Vasati

Renaissance der Geomantie Indiens

von Marcus Schmieke erschienen in Hagia Chora 7/2000

In jüngster Zeit findet Vastu, die vedische Geomantie (auch als Vasati bekannt), über die Fachkreise hinaus zunehmende Beachtung. Dieser Beitrag deckt die historische und philosophische Verbindung des vedischen Wissens mit europäischen Bautraditionen auf.

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Seit Jahrtausenden werden auf der Grundlage des Vastuvidya in Indien
Häuser, Tempel und ganze Städte gebaut. Die altindische Geomantie Vastu beruht auf den Naturgesetzen der Raumenergie, mit deren Hilfe man den Wohnraum in Resonanz mit der Natur und den Bewohnern bringen kann. Die Wissenschaft des Vastu wurde bereits in den frühen Teilen des Rig Veda erwähnt, die über 5000 Jahre alt sind. Beeindruckende Zeugen der Vastu-Baukunst sind die Städte der Indus-Sarasvati-Kultur Mohenjo Daro und Harappa, die vor 5000 Jahren in voller Blüte standen. Die Stadtanlagen und Hausgrundrisse künden davon, dass schon zu jener Zeit Vastu-Prinzipien bekannt waren und angewendet wurden. In Indien werden die Regeln des Vastu in zahlreichen, Jahrtausende alten Schriften wie den Veden, in der epischen und buddhistischen Literatur, aber auch in der Arthasastra, einem Werk über zivile Architektur, den Puranas, Agamas (Architektur und Skulptur) und anderen Texten erwähnt. Daneben sind besonders die so genannten Shilpa-Werke, die wissenschaftlichen Abhandlungen über Architektur, von Bedeutung. Man unterscheidet die nordindische Nagara-Schule, die auf dem Architekten Vishvakarma gründet, von der südindischen Dravida-Schule, die den Lehren Maya Danavas folgt. Ihre Werke Manasara und Mayamatam dürften die bekanntesten Vastu-Texte Indiens sein. Beide beschreiben die Regeln und Gesetzmäßigkeiten, die es im Umgang mit dem Bauland und dem Bauobjekt zu beachten gibt. Sie sind einander inhaltlich und im strukturellen Aufbau sehr ähnlich und geben nicht nur Auskunft über Tempel- und Hausbau, sondern auch über Dorf- und Städteplanung. Darüber hinaus enthalten sie ausführliches Wissen über exakte Proportionen, die für ein energetisch harmonisches Wohngefüge unentbehrlich sind.

