Deutschen machen den Eindruck, als hätten sie einen fürchterlichen Dämon in ihrem Haus erlebt und ihn erst zu spät als Zerrbild erkannt. Die These dieses Beitrags lautet deshalb: Die Nazis aktivierten und missbrauchten mit Hilfe eines perfiden Instrumentariums zentrale, mythisch-religiöse Anteile der "deutschen Seele" (hier synonym mit Identität). Sie taten dies aus eigenen Machtgelüsten und vor allem aus eigener Verblendung heraus. Das große Unglück bestand darin, dass sie damit die moralische Entgleisung eines ganzes Volkes - und damit potenziell jedes Individuums dieses Kollektivs - mit einer Art "göttlicher Legitimation" versahen.
Diese tragische Verkennung und Verdrängung auf einer mythisch-seelischen Ebene haben sich die Deutschen bisher kollektiv nicht ins Bewusstsein geführt, bzw. es steht ihrer Aufarbeitung ein bis heute wirksames Tabu im Wege. "Der Nationalsozialismus war die Zerrform einer in der Substanz berechtigten deutschen Visionssuche, die wir zunächst einmal als solche begreifen müssen, um an Tiefenschichten unseres Bewusstseins heranzukommen", formulierte der in genialer Vielfalt und Tiefe forschende Berliner Autor Jochen Kirchhoff in seinem Buch "Nietzsche, Hitler und die Deutschen" als einer der ersten den Tabubruch.10 "Visionssuche" meint hier die - meist unreflektierte - Sehnsucht des Einzelnen oder eines ganzen Kollektivs nach der mythologisch verstandenen Verwirklichung des eigenen Selbst, dem "Finden des eigenen Weges". Danach zu streben ist vielleicht höchste menschliche Regung. Sie wird jedoch zum Verhängnis, so sie nicht von klarem Unterscheidungsvermögen und von wacher Achtsamkeit begleitet wird. Im Fall der verführerischen Nazi-Vision erkannten die beteiligten Deutschen erst zu spät, dass diese ein schillerndes Phantom darstellte. Sie mussten bitter erfahren, wie die vermeintlich kollektive und mythologische Heldenreise in Wirklichkeit ein mit falschen Lichtern in den Abgrund führender Irrweg war.Z3 Die Hinweise darauf, dass die Nazi-Vision tatsächlich als kollektive Heldenreise im archetypischen bzw. mythologischen Sinn dargestellt und angenommen wurde, sind unverkennbar. So zeigen Untersuchungen, basierend auf einer Auswertung der Stellengesuche in Nazi-Zeitungen der 20er- und 30er-Jahre, dass die typischen Anhänger der Bewegung junge Männer zwischen 18 und 27 Jahren waren. Sie fühlten sich zum propagierten, mythologisch verbrämten Heldentum hingezogen.11 Dieser Appell an tiefste Sehnsüchte kann vielleicht erst erklären, warum die Nazis eine derart ungeheure Kraftentfaltung bei den Deutschen mobilisieren konnten. George Orwell durchschaute den Tiefen-Mechanismus: "Hitler weiß, dass die Menschen nicht allein Wohlstand, Sicherheit, kurze Arbeitszeiten etc. wollen. Sie wollen ebenso, zumindest zeitweilig, Kampf und Selbstopferung ... Hitler sagt ihnen: ’Ich biete euch Kampf, Gefahr und Tod. Und daraufhin wirft sich ihm die ganze Nation zu Füßen."12

Abgrenzung gegen die Rationalität der Moderne
Die innerhalb einer tiefen Seelenschicht vorgenommene Verwechslung der nationalsozialistischen Ideologie mit höchsten Idealen führte mit dem Untergang dieser Ideologie bei einer Mehrheit der Deutschen zur traumatisch bedingten Abwehr zentraler Merkmale ihrer eigenen Identität. Kein Wunder also, dass die Deutschen nach dem Krieg besonders die geistig-spirituelle Komponente deutscher Kultur und Tradition kollektiv verdrängt und tabuisiert haben, und zwar mehr und gründlicher noch als ihre im Prinzip ebenso säkular und "rationalistisch aufgeklärt" lebenden Nachbarn. Die geistbetonte Welt- und Erkenntnishaltung bildete früher einen wesentlichen deutschen Kulturanteil. Die Zeugnisse