Bruder Baum

Holz als idealer geomantischer Baustoff

von Herwig Ronacher erschienen in Hagia Chora 7/2000

Architektur hat viele Aufgaben zu erfüllen. Für den Architekten Herwig Ronacher ist es eine ihrer vornehmsten, Formen der Harmonie zu erschaffen, die das Bild der Natur erhöhen. Als Spezialist für Holzbauten plädiert er für eine tiefgreifende Besinnung auf den natürlichen Rohstoff, dessen Vorzüge er nicht nur aus ökologischer und baubiologischer Sicht schildert. Vor allem für geomantisches Bauen empfiehlt er Holz als idealen Werkstoff.

Die Zeitenwende ist da. Wenn wir verinnerlichen, was es bedeutet, dass wir "auch an dem Tag, an dem Sie diese Zeilen lesen, wieder: 100 Tier- und Pflanzenarten ausrotten, 20000 Hektar Wüste zusätzlich produzieren, 86 Millionen Tonnen fruchtbaren Boden durch Erosion zerstören, 100 Millionen Tonnen Treibhausgase produzieren"(Franz Alt)1, dann liegt wohl die einzige Chance der Menschheit, zu überleben, darin, dass auf allen Gebieten ein Umdenkprozess einsetzt, vor allem aber die entsprechenden Taten erfolgen. Für das Bauen bedeutet dies einerseits die sofortige Umsetzung der solaren Energiewende, etwa nach dem Europaszenario für 2050, nach welchem in 50 Jahren 95 Prozent der Energie aus Sonnenkraft, aus Biomasse, aus Wind und aus Wasser kommen sollen. Zum zweiten müssen endlich vermehrt ökologische Materialien zum Einsatz gelangen.

Holz, das ökologische Material
Der Baustoff Holz bringt die besten ökologischen Voraussetzungen mit. Bauen mit Holz ist aus gesamtheitlicher Sicht anderen Bauweisen vorzuziehen. Dafür sprechen wirtschaftliche, volkswirtschaftliche, baubiologische, wohnphysiologische, statische, ökologische und nicht zuletzt geomantische Gründe. Um aber dem Holz die Chance zu geben, der Baustoff des neuen Jahrhunderts zu werden, sollten wir uns einiger Fakten bewusst sein: Stahl, Stahlbeton und Ziegel binden im Zuge ihrer Herstellung Sauerstoff und setzen große Mengen an CO2 frei. Holz hingegen ist ein CO2-neutraler Baustoff. Während des Wachstumsprozesses hat ein Baum, um eine Tonne trockene Holzmasse zu liefern, der Atmosphäre 1,5 Tonnen CO2 entzogen und 1,1 Tonnen Sauerstoff erzeugt. Selbst wenn Holz verbrannt wird, ist es immer noch CO2-neutral2. Gelingt es, größere Mengen an Holz im Bauwesen einzusetzen, wird CO2 gespeichert - es bleibt für die Lebensdauer eines Hauses der Atmosphäre entzogen, was dem Treibhauseffekt entgegen wirkt. Auch der Energieeinsatz spricht eindeutig für Holz. Er ist beim Beton- und Ziegelbau etwa doppelt so hoch wie beim Holzbau. Um die Bedeutung von Holz in seiner gesamten ökologischen Tragweite zu erkennen, müssen wir noch eine tiefere Dimension betrachten, nämlich die Bedeutung des Waldes für unsere Gesellschaft. Viktor Schauberger bezeichnete den Wald als "Kraftzentrale für die gesamte umgebende Landschaft." Er betrachtete jeden Baum als einen "energiegeladenen Körper", in dem eine Reihe komplizierter Prozesse ablaufen, wobei auch Energie an die Umgebung abgegeben wird. "Diese Energie - die waagrechte Bodenstrahlung - die auch von den natürlichen Wasserläufen ausgesendet wird, ist nicht nur eine Urquelle für das Pflanzenwachstum, sondern trägt auch zum Aufbau des Grundwassers bei."3 Wir verfügen heute in Mittel- und Nordeuropa über einen enorm hohen Waldbestand, nutzen aber nur zwei Drittel dieser nachwachsenden Ressource.

Hier können Sie einen neuen Kommentar zu diesem Artikel verfassen





Bitte lösen Sie die untenstehende Rechenaufgabe und tragen Sie das richtige Ergebnis ein. Sie helfen damit, den Missbrauch dieses Online-Formulars und Spam zu verhindern. Herzlichen Dank.

sieben minus vier =