Auf dem Weg zu den Wurzeln
In Indien war die Wissenschaft des Vastu weitgehend in Vergessenheit geraten, bis sie 1995 im Rahmen eines großen Kongresses im indischen Parlament wieder zu allgemeiner Popularität gelangte. Heute boomt Vastu in Indien mehr denn je, wobei leider eine Flut von geschäftstüchtigen Pseudoexperten und Scharlatanen das ursprüngliche Wissen fast noch mehr verdecken als in jener Zeit, als Vastu kaum mehr bekannt war. In fünfjähriger, intensiver Forschungsarbeit ist es der deutschen "Veden-Akademie e.V." gelungen, das ursprüngliche Wissen des Vastu zu rekonstruieren, auf die klimatischen, kulturellen und geistigen Bedingungen Europas abzustimmen und dem Geist der Gegenwart entsprechend zu formulieren. In dieser modernen Form wird es auch als Vasati bezeichnet. Wir studierten ein Dutzend Sanskrittexte im Original, z.B. das Mayamatam, Matsya Purana, Viswakarma Vastushastram oder Manushyalayachandrika, und untersuchten, wie das überlieferte Wissen der alten Sanskrittexte in der zeitgenössischen Vastu-Literatur Indiens dargestellt wird - immerhin erschienen dazu seit 1995 mehr als 100 Bücher. Auch Schriften wie die Brihat Samhita von Varahmihira, die den Zusammenhang zwischen Vastu und vedischer Astrologie herstellen, wurden in das Studium einbezogen, um Verbindungen zu Schwesterwissenschaften wie Ayurveda, Astrologie und Musikwissenschaften zu schaffen. Auf Grundlage all dieser Texte wurden acht energetische Grundprinzipien ermittelt, die allen anderen Regeln des Vastu zugrunde liegen. Die Übereinstimmung dieser acht Prinzipien mit den Einsichten großer europäischer Naturforscher wie Viktor Schauberger und Wilhelm Reich führte dazu, sie als kulturübergreifende Wurzeln einer jeden Baulehre anzusehen, an denen sich alle konkreteren Regeln messen lassen. Diese Grundlagenarbeit ergab ein praktisches Instrument, mit dem man die Gültigkeit überlieferten Wissens überprüfen kann. In das System des Vasati wurden nur solche Regeln übernommen, die mit den wissenschaftlichen Grundprinzipien übereinstimmen. Deren Gültigkeit wurde zudem durch einen alternativen, unabhängigen Forschungszugang bestätigt, der auf der vedischen und westlichen Astrologie beruht: Eine Analyse und Bewertung der Planeteneinflüsse und -wechselwirkung im Wohnraum führt zu den gleichen Prinzipien und Regeln wie in der Baukunst. Darüber hinaus begann die "Veden Akademie" eine langjährige Studie über den Zusammenhang zwischen Vasati und der Wohnsituation, deren erste Zwischenergebnisse die Gültigkeit der gefundenen energetischen und astrologischen Grundprinzipien bestätigen. Doch dies ist nicht das erste Mal, dass Vastu-Prinzipien Eingang in die europäische Baukunst finden. So entspricht interessanterweise das Werk "De re architectura" des Römers Marcus Vitruvius dem altindischen Manasara nicht nur inhaltlich, sondern sogar im Kapitelaufbau. Vor 2000 Jahren hat Vitruvius mit seinem zehnbändigen Werk "Über die Baukunst" als Erster eine umfassende Schrift über die ästhetischen, ethischen, ökonomischen und materiellen Grundsätze und Regeln der Architektur geschrieben - offenbar auf der Grundlage des Vastu-Klassikers Manasara. Vitruv sorgte für die Wiederbelebung der antiken Architekturformen und übernahm als einer der Ersten den Worttypus architekton (Baumeister) aus dem Griechischen ins Lateinische, womit er vermutlich für Rom ein neues Berufsbild entwarf. "Über die Baukunst" wurde vor allem im Mittelalter mehrfach übersetzt und war eine wichtige Basis für die Entwicklung der europäischen Baukunst. Seit dem 17. Jahrhundert gilt Vitruv nicht nur als Lehrmeister der Architektur, sondern als Hauptquelle zum Verständnis antiker Bauten und Baukomplexe. In der Renaissance wurden Vitruvs Schriften wiederentdeckt und in italienischer Sprache aufgelegt. Die 1556 erschienene, dritte Vitruvausgabe des 16. Jahrhunderts enthielt Zeichnungen des Architekten Andrea Palladio (1508-1580). Palladio selbst sah Vitruv als seinen Meister. Von seinen eigenen Bauwerken, die seine Auffassung vom römischen Haus mit Tempelfront spiegeln, ist die "Villa Rotonda" bei Vicenza das berühmteste. Mit Vasati, der modernen Form des Vastu, erlebt die uralte indische Geomantie also ihre dritte Renaissance in Europa.