dieser Tradition sind eindeutig: Von den deutschen Mystikern über die Romantiker bis zu den Klassikern und Idealisten der deutschen Philosophie; den Komponisten von Bach bis Beethoven; den Tiefenforschern von Steiner bis Jung. Tatsächlich lieferte gerade der Nationalsozialismus mit seiner pervertierten Mobilisierung religiös-mythischer Sehnsüchte einen Beweis für diesen Wesenszug. Hitler versprach den Deutschen - in Abgrenzung gegen die vorherrschende, kalte Rationalität der Moderne -, ihnen in gewisser Weise ihre eigene Spiritualität wiederzugeben oder, mit anderen Worten: die Erfüllung ihres mythologischen Schicksals. Nicht zufällig gerade den Deutschen, die, vielleicht mehr noch als ihre Nachbarn, unter der Geist- und Seelenlosigkeit der westlichen Moderne litten (leiden). "Wir wollen religiöses Gefühl und religiöse Wiedererneuerung", hieß es 1936 in der SS-Zeitschrift "Das Schwarze Korps". "Und das heißt, dass wir nichts zu tun haben mit jener materialistischen Geschichtsauffassung, die jede Religiosität prinzipiell ablehnt, weil sie aus der Enge ihrer Daseinsgebundenheit heraus die Existenz des Metaphysischen überhaupt leugnet. Denjenigen, der an nichts glaubt, halten wir nach des Reichsführers SS herzhaftem Wort für ’überheblich, größenwahnsinnig und dumm ".13 Auch der große deutsche Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker sah die verzerrte mythologisch-religiöse Tiefenströmung der NS-Bewegung: "Der Faschismus war ein missglückter Versuch, das Reich Gottes auf Erden zu errichten", zitiert er in seiner "Wahrnehmung der Neuzeit".14

Heimatlosigkeit als Generationenschicksal

Für das Selbstverständnis der heute lebenden Deutschen hat die anhaltende Verkennung und Verleugnung der auf einer mythisch-seelischen Tiefenschicht wirkenden Ziele des Dritten Reiches und die deshalb nach dem Zusammenbruch erfolgte Verdrängung der deutschen "spirituellen" Seelenanteile prägende Konsequenzen: Millionen von Zeitgenossen des Dritten Reiches versiegelten die missbrauchten Ideale ihrer Jugend in einem inneren Verlies und schwiegen fortan aus Scham und aus der Furcht heraus, von den Nachfolgenden nicht verstanden zu werden. In der Tat stellte die Nachkriegszeit keine Sprache und kein Instrumentarium zur Verfügung, um auf einer seelischen Ebene die kollektiven und - damit verbunden - unzähligen persönlichen Verletzungen und Verschuldungen der Nazi-Zeit aufzuarbeiten. Als Ausgleich und als Alibi für den damaligen Irrtum überbetonte der intellektuelle und kulturprägende Teil dieser unglücklichen Deutschengeneration deshalb nach dem Krieg einen ausgeprägten Rationalismus. Die Nachkriegsgeborenen wuchsen mit der Verdrängung und dem Schweigen ihrer Eltern auf. Sie lernten, dass "Deutschsein" etwas scheinbar schamvoll zu Verschweigendes und eher Unangenehmes ist. Bei ihrer Sozialisation als Deutsche wurden sozusagen die zentralen geistorientierten und mythischen Bestandteile der reichen deutschen Kulturtradition herausgefiltert. Übrig blieb ein zwar "modernes", aber einseitig-rationales Selbstbild. Im Konflikt mit der eigenen Kulturgeschichte, aber in trauriger Konsequenz aus der jüngsten Vergangenheit, werden spirituell-geistige Orientierungen heute im neudeutschen Diskurs eher als Gefährdung denn als Chance betrachtet.Z4 Außerhalb "gesicherter" Wissenschaft liegende, grenzwissenschaftliche Untersuchungen und Experimente geraten schnell in Sekten- und Esoteriknähe. Verstehbar ist diese pauschale Abwehr (oder besser: Mutlosigkeit) vor der historischen Erfahrung der energetischen und unkonventionellen NS-Maschinerie, die nicht zuletzt von esoterischen Traditionen und Gruppierungen gespeist wurde.

