Architektur als Spiegel der Zeit

Neun Punkte für einen Bewusstseinswandel in der Architektur im neuen Jahrtausend

von Georg Thurn-Valsassina erschienen in Hagia Chora 7/2000

Eine Neubesinnung in der Architektur fordert Georg Thurn-Valsassina, der durch eine Reihe von geomantischen Bauwerken international bekannt geworden ist. Statt selbstverliebt einer Abfolge purer Moden zu huldigen, meint er, solle die Architektur die Herausforderung annehmen, dem modernen Menschen bei der Gestaltung seiner zeitgemäßen Heimat langfristige Orientierung zu geben.

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Man sagt, jede Gesellschaft hat die Architektur, die sie verdient.
Sind Architekten Lakaien ihrer Bauherren? Sind Architekten die Visionäre einer neuen Gesellschaft? Oder sind sie Erfüllungsgehilfen einer mächtigen Baulobby? Sind sie Proponenten des technischen Fortschritts? Ist Architektur immer noch der Gipfel der Künste, wie es in der Renaissance postuliert wurde, oder stellt sie nur mehr Strukturen zur Verfügung, die dann beliebig aufgefüllt werden, weil sich die Bedürfnisse so schnell wandeln, dass jede Festlegung eine Einschränkung darstellt? All die Fragen können mit einem Ja beantwortet werden, wenn wir unter den Tätigkeitsbereich der Architektur das gesamte Baugeschehen subsumieren. Wenn wir uns allerdings darauf beschränken, Architektur mit Baukunst gleichzusetzen, und nicht zustimmen, dass alles Kunst ist, was mit Gestaltung zu tun hat, so nähern wir uns einem Ideal von Architektur, wie es die Geschichte geprägt hat. Der Zeitgeist, dem viele Architekten frönen, will sich seiner Wurzeln entledigen. Vor allem junge Architekten haben die Tendenz, ihre geistigen Väter zu negieren. Heutige Schlagwörter sind: Kreativität, Innovation, Originalität, Abstraktion und Minimalisierung. Wie kommt es, dass die Produkte dieser Haltung so kurzlebig sind - bei ihrem Erscheinen gefeiert, nach drei Jahren vergessen, nach zehn Jahren überholt wirkend und nach zwanzig Jahren freigegeben für den Abriss? Das prominenteste Beispiel dafür ist das Centre Pompidou in Paris, dessen Restaurierung und Umbau ein Vielfaches der Erstellungssumme kostete. Der Abriss wurde als Alternative zur Restaurierung diskutiert. Ein weiteres Beispiel ist die Bibliothèque de France, deren sehr eingeschränkte Brauchbarkeit bereits drei Jahre nach Fertigstellung hohe Nachinvestitionen nötig machte, weil modisches Glas und Bücher schwer vereinbar sind. Sonnenbestrahlung ist Gift für Papier, nichtsdestoweniger wurde der Bau von der Architekturkritik enthusiastisch gefeiert und sollte als eine der Großtaten der Ära Mitterand in die Geschichte eingehen.