Die richtigen Proportionen
Palladios Bauten zeichnen sich durch eine ungewöhnliche Harmonie aus, die auch schon bei Vitruv zu finden ist. Den Proportionen seiner Gebäudegrundrisse liegt der Goldene Schnitt zugrunde, der sich als Grenzwert des Quotienten zweier aufeinander folgender Glieder der Fibonacci-Reihe ergibt: (1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, ...) : j = 1,618.
In einer Formel lässt sich dieses Verhältnis so ausdrücken: A : B = B : (A + B); ein kleiner Teil steht in dem gleichen Verhältnis zum großen Teil, wie dieser zum Ganzen. Die Proportionen des Goldenen Schnitts kommen in der Natur in organischen Wachstumsmustern vor, besonders häufig bei in entgegengesetzte Richtungen strebenden Spiralen. Offenbar handelt es sich um eine allgemein gültige Grundstruktur der Natur, nämlich der Verbindung sich ergänzender Gegensätze. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sich viele Normgrößen, die uns im täglichen Leben begegnen, den Proportionen des Goldenen Schnitts annähern.
Im Vastu ist der Goldene Schnitt ebenfalls eine bekannte Proportion, die sich z.B. in rechteckigen Gebäuden wiederfindet. Für rechteckige Gebäude gibt es drei grundlegende Proportionen, die gerne verwendet wurden: 1 : 2, 2 : 3 und 3 : 5. Auch diese entstehen durch Division der aufeinander folgenden Zahlen der Fibonacci-Reihe. Ebenso stößt man bei dem zur energetischen Korrektur von Wohnräumen einzusetzenden dreidimensionalen Shri Yantra und dem Meru-Chakra auf diese Proportion, denn diese setzen sich aus neun Dreiecken zusammen, die sich gegenseitig durchdringen und von denen vier nach oben und fünf nach unten weisen. Das größte ist ein so genanntes Goldenes Dreieck. Wenn die Hälfte seiner Grundseite 1 ist, ergeben die anderen Seiten den Goldenen Schnitt. Dieses Goldene Dreieck bildet auch den Schnitt durch die Mittelachse der Cheopspyramide. Neben der Proportion des Goldenen Schnitts spielen im Vastu aber auch Absolutmaße eine entscheidende Rolle. Das Maßsystem im Vastu orientiert sich am Vielfachen der Urzelle des Raumes, indem es jeweils mit Acht multipliziert wird, um zur nächstgrößeren Maßeinheit zu gelangen. Die Urzelle des Raumes ist im Vastu ein Quadrat mit dem als kleinstmöglich angesehenen Rauminhalt. Die Vorstellung entspricht der modernen Physik, welche den Raum als aus winzigen Quadraten zusammengesetzt betrachtet, deren Kanten der so genannten Planckschen Länge entsprechen. Auch in der vedischen Metaphysik ist eine kleinste Länge bekannt, die als Durchmesser eines Elementarteilchens (paramanus) gilt. Fünfmal mit Acht multipliziert, ergibt sich aus der vedischen Elementarlänge das Yava, die durchschnittliche Breite eines "Gerstenkorns". Hieraus lassen sich wiederum durch Multiplikation mit der Zahl Acht die menschlichen Standardmaße (Fingerbreit, Fuß und Armspanne) berechnen.
Die im Vastu üblichen Standardmaße sind:
Unterteilung Einheit Länge
8 Tila 1 Yava 0,375 mm (Gerstenkorn)
8 Yava 1 Angula 3 cm (Fingerbreit)
8 Angula 1 Pada 24 cm (Fuß)
8 Pada 1 Vyama 192 cm (Armspanne)
Die Qualität des Raumes im Verhältnis zur kosmischen Urschwingung wird in den Maßen und Proportionen des Oktogonalsystems des Vastu ausgedrückt. Dieses bezieht die Orientierung des Raumes ein und erlaubt, die Schwingungen des Raumes und seiner Bewohner auf diejenigen des Kosmos abzustimmen. Die Qualitäten des Raumes werden in den sechs Formeln des Ayadi aus dessen primärer Dimension berechnet. Diese kann der Umfang, die Breite, Länge, Höhe oder Fläche sein. Es werden drei Gruppen von Berechnungssystemen unterschieden: erstens das System, das sich auf den Umfang bezieht, zweitens das von linearen Dimensionen, also Höhe, Länge und Breite abhängige System, und schließlich das System, das die quadratischen Dimensionen, die Flächeninhalte, als Ausgang nimmt. Es führt allerdings zu weit, auf die komplexen Berechnungen genauer einzugehen.