Janusköpfige Vision: Die New-Age-Philosophie
Seit den ersten Formulierungen der New-Age-Philosophie vor allem durch Helena Blavatsky, der Begründerin der Theosophie, vollzieht diese - esoterische Erkenntniswege stark betonende - Bewegung eine Gratwanderung. Hier finden sich naives Wunschdenken neben tiefgründigen Visionen, absurde Scharlatanerie neben authentischer Meisterschaft, faschistoide Kollektivierungsbestrebungen neben wegweisenden Experimenten neuer Kommunalität. Einige der seit Ende des 19. Jahrhunderts bestehenden new-age-orientierten Gruppierungen, wie etwa die Thule-Gesellschaft und der Armanen-Bund, beteiligten sich, so lässt sich heute historisch belegen, an einer brutalen Interpretation ihrer Philosophie durch die Nazis.15 Persönlichkeiten dieser Zirkel standen Pate bei der Formulierung von Hitlers Credo (nachzulesen etwa in "Mein Kampf"). Sie legten mit der Vermittlung medialer Erkenntnisweisen und bildkräftiger Ausdrucksformen seelisch wirkungsmächtige Werkzeuge in die Hände einer Gruppe fanatischer Täter und Fehlgeleiteter. Diese Werkzeuge gehören vielleicht zu dem gesuchten Puzzle-Teil, das - vor dem Hintergrund bereits erkannter ökonomischer, soziologischer, kultureller und politischer Faktoren - die ungeheure Ausstrahlung einer vergleichweise kleinen Gruppe von Fanatikern auf ein ganzes Volk zu erklären hilft. Die Akzeptanz mythisch-seelischer Realitäten, und damit der realen Wirksamkeit des mythischen (und magischen) Instrumentariums von politischen Religionen, ist deshalb unumgänglich. Es wäre katastrophal, würde das unerkannte Thema und das Potenzial erneut in die Hände von Nazis und Neonazis fallen. In entsprechender Neuverfälschung könnte es sich zum Stimmenfang bei einer erheblichen Minderheit eignen. Zum Beispiel bei denjenigen, die im Gefolge ihrer spirituellen Suche fast zwangsläufig in der politischen Heimatlosigkeit gelandet sind. Manchmal dringen Zeichen in die Schaufenster der Esoterikläden, die erkennen lassen, dass paranoide Rasse-und Evolutions-Mythen weiterhin in einem international bestehenden Neo-Nazi-Untergrund virulent sind.16

Wer spüren kann, der spüre: Die Wewelsburg

Auch heute noch lassen sich an bestimmten Orten konzentrierte Niederschläge der okkulten (wörtlich: verborgenen) NS-Welt finden und erfahren. Ein Beispiel: In der Nähe von Paderborn liegt die in seltener Dreiecksform gestaltete, 300 Jahre alte Wewelsburg. Sie wurde im Zuge medial-geomantischer Forschungen des Himmler-Beraters Karl-Maria Wiligut (genannt "Weisthor") als frühgermanisches Kraftzentrum geortet.16 Die Wewelsburg erlebte zwischen 1936 und 1943 den Umbau und die Ausrichtung als Ordenssitz und Initiationstätte der SS. Nach Erkenntnissen der auch unter geomantischen Voraussetzungen forschenden SS-Abteilung "Ahnenerbe" markierte das Gebäude die exakte Mitte des damaligen Deutschlands.
