Bürgerinitiative für den Krösselberg

Geomantie-Gruppe trug zum Engagement der Bürger bei

von erschienen in Hagia Chora 7/2000

Von Anita Stassen
In der Ausgabe 6 von Hagia Chora berichteten Susanne Winkelmann und Ulrich Fischer unter dem Aspekt von Geomantie und Naturschutz über den Krösselberg im Meißnervorland - den Berg der Sonne. In dem Bericht wird die BürgerInnen-Initiative vor Ort erwähnt, die sich für den Erhalt des Berges und somit gegen den drohenden Gipsabbau einsetzt. Als Mitfrau der Initiative und Brückenbauerin zur Geomantiegruppe möchte ich schildern, was in der Zwischenzeit geschah, denn es ist bereits über ein Jahr her, seit die StudentInnen der Fachausbildung Geomantie und Landschaftsgestaltung der Schule Hagia Chora unter Leitung von Johanna Markl hier am Krösselberg gearbeitet haben.
Als jüngste Entwicklung ist die Einleitung eines Bürgerentscheids zu nennen. Dem Entscheid muss ein Bürgerbegehren vorausgehen. Zu diesem Zweck sammelten die InitiativlerInnen Unterschriften von den wahlberechtigten BürgerInnen der Gemeinde Meißner. 821 Unterschriften konnten am 21.9.2000 dem zuständigen Bürgermeister übergeben werden. Notwendig wären nur 300, also 10% gewesen. Die Resonanz der Bevölkerung war somit sehr erfreulich. Sofern die rechtlichen Voraussetzungen stimmen - und die haben wir durch Kenner der Materie vorher gründlich geprüft - muss jetzt die Gemeinde die weiteren Schritte zum Bürgerentscheid einleiten und den Urnengang durchführen. Die Bürgerinitiative wird die Zeit bis zum Entscheid verstärkt für Öffentlichkeitsarbeit nutzen, denn für einen Erfolg ist jetzt die Mehrheit der Abstimmenden, mindestens das Ja von 25% der Stimmberechtigten erforderlich. Das Gemeindeparlament könnte bereits heute aufgrund der beeindruckenden Unterschriftenmenge erklären: Lassen wir den Gipsabbau - die BürgerInnen wollen ihn nicht (solche Beispiele gibt es in Hessen bei jedem siebten Bürgerbegehren); doch hier ist das leider nicht in Sicht. Im Gegenteil, die Messer werden schon gewetzt.
Soweit die Entwicklung in der Gemeinde Meißner, der ca. zwei Drittel der Krösselbergflächen gehören. Viel positiver verläuft das Geschehen in der Nachbargemeinde Berkatal, die allerdings nur mit einem Drittel der Ländereien betroffen ist, aber den Abbau ortsnäher ertragen müsste. Hier hat sich seither sukzessive ein klares Nein aller Parteien des SPD-geführten Parlaments herausgebildet.
Neben der Präsenz der Bürgerinitiative mit Informationen bei mehreren Dorffesten war zu Beginn des Jahres an drei Wochenenden das Entbuschen des Trockenrasens auf dem Krösselberg angesagt - eine Maßnahme, die der Pflege des Berges diente und die wieder Luft machte für bessere Schafbeweidung und die typische Magerrasenflora und -fauna. Die verbrennenden Wacholderzweige versprühten ihre "Sonnen"-funken, ihr würziger Rauch brachte Kraft und Vertrauen bei jedem Atemzug - so empfand ich es.
Zum Schluss meines kleinen Rückblicks bekenne ich, dass ich und mit mir viele andere, welche die Geomantiegruppe erlebt haben, sehr froh und dankbar für ihr Wirken hier sind. Meine Sensibilität für den Berg hat sich erhöht, der Blick und alle anderen sinnlichen Wahrnehmungsmöglichkeiten haben sich erweitert. Vor allem ließ ich mich ermutigen, "nicht negativ und ängstlich gleichermaßen unter der zerstörerischen gedanklichen Kraft der Abbauabsichten" (Zitat aus "Berg der Sonne") diesem freundlichen Berg zu begegnen, sondern ihm das zu spiegeln, was er verschenkt: Zuversicht, Wärme, Heiterkeit, Lachen und Glück.