Eine Mode folgt der anderen
Betrachtet man die letzten 35 Jahre des Architekturschaffens, so fällt eine rasche Folge von Modeströmungen auf. Nachdem man in den 70er-Jahren des Bauhausstiles überdrüssig geworden war, der nach dem Krieg in Europa die faschistische Architektur abgelöst und das Neue Bauen der 20er-Jahre wieder aufgenommen hatte, kam der Brutalismus. Von Bildhauern wie Wotruba beeinflusst, feierte man den beton brut, den Sichtbeton, und formte kubische Betongebirge. Diese Bauten wirkten sehr schwer und expressiv. Heute ist der Beton geschwärzt und unansehnlich geworden. Der Abbruch ist kaum finanzierbar, weil keine Deponie bereit ist, Betontrümmer aufzunehmen. Den Beton zu zermahlen und vom Stahl zu befreien ist zwar möglich, kostenmäßig aber nicht vergleichbar mit der Entsorgung von Ziegeln oder Holz. Als Antwort auf den Brutalismus kam ein neuer Purismus. Die Baumaterialien sollten möglichst natürlich und unbehandelt bleiben. Cortenstahl kam in Mode, dessen "Edelrost" man schätzte. Viele Verwaltungsbauten in Deutschland zeugen von dieser Rostperiode. Tückischerweise hörte der Cortenstahl, der eine autogene Rostschutzschicht ausbilden sollte, nicht, wie programmiert, zeitgerecht zu korrodieren auf, und die Statik kam ins Wanken. Zur Entschuldigung muss man immerhin anführen, dass damals keiner mit saurem Regen gerechnet hatte. Geblieben ist die dunkle Drohgebärde dieser Bauten.
Wie kann man einen Purismus aus den Angeln heben und dennoch nicht antiquiert wirken? Indem man Ende der 70er-Jahre - wie schon im Jahrhundert zuvor - in die Kiste der Baugeschichte greift, es aber nicht Historismus, sondern Postmoderne nennt. All der geraden Linien überdrüssig, nimmt man Bögen, Kapitelle, Architrave und klassische Säulen ins Repertoire auf. Da einige Architekten dabei ein schlechtes Gewissen haben, wird mit intelligenter Verfälschung gearbeitet - die Ironie und das Zitat sind geboren. Damit entfernt sich die Architektur vom Normalverbraucher und wird zu einem elitären Geschäft von Eingeweihten. Nur sie können den Witz verstehen, der sich darin versteckt, wenn man Renaissanceelemente mit solchen des Barock mischt und in einem klassizistischen Zitat gipfeln lässt. Form follows function, deklarierte Mies van der Rohe, einer der wichtigsten Vertreter des Bauhauses, und Venturi, ein Architekturtheoretiker, erwiderte auf Mies End-70er-Jahre-Spruch Less is more mit Less is a bore (Weniger ist langweilig). Da eine Periode nach zehn Jahren als ausgelutscht gilt, erfinden die 80er-Jahre unter geistiger Führung von Coop Himmelblau aus Wien und dem Büro Benisch aus Stuttgart den Dekonstruktivismus. Die Ablesbarkeit und Logik tragender Elemente ist jetzt tabu. Unglaublich komplizierte Strukturen mit Bauteilen, die sich frei im Raum durchdringen, werden gebaut - das Fachpublikum ist fasziniert. Endlich ein Abbild der Komplexität der Gesellschaft! Der Eindruck von Ordnung ist ein Festhalten an beschränkenden Vorstellungen. Die Architektur wird zum Nerven- oder vielmehr Augenkitzel, eine Impression jagt die andere, und all die schiefen Winkel sollen auch ein wenig weh tun. Endlich ist die Langeweile auf alle Zeit besiegt, und der Bruch mit den einengenden Regeln eines Alberti oder Vitruv vollzogen. Die Kinder haben sich aus der Vormundschaft der Väter herausgestohlen und deren Glaubenssätze in den Müll geworfen. Wenn die Vergangenheit zerstört ist, muss man wohl wieder von Null an beginnen. Alles soll wieder klar und einfach werden, und der Stil der 90er-Jahre ist geboren. Da er noch keinen Namen hat, nennen wir ihn den Containerstil. Überall im Lande entstehen überdimensionale Bauklötze, reine Kuben mit Flachdächern, je glatter, umso abstrakter und damit besser. Das Auge erfreut sich an einer ungestörten Regelmäßigkeit, und aus einem industriellen Teil werden präzise Serien geklont. Wie es ein Kritiker sagte, strahlen diese Bauten den kühlen Charme der Neonröhre aus. Technisch sind sie perfekt, und Energie sparen sie obendrein. Dass die haustechnischen Anlagen bereits ein Drittel der Gebäudekosten ausmachen, stört weiter nicht. Die Folgekosten für Unterhaltung und Austausch trifft ja erst die nächste Generation. Diese kühle Architektur, transparent bis zur Grenze des Machbaren, ist in die Fachliteratur als "intelligente Architektur" eingegangen. Es ist somit gar nicht mehr erstaunlich, dass die Innenräume ohne Möblierung in den Medien erscheinen, mit künstlichen Lichteffekten nur für das Foto ausgestattet. In dieser Architektur ist der Mensch so gläsern geworden, dass seine Transparenz auf dem Film keinen Abdruck hinterlässt. Wurde der Mensch der reinen Ästhetik geopfert oder ist die Architektur so "cool" geworden, dass ein warmes, schlagendes Herz eine Störung der kristallenen Intelligenz darstellt? Hat der Reduktionismus auch den Menschen wegrationalisiert?
Den Kollegen, die sich in den letzten dreißig Jahren darum bemüht haben, dem Strom der Zeit gerecht zu werden, sei Abbitte geleistet für den Sarkasmus, den der Überblick über die schnell wechselnden Präferenzen für architektonischen Ausdruck in den abgelaufenen Dezennien dem Autor abnötigt. Wie man weiß, kann man im Rückblick leicht die Klinge schärfen und Salz verstreuen. Dabei soll aber nicht übersehen werden, dass in der besprochenen Zeit vereinzelt brillante Werke der Architektur entstanden sind. Es gibt neue Flughäfen (z.B. München) und Bahnhöfe (z.B. Sátolas/Lyon), die einem den Atem rauben wegen ihrer technischen Perfektion, kombiniert mit einem Raumgefühl, das Wärme und Vibration auslöst.