Von dieser Lage ausgehend, sollte der Nordturm der Wewelsburg mit einer um ihn herum zu errichtenden Stadt zum Mittelpunkt des kommenden deutschen Weltreiches werden. In diesem Turm, den die SS bei Kriegsende vergeblich zu sprengen versuchte, finden sich bis heute zwei mysteriöse Räume mit ungeklärter Gestaltungssymbolik und ungewöhnlichen (Akustik-)Phänomenen. Neonazis aus der ganzen Welt pilgern hierher, brachen in der Vergangenheit nächtens ein und begingen, so die hinterlassenen Spuren, eine Art von Schwarze Messen. Mittlerweile hat die Museumsverwaltung der Wewelsburg den unteren Krypta-Raum für die allgemeine Öffentlichkeit verschlossen.18 Das verkapselte Geheimnis der Nazis trägt bis heute zur Faszination von rassisch-esoterischen Mythen für junge Leute bei. Moderne rechte Esoterik umfasst in Weiterführung des Originals UFOs, freie Energie, Außerirdische und Atlantis. Im Schatten von skandalträchtigen und schlagzeilenerregenden Skinheadüberfällen gibt es eine nach außen weithin unbekannte Jugend- und Künstlerszene, die mehr den mythischen Untertönen der Nazi-Esoterik auf der Spur ist. So besingt etwa eine Dark-Metal-Gruppe aus Sachsen-Anhalt "Eine Nacht auf der Wewelsburg". Eine andere, musikalisch und poetisch durchaus anspruchsvolle CD nennt sich "Riefenstahl", nach der wohl perfektesten NS-Gestalterin medialer Sirenenklänge.19

Frieden schließen mit der eigenen Nationalität

Um eine erneute Beschäftigung mit dem "deutschen Mythos" werden wir also nicht herumkommen. Zum einen, um die kollektiv-seelische Verletzung durch den Nationalsozialismus, die bis heute von jedem Bewohner des "deutschen Feldes" mehr oder minder geteilt wird bzw. geteilt werden muss, zu verstehen und zu heilen. Spürbar ist diese Gebrochenheit ohne Zweifel auch für die vielen Angehörigen von Minderheitskulturen in unserem Land, die mit uns leben wollen (und müssen). Damit sie mit der gastgebenden deutschen Kultur eine größere Gemeinschaft bilden können, braucht es auf deutscher Seite ein höheres Maß an Selbstachtung und Selbsterkenntnis.Z5 "Wem es mit sich selbst nicht wohl ist, der wird auch kein weites Herz für Fremde entwickeln. Eine werbende Wirkung kann nur eine Lebensform entwickeln, in der die Menschen mit sich und den Ihren halbwegs im Reinen sind."20 Immerhin haben, wenngleich noch kaum erkannt und noch vielen Widerständen ausgesetzt, vor allem Künstler, Literaten und Philosophen in jüngerer Zeit damit begonnen, die nachhaltige Deformation geistiger Traditionen und mythologischer Sehnsüchte in Deutschland durch die Nazis zu begreifen und zu beschreiben.Z6 Auch auf einer allgemeineren Ebene gibt es Zeichen, dass sich das Nachkriegstrauma der abgespaltenen und verletzten deutschen Identität langsam aufzulösen beginnt. "Die bundesdeutsche Kultur ist dabei, Humor und Gespür wiederzuentdecken und zum ersten Mal seit Generationen ein untragisches und unmartialisches Verhältnis zur Nation zu entwickeln ... Das Kursbuch hat eine Reihe von Stellungnahmen deutscher Schriftsteller versammelt, die ein ungewohnt freundliches Verhältnis zur Nation zeigen. In der jungen deutschen Literatur sind - oft bei Autoren, die weit herumgekommen sind - Bilder der Heimat wieder möglich, die auf ihre zeitgenössische Weise romantische Motive wiederholen und dabei einfach gute Gefühle ausdrücken."21 In einem entspannteren Klima mag vielleicht die gezielte Beschäftigung mit den weiterhin verborgenen mythischen Anteilen deutscher Identität leichter möglich sein. Es gilt zum anderen, diese gerade auch deshalb erkennen zu lernen, um sie zu relativieren und um Platz zu machen für größere Mythen, wie etwa der Vorstellung eines vereinten Europa, und vor allem für die heute immer klarer erkennbare Vision einer geeinten Menschheit.
