Resonanzkörper Haus

Der geomantische Planungsprozeß am Beispiel einer Arztpraxis

von Lars Christoph erschienen in Hagia Chora 7/2000

Mit diesem Artikel möchte der Geomant Lars Christoph einen Weg zeigen, wie im Planungsprozess geomantische Prinzipien berücksichtigt werden können. Er soll als Anregung dienen und Mut machen, Planungen unserer gebauten Umwelt so ganzheitlich wie möglich zu begreifen.

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An den Anfang möchte ich meine Beweggründe für diese Arbeit stellen - ich möchte mein Tun in Beziehung zu universellen Gesetzmäßigkeiten und Wirkprinzipien setzen. Verbunden damit ist eine Verantwortung für unser Wirken in der Natur. Sich dies bewusst zu machen, ist untrennbar mit einem eigenen spirituellen Erkenntnisweg verknüpft. Dabei bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass wir unsere spirituellen Wurzeln aufsuchen sollten, auch wenn mitunter dieses Wissen aus der Verborgenheit geholt werden muss - gemäß dem geomantischen Prinzip, dass das, was ein Ort hervorgebracht hat, auch dort die meiste Kraft entwickelt. Dieses Prinzip wirkt auf allen Ebenen, von den Heilkräutern bis zur Religion. Wollen wir die zeitlosen Wirkmechanismen des Seins begreifen, erkennen wir uns selbst. Dieser Weg ist mitunter kein leichter und führt immer wieder zu Pforten, die durchschritten werden wollen. In diesem Zusammenhang ist es für mich schwer verständlich, wie Geomanten "aus der Ecke der Esoterik" herauszukommen versuchen. Nur wenn wir diese Wurzeln wieder aufgreifen, können wir unser Tun und Schaffen mit dem Transzendenten in Verbindung bringen. Wenn wir nämlich Mensch und Natur immer feiner und "objektiver" ausmessen, heißt das für mich, genauso abgelöst und einseitig weiterzumachen, wie wir das schon seit viel zu langer Zeit praktizieren.
Ich denke, so ziemlich jedes Vorgehen beim Untersuchen eines Ortes ist legitim, und gerade diese Vielschichtigkeit macht ja die Herausforderung der sich neu entwickelnden Geomantie aus. Jedoch spielt auch hier der Focus des Betrachtenden die zentrale Rolle. Unsere Beobachtungsweise bestimmt die Wirklichkeit, die wir wahrnehmen. Verändern wir das Wie, verändern wir das Was. (Die Implikation des Beobachtereffektes ist auch ein Hauptlehrsatz der Quantenphysik).

Beispiel einer Planung
Ich möchte an einem praktischen Beispiel aufzeigen, wie Geomantie in den Planungsprozess integriert werden kann. Es handelt sich um den Neubau einer Arztpraxis mit Schwerpunkt Naturheilverfahren. Das Grundstück ist relativ schmal, öffnet sich nach hinten trompetenförmig und ist sehr wild verwachsen. Bei einer ersten Begehung hatte ich das starke Gefühl, dass hier Energien und Naturwesen anwesend sind, welche sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer mehr zurückziehen mussten. Im ersten Moment stellte sich für mich die Frage, ob hier überhaupt etwas passieren sollte. Daraufhin habe ich den Ort mehrfach um Erlaubnis gebeten und eine positive Antwort erhalten mit dem Hinweis, behutsam vorzugehen, die Wesenheiten einzubeziehen und ihnen Möglichkeiten des Rückzugs bzw. Umzugs zu geben. Das ist gut umsetzbar, da der Bauherrin und ihrem Mann diese Thematik vertraut ist. Auch die geplante Nutzung ist geeignet, mit dem Ort im lebendigen Kontakt zu bleiben. Dies wird verstärkt durch die geplante Einbeziehung der Erdenergien, wie unterirdische Wasserverläufe oder Gitternetze. Durch Gestaltung im Außenbereich (z.B. Steinsetzung oder Erdwerke), aber auch im Innenraum (wie Einrichtung, Farben) sollen diese Kräfte aufgegriffen werden. Der ursprüngliche Naturraum bleibt größtenteils erhalten, da das Gebäude nur bis zur Hälfte der Grundstückstiefe reicht.