An der Schwelle einer Neuen Zeit?
Stehen wir an einer Zeitenschwelle? Einiges spricht dafür: Der Erdmagnetismus nimmt kontinuierlich ab, was schließen lässt, dass sich die Drehgeschwindigkeit des Erdkerns verlangsamt1. Das kann, wie angeblich schon mehrmals in der Erdgeschichte, zu einem Polsprung führen mit ungeahnten Folgen für das Klima ganzer Kontinente. Die Durchschnittstemperatur der Lufthülle nimmt langsam, aber stetig zu, ebenfalls mit nicht prognostizierbaren Folgen für globale Meeres- und Luftströme. Die verstärkte Neutrino-Einstrahlung von der Sonne auf die Erde führt zu einem Zuwachs des Erdradius um 6 cm pro Jahr mit dem Effekt einer langsamen Verlängerung des Sonnentages. Die Atomuhren müssen immer wieder nachgestellt werden. Unser Sonnensystem durchwandert den so genannten Photonengürtel2, was die subtilen Einstrahlungen auf die Erde verändert3. Die Grundfrequenz der Erde (Schumann-Frequenz) stieg in den letzten zwanzig Jahren von 7,8 auf 8,4 Hertz und soll sich bis auf 13 Hertz beschleunigen. Es gibt auch ganz praktische Erscheinungen, die zu denken geben. Die Planungszeiten der Konzerne werden immer kürzer, obwohl die Vernünftigeren die Nachhaltigkeit, also auf Erhalt der Kontinuität ausgerichtete Wirtschaftsplanung einfordern. Das auf der Börse aufgebaute Wirtschaftssystem wird immer labiler und treibt nach Meinung systemkritischer Analysten einem gigantischen Crash entgegen. Die Chefmanager wissen das, trösten sich jedoch damit, dass sie es bis jetzt geschafft haben, die Dinge einigermaßen im Lot zu halten. Statt verantwortliche Gesellschaftspolitik zu betreiben, wird der Glaube an die Reparierbarkeit von Entgleisungen gepflegt.
Aus dem Lager der Prophezeiungen hört man verschiedene Meinungen. Wenn es der Menschheit gelingt, einen Bewusstseinssprung zu vollziehen, so wird gesagt, stehen uns ab 2012 goldene Zeiten bevor4. Der Weg dahin kann aber schmerzhaft werden und einiges an Opfern abverlangen. Das Opfer kann den Zusammenbruch nicht nur des Wirtschaftssystems, sondern auch der für das Überleben nötigen Technologie beinhalten. Da die Zukunft als offen zu sehen ist, sollten wir die Chance wahrnehmen, auch die Architekturentwicklung als etwas zu sehen, das beeinflussbar ist.