Denn weder gutgemeinte Weltbürgerträume noch ökonomische Globalisierungsaktivitäten allein werden ausreichen, um wirkliche menschliche Einheit Gestalt werden zu lassen. Die Klärung und Verankerung dieser vielleicht höchsten Zielsetzung human-gesellschaftlicher Existenz auf einer tiefen kollektiv-seelischen Ebene wird auch im Zeitalter säkularer Machbarkeitsideologie Voraussetzung bleiben. Zumindest am Horizont wird heute also das Ende der Bedeutung von nationaler Identität sichtbar. Ein glückliches Ende kann nationale Gemeinschaftsbindung allerdings wohl nur dann finden, wenn ihre Träger zuvor die mit ihr verbundenen kollektiv-seelischen Aufgaben im ausreichenden Maß verstanden und erfüllt haben. Ebenso wie die individuell-familiäre Persönlichkeitsprägung Verstehen, Akzeptanz und eventuell Erfüllung fordert, um letztlich von ihr frei zu werden. Ansonsten droht nationale Identität als ein nicht sterben könnendes Gespenst der Vergangenheit an unvermuteter Stelle wieder aufzutauchen. "Damit sich die unterschiedlichen Länder vereinen können, brauchen sie zuerst ein Bewusstsein der eigenen Identität, das Wissen, wo ihr Anfang und ihr Ende ist", warnt der kluge tschechische Präsident Vaclav Havel vor voreiligen und naiven EU- und Globalisierungsplänen.22

Heilungsritual: Die Wiedervereinigung

Die Deutschen gelten als kühle Planer und als sehnsuchtsvolle Dichter und Philosophen zugleich. Wahrscheinlich auch deshalb waren sie für den Missbrauch der Nazi-Verführer besonders prädestiniert. "Dem Nationalsozialismus war es möglich, Klarheit mit Mysterium und Religion mit Wissenschaft zu vereinbaren."23 Rationalmystizismus als seelisches Gebräu des Nationalsozialismus. So scheint denn von dieser Seite aus ein - in dem Fall eher bitterer - Hinweis darauf vorzuliegen, dass zu den spezifischen Aufgaben der deutschen Kultur die Suche nach einer neuen Synthese von Rationalität und Spiritualität gehört. Dies mag zwar ohnehin eine der zentralen Menschheitsaufgaben unserer Zeit sein, aber die deutsche Geistes- (und Seelen-)geschichte kann von ihrer Tradition und Prägung her dafür günstige Voraussetzungen mitbringen.Z7 Obwohl es in der realen deutschen Geschichte bisher erst selten gelang, Geist und Politik, Vision und Technik zu einer in diesem Sinn gesamtdeutschen Qualität zusammenzubringen. Der Querdenker und Mitbegründer der Grünen Partei, Rudolf Bahro, bezog sich auf die durch die Nazis verzerrte Aufgabenstellung: "Ich halte die Frage nach dem Positiven, das vielleicht in der Nazibewegung verlarvt war und dann immer gründlicher pervertiert wurde, für eine aufklärerische Notwendigkeit, weil wir sonst von Wurzeln abgeschnitten bleiben, aus denen jetzt Rettendes erwachsen könnte."24 Für geomantisch Tätige könnte das heißen, sich nicht nur den früheren Missbrauch, sondern auch die damit verbundene heutige Abwehr fast aller esoterischen Traditionen im bundesdeutschen Mainstream vor Augen zu führen. Umso behutsamer gilt es dann, die heilsamen und positiven Elemente des geomantischen Wissens wieder für die zeitgenössische (deutsche) Kultur zu erschließen. Eine differenzierte Darstellung dieser Inhalte, die sowohl deren zeitloser Realität und Qualität als auch ihrer grundsätzlichen Missbrauchsproblematik Rechnung trägt, dient dabei nicht nur der Verdeutlichung der eigenen Position, sondern ist zugleich geeignet, einen Beitrag zur Heilung einer schweren traumatischen Blockade im kollektiven seelischen Feld zu leisten.
Hoffnungsvoll stimmt jedenfalls, dass nach weltweiten Untersuchungen immer mehr Zeitgenossen davon auszugehen scheinen, dass erst die integrale Zusammenschau von rational determinierter Realität und spirituell erfahrbarer Wirklichkeit - eine Transrationalität im Wilberschen Sinn - die Entwicklung von Kriterien erlaubt, die unterscheidende Klarheit in die Vieldimensionalität der uns persönlich und gesellschaftlich bewegenden Kräfte bringt.Z8 Vielleicht würde das für uns in Deutschland dann auch die wirkliche Wiedervereinigung bedeuten?