Zum Entwurf
Vorgabe war, dass in Anlehnung an die Bebauung der Umgebung (Einfamilienhäuser) wesentliche Elemente wie Dachneigung, Traufhöhen und Firstausrichtung aufgegriffen werden. Aus diesen Vorgaben heraus, aber auch aus Überlegungen der inneren Gliederung habe ich durch einen gesonderten Baukörper das Sprechzimmer vom Haupthaus abgelöst - als Holzbau mit begrüntem Flachdach. Der dritte Baukörper ist der kleine, vorn angesetzte Windfang. Damit habe ich eine Dreiheit geschaffen, die ich immer wieder aufgegriffen habe, sowie eine Gliederung mit erlebbaren Schwellen und Pforten.
Anknüpfend an die heilige Geometrie und die Entwurfsprinzipien der frühen Baumeister habe ich versucht, klare Proportionen zu schaffen, welche einer gemeinsamen Idee folgen. Ein Gebäude sollte schwingen oder klingen, Resonanzkörper sein - Empfänger, Verstärker und Sender. Das ist für mich ein wichtiger Ansatz beim Planen. Die Grundflächen der drei Gebäudeteile stehen im Verhältnis 1 : 3 : 27 zueinander. Für die Verhältnisse der Raumabmessungen habe ich ausschließlich ganzzahlige Verhältnisse gewählt, welche musikalische Proportionen aufgreifen: Dabei beschränkte ich mich auf Oktave (2 : 1), Quarte (3 : 4) und große Terz (4 : 5). Hieraus ergeben sich die drei Zahlen Drei, Sieben und Neun. Erstere steht für die drei Wandlungsphasen der großen Göttin - in allen Kulturen verbunden mit dem Begriff für Zeit und Veränderung. Die Sieben verbindet die Zahlen Drei und Vier, wobei letztere den Raum strukturiert. Die Sieben ist zudem eine Zahl der Zyklen - sieben Wochentage, sieben Jahre und die sieben Chakren. Die Neun greift durch die Potenzierung der Drei deren Qualität auf und schafft gleichzeitig eine neue Dimension. Die Diagonalen des Haupthauses ergeben genau die Urmatrix, eines der wenigen archaischen Urzeichen, die uns schon in den Felszeichnungen der steinzeitlichen Höhlen begegnen. Sie ergibt sich aus der Verbindung der Sonnenauf- und -untergangspunkte. Das Zeichen besitzt ähnlich wie die Spirale oder das Y eine stark vitalisierende Kraft und stellt gleichzeitig das Haus in Beziehung zu den Himmelsrichtungen und deren universellen Kräften.
Für meine Arbeit stellen die Bezüge zu den vier oder acht Himmelsrichtungen das Grundgerüst dar, zum einen, da es über unerschöpfliche Dimensionen verfügt, in der Lage ist alles zu integrieren - und zum anderen bei der geomantischen Diagnose und Gestaltung ein sehr praktikables Handwerkszeug ist. In unseren Breitengraden korrespondiert diese Urmatrix auch noch mit dem pythagoräischen Dreieck - einem alchemistischen Gleichnis mit ganz besonderen Qualitäten. Im Zusammenhang mit den vorhin beschriebenen Schwellen habe ich die Räume so angeordnet, dass der Fluss der Chakrenenergien gewährleistet ist; die Inneneinrichtung kann dies weiter bestärken.

