Klang
Stein, Gold und Wasser Einklang der Elemente
Das Zusammenspiel zwischen Stein und Wasser fasziniert den Bildhauer Stephan Goedecke und inspirierte ihn zur Entwicklung von Klang-Brunnen, die das Fließen hörbar machen.

Als Bildhauer arbeite ich mit dem Stein, nicht gegen den Stein. Als Freund bewege ich seine Schwere. Die bewegte Schwere wird zur Tiefe, und ich zeige seine Tiefe. Ich bin in Cali in Kolumbien geboren und verbrachte meine Kindheit in der üppigen Natur des Cauca-Tals, wo Anden und Dschungel aufeinandertreffen. Schon in jungen Jahren wurde ich Zeuge faszinierender Naturgewalten. Diese frühe Erfahrung hat mich entscheidend geprägt. Noch immer sind diese elementaren Eindrücke in mir lebendig und wirken als treibende Kraft in meinem künstlerischen Schaffen weiter. Vor der Macht der Natur und ihren Gesetzen habe ich großen Respekt bewahrt. Ich glaube, dass es die Kernbotschaft vieler großer Kulturen der Erde ist, die Naturgesetze kennen zu lernen, zu achten und ihnen auch im Detail liebevoll zu begegnen - dann gibt die Natur uns Menschen alles, was wir brauchen. Um die Tiefe eines Steines zeigen zu können, habe ich mich von mehreren Lehrern und Meistern inspirieren und leiten lassen. An der Alanus-Kunsthochschule in Alfter bei Bonn, wo ich Bildhauerei studierte, war es die Lehre des Begründers der Anthroposophie und Künstlers Rudolf Steiner. Seine Vorstellung vom Mikro- und Makrokosmos und den kosmischen Gesetzen, die sich in verschiedenen Formen manifestieren, hat mein Verständnis von Kunst stark geprägt. Kunst ist für mich ein Mittel, diese Gesetze bildhauerisch umzusetzen. Der Schwerpunkt meiner Arbeit ist es, die ursprüngliche Kraft des Steines zu bewahren und sichtbar zu machen. Bei meinem aktuellen Projekt "Klang-Brunnen" sind Stein und Wasser die wesentlichen Elemente. Der Stein ist einer der ältesten Träger vieler Informationen dieser Erde. Deshalb wähle ich einen Findling für den oberen Teil und eine naturgeformte Steinplatte für den unteren Teil des Klang-Brunnens. Mein Anliegen ist dabei, den Stein während der Bearbeitung als Freund zu gewinnen und ihm ein weiteres Naturelement, das Wasser, anzuvertrauen. Ich versuche die natürlichen Urkräfte dieser scheinbar gegensätzlichen Materialien in eine harmonische Einheit zu bringen. In der Begegnung des Starren und des Fließenden, des Schweren und des Leichten, des Harten und des Weichen entsteht Ein-Klang. Durch die gezielte Aushöhlung des Steins entsteht ein Klang-Körper mit Resonanzraum, der die Bewegung des Wassers auch akustisch verstärkt.
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