Literatur: (1) Marco Bischof "Die Wiederentdeckung der Geomantie", HAGIA CHORA Nr. 7; (2) Interview mit Kerstin Müller "Deutsche Kultur, was ist denn das?" Tagesspiegel 27.8.2000; (3) Harald Martenstein "Ein Godesberg für die CDU", Tagesspiegel 28.10.2000; (4) Josefine Janert "Am Wesen eines Volkes will niemand genesen" Tagesspiegel 29.8.2000; (5) Ake Daun "Swedish Mentality" Pennsylvania State University Press, 2000; (6), Pars pro toto Richard Herzinger "Leiten gilt nicht" Tagesspiegel vom 6.11.2000; (7) Michael Burleigh: "Die Zeit des Nationalsozialismus - eine Gesamtdarstellung", S. Fischer Verlag, 2000; (8) Eric Voegelin "Die politischen Religionen" , Wien, 1938 sowie Michael Ley und Julius Scoeps, Hrsg. "Der Nationalsozialismus als politische Religion". Philo Verlag, 1997; (9) Sünner a.a.O., S. 214 f; (10), Jochen Kirchhoff "Nietzsche, Hitler und die Deutschen. Die Perversion des Neuen Zeitalters". edition dionysos, Berlin, 1990; (11) Heinrich August Winkler, "Der Weg in die Katastrophe", Bonn, 1990, S.194 ff, zitiert bei Burleigh a.a.O., S.810; (12) George Orwell "Mein Kampf" , New English Weekly, 21.3.1940, zitiert bei Burleigh, a.a.O. S.311; (13), Zitiert bei Sünner a.a.O., S.103; (14) "Wahrnehmung der Neuzeit", dtv, München 1983. Hier insbesondere der Beitrag "Ein Brief über den Nationalsozialismus" aus dem Jahr 1952; (15), Rüdiger Sünners TV-Film (ARTE und WDR 1998) gleichnamiges Sachbuch: "Schwarze Sonne", 1999, Herder; Harald Strohm "Die Gnosis und der Nationalsozialismus", Suhrkamp 1997; (16) Als Beispiel Jan van Helsings zeitweilig indiziertes Buch "Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert", Meppen, 1993; (17) Hans-Jürgen Lange "Weisthor", Arun, 1998, S.276 ff); (18) Sünner a.a.O. , S.103 ff; (19) Sünner a.a.O. , S.141 ff, (20), Gustav Seibt "Kein schöner Land", 2.11.00 Ulrich Wickert "Deutschland auf Bewährung", Hoffmann und Campe,1997; (21) Gustav Seibt "Kein schöner Land", 2.11.00, Kursbuch 141, Sept. 2000, "Das gelobte Land"; (22) Spiegel 45/1999; (23) Burleigh a.a.O., S. 297; (24) Rudolf Bahro "Logik der Rettung", Stuttgart/Wien, 1987

Ergänzende Zitate zum Thema
Z1 "Mit ’kultureller Identität wird ein menschliches Grundbedürfnis der Identifizierung und Zugehörigkeit angesprochen, das die so genannten Intellektuellen gerne überspielen. Doch gerade einfachere, oft wahrhaftigere, weil stärker auf die elementaren Tatsachen des Lebens verwiesene Menschen können und wollen jenes Grundbedürfnis nicht zurückdrängen." Johannes Heinrichs, "Sprung aus dem Teufelskreis", Verlag Vita Nuova, o.J., S. 262
Z2 "Unsere Gegner irren sich grundsätzlich, wenn sie uns als Partei der Wirtschaftspartei, den Demokraten oder den marxistischen Parteien gleichsetzen. Allen diesen Parteien fehlte die Seele, das geistige Band. Adolf Hitler kam mit einer politischen Religion". SA Standarte 81, Hessisches Hauptsstaatsarchiv, Wiesbaden, Az. 483/2190.
"’Es gibt eine höhere Bestimmung, und wir alle sind nichts anderes als ihre Werkzeuge (aus einer öffentlichen Hitlerrede am 31.3.1938). Jede von Hitlers Reden nach dem 12.3.1938 war auf diese Weise von pseudoreligiösen Elementen durchsetzt" (Burleigh "Die Zeit des Nationalsozialismus - eine Gesamtdarstellung", S. Fischer Verlag, 2000, S. 322) "Der Glaube war das Einzige, das uns aufrecht erhalten hat. Der Glaube an Deutschland, der Glaube an die Reinheit unseres Volkes und der Glaube an unseren Führer. Heilig war unser Kampf und heilig unser Sieg. Eines Tages wird die Welt erkennen, dass das Reich, das wir mit Blut und unter Opfern errichtet haben, dazu bestimmt ist, der Welt Frieden und Glück zu bringen". Zitiert bei Theodore Abel: "Why Hitler came into power", Cambridge, Mass.,1986, S. 218
Z3 "Wir glaubten damals, zu neuen höheren Werten zu gelangen. Galt es doch, den Materialismus und Egoismus des Einzelnen zu bekämpfen bzw. zurückzudrängen. Dass es hierbei zu einer Umkehr der Werte kam, dass man immer weiter vom Humanismus abrückte, wurde mir damals noch keineswegs klar." Aussage eines ehemaligen Mitglieds einer SS-Einsatzgruppe bei seinem Prozess im Jahr 1962, zitiert bei Burleigh a.a.O., S.709
