West-östlicher Nord-Süd-Konflikt
Ist Feng Shui in die heutige Zeit übertragbar?
Wer sich mit Feng Shui auseinandersetzt, stößt an eine Grenze, die durch die kulturellen Unterschiede zwischen Asien und Europa gesetzt ist. In China lebt Feng Shui als stetig tradierte, in menschlichem Maß gewachsene Naturphilosophie. Im Westen war Feng Shui vor zehn Jahren noch kaum bekannt - heute wird damit Geld verdient. Siegfried Prumbach, Leiter der Freien Akademie für Geomantie Anima Mundi fragt sich, wie die fernöstliche Gestaltungskunst in den Westen übertragen werden kann.

"Wind und Wasser" ist die bildhafte Bezeichnung für die alte Geomantie der Chinesen. Es ist die Übersetzung des Begriffes Feng Shui und meint das Erkennen der Umwelteinflüsse und die Kunst der Umweltgestaltung nach den Gesetzen von Yin und Yang. Wir wollen untersuchen, inwiefern die historische, kulturbezogene Gestaltungskunst des Feng Shui in unsere heutige Zeit und Kultur übertragbar ist.
Feng Shui geht - wie jede Geomantie - von der Idee aus, daß unserer Wirklichkeit eine energetische Kraft zugrunde liegt, die in der chinesischen Philosophie als Chi oder Qi bezeichnet wird. Die chinesische Philosophie wiederum arbeitet mit Bildern und Symbolen, die ursprünglich den geographischen Gegebenheiten Chinas entlehnt wurden. Im Feng Shui sind denn auch die sich schlängelnden Wasserläufe der Flüsse das Vorbild für die wellenförmigen Bewegungen des Qi in der Landschaft. So kommt es, daß besonders gerade Linien als unangenehm, ja gefährlich eingestuft werden.
Nun besteht aber unsere westliche Welt aus geraden Straßen, rechtwinkligen Häusern und Stadtvierteln, geraden Schienensträngen, Flugschneisen und begradigten Flüssen, die nach Auffassung des Feng Shui den energetischen Fluß zu einer reißenden, ungebremsten Kraft anschwellen lassen. Andererseits werden Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung und Elektrosmog, Einflüsse radioaktiver Strahlung sowie Magnetfeldveränderungen im Bereich geologischer Störungen von einer historischen Geomantie nicht erfaßt. Diese Widersprüche sind schwer überwindbar. Typisch für die Geomantie ist ja gerade ihre regionale Bezogenheit, die landschaftsbezogene Zuordnungssysteme entstehen ließ, in die auch kulturelle Aspekte eingeflossen sind.
Die Himmelsrichtungen
Wie alle Geomanten gaben auch die Chinesen den Himmelsrichtungen verschiedene Qualitäten. Schon am Beginn der chinesischen Geschichte galt der Nordosten und der Norden als unheilbringend. Der Grund dafür wird heute darin gesehen, daß die eisigen Winterwinde und die unzähligen feindlichen Invasionen, die China überrollten, aus diesen Richtungen kamen. Eine weitere Bedrohung, vor allem der patriarchalen Philosophie, könnte durch die Mütterkulturen entstanden sein, die im Norden Chinas lange vor der Zeit der großen Kaiserreiche bereits eine Hochkultur besaßen.
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