Stadtvisionen
Architekten waren, soweit gesellschaftspolitisch interessiert, auch immer Visionäre für eine bessere Zukunft. Die Versuche von Le Corbusier und auch von Lucio Costa, der den Generalplan für Brasilia entwarf, durch städtebauliche Konzepte das Zusammenleben der Menschen zu verbessern, haben nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Gerade Brasilia, das auf den Konzepten der Charta von Athen und der Cité radieuse von Corbusier aufbaut, hat die Brasilianer nicht erreicht. Sie meiden ihre Hauptstadt, wenn sie können. Und auch Auroville, Sri Aurobindos Idealstadt, entwickelt sich nur zögerlich. Aber Paris, das Haussmann kahlschlagartig mit großen Avenues strukturierte, ist zum einzigartigen Anziehungspunkt für Europa geworden. Es gibt eine Reihe von auf dem Reißbrett geplanten Städten, wie Karlsruhe oder Palmanova im Friaul, die sich bester Vitalität erfreuen. Auch Voltaire hat sich mit Ferney bei Genf versucht, und sein Städtchen lebt seit 250 Jahren.

Eine Architektur des Wassermanns
Es scheint, als sei die Umsetzung von gesellschaftsverbessernden Visionen ein langfristiges Unterfangen, bei dem nur mit geringen Erfolgsaussichten zu rechnen ist. Angesichts dessen könnte man es ja wagen, eine Vision für die Architektur von Einzelgebäuden zu entwickeln, die dem erhofften Bewusstseinswandel auf die Sprünge helfen.
Die Kriterien für diese Architektur des beginnenden 3. Jahrtausends könnten folgendermaßen aussehen:
1. Die freie Entfaltung des Menschen in Gebäuden muss möglich sein.
Dieses sehr weit gefasste Postulat ist noch nicht in konkrete Planungsanweisungen umsetzbar, sollte es aber unmöglich machen, Anlagen zu bauen, die die menschliche Arbeitskraft und Gesundheit ausbeuten.
2. Architektur hat überpersönlichen Charakter.
Architektur als Kunstrichtung dient nicht dem persönlichen Lustgewinn des Planers. Sie entsteht aus der Haltung des Dienens und der Beachtung von Regeln, die überpersönlich sind. Damit ist der Architekt in das Schöpfungsgeschehen eingebunden und handelt in der Absicht, zur Harmonisierung der äußeren Erscheinungswelt beizutragen. Jedes Gebäude ist als Teil eines größeren Ganzen zu sehen, weil es das Einzelne ohne das Ganze gar nicht gibt. Alles ist Beziehung, jedes Teil wirkt auf das andere. Ein disharmonisches Teil disharmonisiert die anderen Teile und damit das Ganze, ein harmonisches Teil wirkt stabilisierend und vitalisierend auf das Ganze, somit auf die Summe der anderen Gebäude.
Diese Erkenntnis der Weisheitslehren, jetzt auch in der Photonenforschung naturwissenschaftlich nachgewiesen, sollte bauliche Egoismen als kindische Fußstampfer der Lächerlichkeit preisgeben. Das aufkommende neue Zeitalter trägt die Verheißung in sich, allen Menschen den Zugang zu höherem Wissen zu eröffnen. Somit ist auch die Architektur aus höherem Wissen zu gestalten und der alte Kunstbegriff, dass nämlich Kunst kosmische Gesetze zu spiegeln habe, sollte wieder eingesetzt und für verbindlich erklärt werden. Das setzt allerdings voraus, dass sowohl Bauherr als auch Planer sich als Partner des Schöpfungsprozesses verstehen und eine ausreichende persönliche Reife erlangt haben, die großes gesellschaftliches Verantwortungsgefühl beinhaltet.
3. Architektur ist Stein gewordene Musik.
Dieser Ausspruch stammt von Paul Valery, und bis auf den Stein hatte er recht. Die Architektur hat nicht gesellschaftliche Spannungen zu reflektieren, sondern zu den ewig gültigen Gesetzen architektonischen Schaffens zurückzufinden. Das ist kein Rückschritt, sondern eine Anbindung an das Wissen der alten Meister. Es geht nicht um ein Kopieren von Formen, sondern um den Geist, der dahinter steht. Eine Komposition, die nicht nur den Intellekt befriedigt, sondern primär über die Gefühlsebene die rechte Gehirnhälfte anspricht, braucht ein Thema, dessen Variationen, eine Melodie und einen Rhythmus. Gute Architektur, auch in Zukunft, wird diese Kriterien zu erfüllen haben.
4. Die Architektur der Zukunft wird eine weibliche Architektur sein müssen.
Sie kann natürlich von Männern und Frauen entworfen werden, die die komplementäre Seite in sich selbst gefunden haben. Heute noch bauen manche Frauen männlich, und es gibt Männer, die bereits weiblich bauen. Die Formen müssen weicher werden, viel weniger aggressiv, nicht rechtwinklig kubisch, sondern schwingend, wie es dem Wassermannzeichen entspricht - fließend, offen, umschmeichelnd.
Diese Forderung stelle ich aus einem sehr konkreten Grund: Bei zunehmender Komplexität des Lebens müssen wir alles unternehmen, um unsere Intuition, eine weibliche Qualität, zu stärken. Nur die Intuition hat mit ihrer Unschärfe die Möglichkeit, die Lösung von Problemen ganzheitlich anzugehen. Es könnte sich erweisen, dass die Aktivierung der rechten Gehirnseite, der weiblichen, zu einer Überlebensfrage wird, auch um dem männlichen Wahnsinn ein Ende zu setzen. Wenn wir das nächste Jahrhundert nicht zu einem weiblichen Jahrhundert machen, sieht es nicht gut aus um den Fortbestand gewohnter Lebensformen. Die Architektur könnte diesen nötigen Wandel mitinitiieren.
5. Die Architektur des neuen Jahrtausends muss einen neuen Grad von
Ordnung erreichen.