Z4 "(Es) wird meist übersehen, dass (im New Age,) in dieser breiten religiösen Strömung der Selbstvergötterung, die faschistische Ideologie wiederauflebt ... Es ist die Esoterik selbst, von Anfang an und in ihrem Kernbestand, die sich mit Grundauffassungen rechtsextremistischen Denkens deckt." Peter Kratz in "Psychologie heute", Juli 1997
Z5 Johannes Heinrichs, Nachfolger von Rudolf Bahro an der Berliner Humboldt-Universität, bietet eine versöhnliche Alternative und Klärung im Rahmen der unglücklichen Diskussion um eine Leitkultur: "Zwischen der gastgebenden Kultur und der gastrechtnehmenden Kultur besteht kein Verhältnis der Über- und Unterordnung, sondern ein Verhältnis des Umfassenden und des Eingeschlossenen ... Vor allem besteht kein Wertungsunterschied ... wohl aber bestehen unterschiedliche Rechte und Pflichten ... (Einwanderer) können ihre eigene Kultur pflegen, jedoch als Gast auf dem Sockel der allgemeinen (deutschen) Sprache und Kultur ... Die USA mit ihrer Art von multikultureller Gesellschaft haben dies vorgelebt und als letztere ist sie die (in diesem Punkt) am weitesten entwickelte." Quelle: "Gastfreundschaft der Kulturen. Multikulturelle Gesellschaft in Europa und deutsche Identität", Verlag Die blaue Eule, Essen,1994.
Z6 Einblicke in die Esoterik der SS-Welt gibt Ulla Berkéwicz in ihrem Roman: "Engel sind schwarz und weiß". Eine expressive Beschreibung der seelischen Entwicklung eines jungen Mannes zum überzeugten Nationalsozialisten. Suhrkamp TB, 1992.
Im Zusammenhang mit dem empörten Aufschrei der deutschen Kulturkritik auf Ulla Berkéwiczs Buch verfasste der Psychonalytiker Tilman Moser eine entlarvende Dokumentation und Streitschrift: "Literaturkritik als Hexenjagd", Piper TB 1994. "Die Abwehr einer vertieften Auseinandersetzung mit dem Thema des "emotionalen Nationalsozialismus" und seinen mythischen und pseudoreligiösen Aspekten wird (hier, d. V.) mit den Mitteln der Literaturkritik betrieben ... Eine merkwürdige Giftigkeit zieht sich durch viele Texte, so als müssten die Rezensenten sich einem krankmachenden Sog entziehen, der nur durch heftigste Gegenwehr eingedämmt werden kann."
Z7 "Es geht um das Aufzeigen von Grundalternativen und Wertentscheidungen zur deutschen Identität. In der Philosophie ist sie durch die Wortpaare Klarheit und Tiefe, Rationalität und Intuition, Intellektualität und Spiritualität gekennzeichnet. Diese fruchtbare Spannung durchzuhalten, das kann in diesem Zusammenhang ’typisch deutsch genannt werden." Heinrichs, a.a.O. "Gastfreundschaft der Kulturen", S. 78 f.
Z8 Brauchbare Bausteine, um authentische Spiritualität von okkultem Missbrauch mit Hilfe von nachvollziehbaren Kriterien unterscheiden zu können, liefern Ken Wilber u.a.: "Meister, Gurus, Menschenfänger: Über die Integrität spiritueller Wege", Krüger, 1985
In den USA und anderen westlichen Ländern ist bei einer wachsenden Bevölkerungsgruppe eine neue Haltung zu beobachten, die spirituelle Wahrnehmung mit nüchterner Weltbetrachtung verbindet. Quelle: "Innen und außen zugleich im Blick - die Kulturell Kreativen", Frühjahr 2001, Startartikel der "Mediengruppe Kulturell Kreative", Zusammenschluss von derzeit neun Zeitschriften (siehe in dieser Ausgabe von Hagia Chora Seiten 10/11)
Zu Vision und Konzept einer Integration von prärationalen (auch mythisch-religiösen) und rationalen Erkenntniswegen in ein transrationales oder integrales Bewusstsein siehe u.a. die Arbeiten des Schweizers Jean Gebser, "Der unsichtbare Ursprung: Evolution als Nachvollzug", Walter, 1970, des Inders Aurobindo Ghose "Das göttliche Leben", Hinder+Deelmann, und des US-Amerikaners Ken Wilber "Eros, Kosmos, Logos - Eine Vision an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend" Krüger, 1996.