Pentagonale Energiestrukturen

von Georg Thurn-Valsassina , Helmut Seifert , Ingeborg M. Lüdeling , Linus Maeder erschienen in Hagia Chora 6/2000

In Hagia Chora 3/1999 stellte Siegfried Prumbach einen den Globus umhüllenden Dodekaeder aus 12 Fünfecken vor, das aus Energieleitbahnen gefügt sein soll, die den "Sphärenklang der Geistsphäre auf dem Globus verorten". In Hagia Chora 4/99/00 entspinnt sich eine offene Diskussion zu diesem Konzept.

Erde hinter Gittern
Ingeborg M. Lüdeling
Gefühle und Stimmungen sind mit Worten nur schwer allgemeinverständlich zu beschreiben - ist dies eine Folge der unterschiedlichen Wahrnehmung und Sprache von Mann und Frau? So ist leider das Grundsätzliche an meiner Warnung, Gaia nicht einzukerkern, von Herrn Brönnle nicht richtig verstanden worden. Unter einem Gitter verstehe ich eine feste, starre und regelmäßige Struktur, ein Netzwerk ist dagegen eher weich, flexibel und unregelmäßig. Netze dienen dem Fangen, Gitter dem Absperren. Gerade zu dem Netzgeflecht auf dem Omphalos von Delphi schreibt Nigel Pennick: "Die bisher freien Energien der Erde (.) an einem zentralen Ort zu fixieren, stellt den Wandel vom weitläufigen, weltweiten Heiligtum der Mutter Erde zum zentralisierten, geomantisch bestimmten Tempel des Sonnengottes dar. Diese Umwälzung (.) markierte die Abwendung zumindest eines Teils der Menschheit von der unmittelbaren Gemeinschaft mit der Erde. (...) Die Muster symbolisierten die Einspannung der Energien des Ortes." Es wird hier deutlich, dass der Omphalos - als sichtbares Zeichen des damals aufkommenden Patriarchats - die zügellos in Freiheit lebende Gaia an den Ort fesseln sollte. Die auf der Erde kleinräumig vorkommenden, natürlich regelmäßigen Strukturen (Kristalle, molekularer Aufbau des Wassers) haben nichts mit den Gitter- und Netzstrukturen der Geomanten zu tun. Kristalle wachsen von innen nach außen. Sie sind innen gefüllt, in ihren Gittern kann niemand gefangen gehalten werden. Geomantische Gitterstrukturen, besonders, wenn es sich um globale Systeme handelt, werden zunächst durch Gedankenkräfte geschaffen. Sie können sich nicht selbst aus kleinräumig natürlich vorkommenden Strukturen entwickelt haben. Denn in der Natur bleiben regelmäßige Strukturen entweder kleinräumig begrenzt oder werden im Größeren unregelmäßig - das ist eine immer wieder beobachtete Gesetzmäßigkeit. Schon immer war bekannt, dass Gedanken Formen schaffen. Normalerweise lösen sich diese schnell wieder auf. Formen, die formelhaft immer wieder neu belebt werden, werden sich hingegen irgendwann in der Materie manifestieren. Ich möchte aber mein Leben weder hinter Gittern, noch eingefangen in Netzen verbringen und glaube, dass die meisten Menschen genauso denken. Der Geomant, der Gitter oder Netze um die Erde wickelt, sollte daran denken, dass er damit sowohl Milliarden von Menschen als auch alle anderen Wesen einwickelt, die unsere Erde bevölkern. Und - dies erscheint mir noch wesentlich wichtiger zu sein - was geschieht mit den transzendenten Welten und deren Bewohnern? Werden diese unter Umständen durch die Gitter an den Fels der Materie geschmiedet? Die Einkerkerung der Erde ist ein Vorwurf, den ich nicht ausschließlich Herrn Prumbach mache. Er steht lediglich für einen Denkanstoß, den ich an die Adresse der meist männlich geomantischen Gitter- und Netzproduzenten richte.

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