Die Eigenschaften des Raumes
Die Urform in der Fläche ist das Quadrat. Es bildet das einfachste Ordnungsmuster des Raumes, kann allerdings zu komplexen Quadratgittern in der Fläche erweitert werden, welche im Vastu als Raster für Grundrissplanungen dienen. Im Raum wird das Quadrat zum Würfel ergänzt, der aus der Sicht des Vastu den vollkommenen Raum bildet, da er alle Energiequalitäten des Kosmos im Gleichgewicht hält. Räume, die aus solchen Würfeln zusammengesetzt sind, bilden einen harmonischen Mikrokosmos, der mit dem Makrokosmos und seinen Energien in Resonanz steht. Die Streckung des Quadrats längs seiner Seiten führt zur Form eines Rechtecks, dessen rechte Winkel wiederum die Bildung eines ähnlich harmonischen Energiefeldes gewährleisten. Die Qualität des Feldes hängt stark von seinen jeweiligen Proportionen ab. Das Verhältnis 1 : 1 des Quadrates steht für das vollkommene Gleichgewicht aller Energien, während andere harmonische Proportionen spezifische Energiequalitäten unterstützen. Ein weiterer Faktor ist die Ausrichtung im Raum. Ein vollständiges Gleichgewicht kann sich nur in einem Quader oder Rechteck ausbilden, dessen Seiten parallel zu den Haupthimmelsrichtungen liegen, denn parallel zu diesen fließen die wichtigsten Energien. Jede Himmelsrichtung kann in seinem Inneren ihre positiven Eigenschaften und Energien optimal entfalten. Die vier Hauptelemente Erde, Wasser, Feuer und Luft bilden ihr jeweiliges Energiefeld in den vier Ecken eines solchen Raumes aus und unterstützen sich gegenseitig in ihrer Funktion.

Das Energiefeld des Raumes
In der Praxis kommen jedoch nicht nur quadratische und rechteckige Räume vor. Vielmehr besitzt ein Haus in der Regel Abweichungen, Erweiterungen oder Fehlbereiche, durch die das Energiefeld verzerrt wird. Neben rechteckigen Grundrissen gibt es noch andere harmonische Formen, die sich als Grundfläche für einen Wohnraum eignen. Hierzu gehört das Achteck, während dreieckige, fünfeckige und andere unregelmäßige Formen zu vermeiden sind. Neben den angesprochenen Proportionen, der Richtung und Orientierung wird die Raumqualität durch die Umgebung, die Materialien, die Öffnungen und die Innenaufteilung bestimmt. Das Energiefeld eines Hauses oder eines Grundstücks unterliegt in erster Linie zwei Energieströmen unterschiedlicher Herkunft, die man Prana und Jiva nennt. Der Ursprung der Prana-Energie liegt in der Sonne und anderen Himmelskörpern; sie kann als kosmische Energie verstanden werden, während die Jiva-Energie organischen Ursprungs ist. Die Prana-Energie fließt vom Norden in Richtung Süden, die Jiva-Energie von Osten in Richtung Westen. Die energetische Situation eines Grundstücks oder Hauses hängt stark von der dynamischen Beziehung dieser beiden Kräfte zueinander ab. Fließen sie harmonisch und in einem ausgewogenen Verhältnis zusammen, so entsteht ein Energiefeld, das die Lebensprozesse fördert, während diese gestört werden, wenn Prana- und Jiva-Energien gegeneinander wirken oder sich in einem starken Ungleichgewicht befinden. Das Zusammenfließen der Jiva- und Prana-Energien kann sowohl auf harmonische als auch auf disharmonische Weise erfolgen. Im ersten Fall verstärken sich die beiden Flüsse gegenseitig, andernfalls löschen sie sich gegenseitig aus oder führen zu einem turbulenten und chaotischen Energiefeld. Die Einheit von Prana und Jiva heißt Leben, während die Störung ihrer Beziehung zu Schmerz, Problemen und Trauer führt.