Das hat nichts mit einem zentralistischen Ordnungsbegriff zu tun, sondern mit der Rückbesinnung auf die ordnenden Bezüge der Geometrie. Wie bereits gesagt, kommt es auf die Bezüge an, die sich am besten geometrisch ausdrücken. In allen Lebensformen verstecken sich Geometrien, von den Atomen über die Moleküle zu den Kristallen, bis in den Makrokosmos der Galaxien. Die Menschheit wusste immer um diese Zusammenhänge, und daraus entstand die heilige Geometrie der Fläche und des Raumes. Sie ist in erster Linie eine Kreisgeometrie, die mit regelmäßigen Körpern in harmonischer Beziehung steht und ebenfalls die Kugel umfasst - und diese Geometrie beinhaltet sowohl weibliche als auch männliche Komponenten. Sie ist sphärisch und linear und bietet eine Vielzahl neuer Formen, die jedoch alle einem Ordnungsprinzip gehorchen. Komplexität entsteht nicht als Zufallsprodukt, sondern bleibt in ein Schöpfungsprinzip eingebunden und somit ein Abbild des Lebens. Die Kornkreiszeichen, die ja zum Teil von überwältigender geometrischer Schönheit sind, können durchaus als Hinweis verstanden werden, in welche Richtung sich die Architektur entwickeln soll. Dass die Schöpfer der Piktogramme einer höheren Intelligenz angehören, scheint mir plausibel.
6. Die neue Architektur wird mit neuen Energieformen arbeiten müssen.
Die Erdölressourcen als Energiespender versiegen. Energieeinsparung als einzigen Formgeber für Gebäude zu sehen, ist aber zu eng und stellt eine Überbewertung eines funktionalen Aspektes dar.
7. Die neue Architektur muss regionale Unterschiede herausarbeiten.
Die Erde darf nicht zu einem "globalen Dorf" verkommen. Die Vielfalt der Regionen stellt einen kulturellen Wert dar, der umso schätzenswerter wird, je mehr die Distanzen schrumpfen. Die Natur hat eine überschäumende Artenvielfalt hervorgebracht: wieso sollten wir die Menschen vereinheitlichen, indem wir den ganzen Erdball mit einem überall gültigen, internationalen Stil überziehen, wie es gegenwärtig geschieht? Es stellt eine wunderbare Bereicherung dar, wenn den Regionen eine spezifische Identität erhalten bleibt.
8. In der Verwendung von Symbolik liegt ein Schatz, der neu zu heben ist.
Symbole sind Zeichen, die das Einschwingen uralter Weisheit ermöglichen. Sie sind Träger von Bewusstsein und stellen den Kontakt her zu einem evolutiven Feld. Sie sind die Brücke in die Akasha-Chronik, in der ja die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten bereits vorgezeichnet sein sollen. Wenn die zukünftige Architektur auch bewusstseinsbildend wirken soll - dieser Anspruch sei in den Raum gestellt -, wird sie aus dem Studium der Symbole eine wertvolle Inspirationsquelle beziehen. Auf intuitivem Wege wird es möglich sein, die in Zukunft bedeutsamen und die auch noch nicht bekannten Symbole zu finden und zu nutzen.
9. Die neue Architektur muss geomantisch sein.
Wir haben erkannt, dass alles Schwingung ist. Je sensibler wir werden - und die Sehnsucht danach ist deutlich spürbar, auch in den genau entgegengesetzten Exzessen der Überreizung - umso feiner werden wir auf subtile Schwingungen reagieren. Durch den Aufbau eines feinenergetischen Feldes spezifischer Qualität wird es möglich sein, die Erweiterung der Gehirnkapazität zu unterstützen und die Biophotonen in den Zellen anzureichern. Dies bedeutet einen Vitalitäts- und Energiegewinn, und ein solcher Prozess wird zum Wegbereiter für höheres Bewusstsein. Die sich steigernde kosmische Einstrahlung und die schrittweise sich erhöhende Grundschwingung der Erde fordern geradezu heraus, von Gebäuden über die Resonanz eingefangen zu werden. Die Vorarbeit für diese Architektur der Zukunft ist bereits geleistet.