Die Baustoffe
Wie soll sie aussehen, unsere dritte Haut, mit der wir uns mehr denn je umgeben, mitunter in 90 Prozent unserer Lebenszeit? Ich meine, sie sollte uns mit einer breiten Palette natürlicher Energien versorgen und gegen künstliche Stahlung schützen. Es werden nach wie vor für viel Geld Häuser gebaut, dabei können mit einfachen Mitteln und preiswert kraftvolle und vitale Gebäude geschaffen werden. Es ist mir wichtig, möglichst naturnahe Baustoffe zu verwenden, insbesondere Materialien zu haben, die keine oder nur geringfügige Veränderung erfahren haben - umso unverfälschter und kraftvoller sind ihre Schwingungsfelder. Hervorragend eigenen sich Holz und Lehm, aber auch Naturstein, gebrannter Ziegel, Kalkschotter, Kalkputz oder Dämmstoffe wie Hanf, Flachs, Schafwolle oder Zellulose. Alle Baumaterialien, deren innere Struktur verändert wurde und die dadurch über naturfremde Substanzen verfügen, wirken mehr oder weniger deviatisierend. Dazu gehören alle Kunststoffe, wie Kunstharzfarben, Dämmstoffe, aber auch Beton oder PVC. Vom blauen Engel oder staatlich abgesegneten Grenzwerten sollte man sich allerdings nur bedingt beeindrucken lassen. Diese sind einfach aus einem völlig anderen Geist geboren und legen andere Kriterien zu Grunde. Naturbelassene Baustoffe haben noch viele andere lebensfördernde Eigenschaften. Dazu zählen die sogenannte Atmungsaktivität, eine ausgewogene Luftfeuchtigkeit und Luftionisation bis hin zu unseren Wahrnehmungen wie Geruch, Anfühlen oder Aussehen. Ich habe für das Haus eine Holzständerbauweise gewählt - mit einer Dämm- und einer Wärmespeicherebene (Lehm) und einem Lehminnenputz. Die Fußböden sollen mit geöltem Holz oder Naturstein ausgeführt werden. Auf Stahlteile wird verzichtet, weil Metalle Schwingungsenergien der Erde verfremden können und somit ungewollte Abschirmungen oder Störzonen erst hervorrufen. Die Haustechnik ist noch ein Thema für sich. Hier nur kurz zwei Kriterien: kurze Leitungswege und Schlafplätze frei halten. Die Heizung ist eine sehr persönliche Entscheidung. Ich plädiere für Strahlungswärme und Holzfeuer. Hier haben wir uns für einen zentralen Lehmgrundofen zur Holzfeuerung im Wartebereich und einer Warmwasser-Gasheizung zur Grundversorgung entschieden.

Im Ganzen
Diese Hinweise aus der Ecke der Baubiologie waren sicher nichts Neues. Für mich ist jedoch die Beurteilung aus der Sicht der Geomantie wichtig, was eine andere Bewertung der Baustoffe bedingt. Es geht nicht in erster Linie um ästhetische Kriterien, sondern darum, feinstoffliche Kräfte auszugleichen - die Energien der Himmelsrichtungen in Balance und Fluss zu bringen und ein dynamisches Gleichgewicht zu schaffen. Die Baustoffe sollten dabei auch mit den Qualitäten des Ortes korrespondieren. Gleiches gilt auch für die gesamte Gestaltung - sie wird so ästhetisch empfunden, wie sie energetisch kraftvoll wirksam ist. Bauwerke unserer Vorfahren zeigen uns: Primäres Anliegen war, die Energien ausgewogen und spannungsreich zu leiten, zu filtern und zu verstärken. Genau das bedeutete auch die zeitloseste und schönste Gestaltung.
Soweit ein kleiner Einblick, wie ein geomantischer Planungsprozess aussehen kann. Die angeführten Beispiele sollen stellvertretend dafür stehen, mit welcher Denk- und Vorgehensweise in Zukunft vermehrt gebaut werden sollte. Durch die Geomantie ist hier der Begriff "ganzheitlich" um eine Dimension erweitert worden. Auch beim ökologischen Bauen geht es nicht nur um ein pragmatisches Vorgehen, sondern um ein tieferes Verständnis für Mensch, Ort und Haus: Mit dem Herzen sehen.