Fließende Lebensenergie
Der Nordosten ist die Quelle aller Lebensenergie, da sich dort der Fluss von Prana und Jiva optimal verstärkt. Der Nordosten gilt als die Quelle aller Energie, da die positiven Energien als Kombination des nordsüdlichen Jiva-Flusses und des ost-westlichen Prana-Flusses dort in das Energiefeld einströmen. Als Resultat beider Energien weist der energetische Hauptflussvektor aus dem Nordosten in Richtung Südwesten. Diese Diagonale gilt daher als die Lebensachse oder Energiediagonale des Vastu. Beide Ströme zusammengenommen ergeben einen Strom von Lebensenergie, der das gesamte biologische Spektrum umfasst. Der menschliche Körper bedarf beider Teile, um ein ausgewogenes Biofeld aufzubauen. Der nährende, organische Energiestrom der Erde, der aus dem Norden kommt, verleiht dem Körper Substanz, Festigkeit und Ordnung, während die solaren Anteile aus dem Osten ihn mit der nötigen Energie und Vitalität versorgen. Diese beiden Ströme der Lebensenergie fließen senkrecht zueinander, ebenso, wie die Energielinien des Hartmann-Gitters senkrecht zueinander längs der magnetischen Meridiane verlaufen. Das Hartmann-Gitter der Erde steht mit den beiden Energieströmen des Prana in engem Zusammenhang. In einem quadratischen Grundstück fließt die aus dem Nordosten einströmende Lebensenergie in zwei Hauptströmen um das Zentrum herum in Richtung Südwesten. Im Zentrum ist die Flussdichte der Lebensenergie am geringsten und die Energie des Grundstücks am intensivsten. Ein dynamischer Austausch findet dort jedoch hauptsächlich zwischen oben und unten in spiralförmigen Bewegungen statt. Das Grundstück eines Hauses sollte daher nicht verbaut oder mit schweren Gegenständen belastet werden. Am besten befindet sich in der Mitte ein nach oben offener Platz, der dem gesamten Raum Energie zukommen lässt.
In der nordwestlichen und südöstlichen Ecke werden die einfließenden Energieströme umgepolt. Somit unterteilt sich das Energiefeld in zwei dreieckige Bereiche. Die nordöstliche Hälfte besitzt positive Polarität, während der südwestliche Bereich negative Polarität aufweist. Die beiden Bereiche berühren einander entlang der Diagonalen, während ihre energetische Wechselwirkung im Südosten und Nordwesten am stärksten ist. Dort findet eine Umwandlung von Energie positiver Polarität in Energie negativer Polarität statt. Hierbei wird in beiden Ecken Energie freigesetzt, die im Südosten in Wärmepotenzial und im Nordwesten in Bewegungspotenzial umgewandelt wird. Im Südosten des Feldes ist daher das Element Feuer präsent, während in der nordwestlichen Ecke das Luftelement vertreten ist. Im Südosten eines Hauses, Grundstücks oder Raumes sollten sich daher all die Dinge befinden, die mit Feuer, Elektrizität oder Hitze verbunden sind. Dazu gehören sowohl die Küche als auch die Heizung und elektrische Geräte. Der Nordwesten eignet sich hingegen hervorragend für alles, was in Bewegung ist und mit Austausch, Kommunikation und Beziehungen in Zusammenhang steht. Daraus lassen sich nun einige Prinzipien ableiten die für die Gestaltung des Grundstücks bzw. Hauses und des einzelnen Zimmers wichtig sind, um einen harmonischen Energiefluss zu gewährleisten: Schwere Gegenstände und Gebäudeteile sollten im Südwesten platziert werden, da sich mit der Höhe und Schwere das negative Energiepotenzial in dieser Richtung verringert. Dagegen sollte der Nordosten des Grundstücks, eines Hauses oder Raumes offen gestaltet werden. Die positiven Energien können hier noch verstärkt werden, wenn man das Wasserelement in dieser Richtung betont, z.B. durch einen Teich auf dem Grundstück, Wasserquellen oder Wasserbehälter. So werden positive Energien aus der Atmosphäre absorbiert. Fenster im Norden und Osten verstärken den Einfluss lebensfördernder Energien im Haus, während große Fenster im Süden und Westen Energien geringerer Qualität fördern. Im Zentrum des Grundstücks sollten sich ebenfalls keine schweren Gebäudeteile befinden. Am besten gestaltet man diesen Bereich nach oben offen. Interessanterweise haben auch die großen Lebensenergieforscher Europas Viktor Schauberger, von Reichenbach und Wilhelm Reich von zwei Lebensenergieströmen gesprochen, die dem Prana- und dem Jiva-Strom entsprechen. Die Studie des Vereins "Veden Akademie e.V." zum Thema "Chronische Krankheiten und Wohnsituation" gibt bereits klare Hinweise darauf, dass Missachtungen der oben beschriebenen Prinzipien zu Disharmonien im gesundheitlichen, finanziellen und zwischenmenschlichen Bereich führen können. Die Situation des Bewohners widerspiegelt sich also deutlich in seiner Umgebung.