Moderne Architektur erträumen
Manches in den neun Postulaten mag vorausschauend klingen oder auch nur wie ein Traum erscheinen. Ohne den Traum gibt es keine Verwirklichung. Sobald es aber ausreichend Mitträumer gibt, gewinnt der Traum an Kraft. Und zudem ist die Verwirklichung des Traumes unausweichlich, weil wir bereits in der Spirale der Evolution eingefangen sind. Sie saugt uns nach oben, ob wir das wollen oder nicht! Ich fasse zusammen: Die Produktion von Architektur in den letzten 35 Jahren ist zu einem Staccato von Moden geworden. Die Perioden des Modernen sind bereits kürzer als fünf Jahre - Architektur im Börsenfieber? Kulturell gesehen ist das "rasender Stillstand" (Zitat nach Prof. Lars Karbe). Statt in legitimer Weise gegen menschengemachte Ideologien ins Feld zu ziehen, verwechseln wir die Ebenen und schaden uns selbst durch mangelnden Respekt vor ewig währenden ontologischen Gesetzen (Vaterkomplex). Es ist an der Zeit, die trotzköpfige Haltung aufzugeben und sich rückzubesinnen auf die Ehrfurcht vor der Schöpfung. Damit wird es wieder möglich sein, die Architekturentwicklung gewissermaßen in die Lineage einzugliedern und die besten der bereits erkannten Prinzipien zu reaktivieren. Das Neue für das beginnende Jahrtausend ist bereits angedacht. Es wird eine Architektur sein, die auf Schwingung und Resonanz gründet. Damit wird sie am Aufbau eines neuen morphogenetischen Feldes, eines ganzheitlichen Bewusstseins mitwirken können.

Literatur: (1) Prof. Konstantin Meyl, Vortrag; (2) The Unity Keys of Emmanuel by Ananda Emmanuel; (3) oftmals erwähnt in der Fachliteratur, auch Gregg Bradon, (4) Maya-Kalender, Hopi-Prophezeiungen