Korrekturmaßnahmen im Vasati
Die erste Maßnahme, die leider selten so einfach möglich ist, besteht im Umzug oder in baulichen Veränderungen. Verhaltensänderungen, Tausch oder Veränderung von Raumfunktionen, z.B. das Verlegen des Schlafplatzes vom Südosten in den Südwesten oder das Verschließen einer Toilette im Nordosten, sind oft unkompliziert durchzuführen. Auch der Einsatz der fünf Naturelemente, von Farben, Spiegeln, Pflanzen, Naturbildern, Edelsteinen, Kristallen, Gewürzen und Kräutern wirkt korrigierend auf raumenergetische Defekte. Die feinstoffliche Reinigung und Korrektur von Wohnräumen durch Klänge ist in vielen Kulturen bekannt. Im Vasati findet sie besondere Beachtung, da die gesamte vedische Kultur auf der Wissenschaft der Klangschwingung aufgebaut ist. Große Teile der Veden handeln von der Wirkung bestimmter Klänge, Melodien (ragas) und Mantras. Zur Harmonisierung der Raumenergien wurde inzwischen eine spezielle Vastu-CD entwickelt. Andere wirkungsvolle Korrekturmittel sind Yantras, farbige Energiebilder. Das Jahrtausende alte Shri-Yantra wird von dem bekannten amerikanischen Physiker Patrick Flanagan als "The King of Power Diagrams" bezeichnet. Seiner Aussage nach besitzt eine drei Zentimeter große, zweidimensionale Zeichnung des Shri-Yantras die gleiche energetische Wirkung wie eine zwei Meter hohe Pyramide. Im Vasati gibt es ein System von Yantras, die den Planeten, den Himmelsrichtungen und den zehn spirituellen Urenergien zugeordnet sind. Ein Vasati-Experte stellt fest, welche Aspekte in einer Wohnung gestört sind und kann die gestörten Energien mit Hilfe des geeigneten Yantras ausgleichen, indem er dies an dem Ort der energetischen Störung an der Wand oder auf dem Boden platziert. Eine besonders wirksame Form der Anwendung von Yantras im Wohnbereich besteht darin, sie als dreidimensionale Pyramiden direkt im Raum aufzustellen. Solche 3-D-Yantras werden zur Meditation, Heilung und Korrektur von Wohnraumenergien angewandt. Hierbei sind vor allem das Meru-Chakra und die Vasati-Pyramide als wirkungsvolle energetische Werkzeuge zu nennen. Vorteil dieser Pyramiden besteht darin, daß sie auch von einem Laien aufgestellt werden können, da ihre Wirkung nicht so sehr von ihrer exakten Platzierung abhängt. Das Meru-Chakra ist die dreidimensionale Form des Shri-Yantras. Seit Jahrtausenden gilt es in Indien als Sinnbild für Glück, Gesundheit und Reichtum. Im Vasati eignet es sich hervorragend, um gestörte Energien im Norden, Osten und Nordosten zu beleben und Energieblockaden in diesen Himmelsrichtungen auszugleichen. Im Nordosten aufgestellt, stärkt es die finanzielle Situation und die Gesundheit der Bewohner. Die ursprünglichen, komplexen geometrischen Maße des Meru-Chakras wurden genau errechnet und mit moderner Computertechnologie millimetergenau in eine Gußform übertragen. Der kunstvolle, mit 24 Karat vergoldete Edelmetallguss aus Silber, Antimon, Kupfer und Zinn genügt in Fertigungsgenauigkeit, Materialbeschaffenheit und Wirkung hohen Ansprüchen. Die Vasati-Pyramide, die die wichtigsten Vasati-Yantras vereint und durch Cheops-Glaspyramiden in den Raum projiziert wird, gleicht vom Zentrum eines Hauses aus die Energien aller Himmelsrichtungen aus und befreit damit die Raumenergie von Spannungen und Disharmonien. Es ist sinnvoll, schon bei der Planung eines neuen Hauses die Grundprinzipien des Vasati zu berücksichtigen. Dies führt zu optimalen Ergebnissen: zu einem Wohngefühl im vollkommenen Einklang mit den Gesetzen der Natur und den Energien des Kosmos und der Erde.

Literatur: Die Kraft lebendiger Räume - Das große Vastu-Buch, Marcus Schmieke, AT-Verlag; Vasati & Ayurveda - Gesund durch Wohnen mit dem modernen Vastu, Marcus Schmieke, Verlag Vedasan, 2000; Die Kraft der Grenzen - Harmonische Proportionen in Natur, Kunst und Architektur, Doczi, György, Verlag Engel & Co, 1996; Architektur und Harmonie, Paul von Naredi-Rainer, Dumont-Buchverlag, 1999; Die vier Bücher zur Architektur, Andrea Palladio, Artemis-Verlags 1993; Baukunst, Vitruv, Artemis-Verlag, 1987

Die zwslf energetischen Grundprinzipien des Vasati
-Die Hauptenergiestrsme der Erde flie§en aus dem Norden und dem Osten in das GrundstŸck bzw. Haus ein.
-Jede RaumflSche wird in eine HSlfte positiven energetischen Potenzials (Nordosten) und eine HSlfte negativen Potenzials (SŸdwesten) unterteilt.
-Jede Seite des Feldes besitzt eine starke und eine schwache HSlfte. Hierbei gilt jeweils die nsrdliche bzw. sstliche HSlfte als der starke Bereich.
-Wasser erhsht das energetische Potenzial eines Sektors; Gewichte erniedrigen das energetische Potenzial; es wird umso mehr erhsht, je mehr Raum in einer bestimmten Richtung sowohl vertikal als auch horizontal zur VerfŸgung steht.
-Ganzzahlige Proportionen erzeugen ein harmonisches Energiefeld.
-Die Einheiten des natŸrlichen Vasati-Ma§systems folgen einem zyklischen energetischen Rhythmus, der durch die Zahl Acht bestimmt wird.
-Der Raum besitzt ein Energienetzgitter mit energetischen SchlŸsselpunkten, das durch seine Begrenzungen definiert wird.
-Der Raum ist in fŸnf konzentrische Ringe mit insgesamt 81 Feldern unterteilt.
-Jede der acht Himmelsrichtungen wird von einem der neun Planeten beeinflusst.
BL Sowohl die einzelnen Aspekte des Wohnraumes als auch die verschiedenen Lebensbereiche werden von der Strahlung der neun Planeten beeinflusst.
BM Die Planeten beeinflussen sich wechselseitig.
BN Entsprechend der individuellen Strahlungsresonanz haben die acht Himmelsrichtungen auf jeden Menschen eine individuelle Wirkung.


Vitruvs Einfluss auf die europSische Baukunst
Vitruv hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der gesamten europSischen Baukunst. Dabei kamen viele grundlegende Vastu-Prinzipien zum Ausdruck:
-Das offene Atrium der rsmischen Stadtvillen. (In den europSischen Renaissancebauten und meist Ÿberkuppelten TreppenaufgSngen von Barockbauten wurde dies wieder aufgegriffen. Im Vastu wird das frei gehaltene Zentrum Brahmastan genannt, es dient dem vertikalen Energieaustausch.)
-Die quadratische Rasterung rsmischer StSdte, Siedlungen und Baugrundrisse.
-Die klassisch symmetrische Aufteilung der Grundrisse.
-Die Bevorzugung ganzzahliger Proportionen und des Goldenen Schnitts.
-Die strikte Orientierung der Bauksrper nach den Haupthimmelsrichtungen.
-Die bevorzugte Wahl von SSulenanordnungen, die schon in den jahrtausendealten Vastu-Schriften erwShnt werden.