Erd-Energiespuren

Ein Berg im Ruhrgebiet wird zum geomantischen Kunstwerk

von Peter F. Strauss erschienen in Hagia Chora 1/1999

Mit 80 Höhenmetern ist der Mechtenberg zwischen Gelsenkirchen, Bochum und Essen die einzige natürliche Erhebung im nördlichen Ruhrgebiet. Der eiszeitliche Hügel ist von einer durch die Industrialisierung stark überformten Kunstlandschaft aus Abraumhalden des Kohlebergbaus, Industriebrachen, Straßen, Autobahnen, Bahndämmen, Kanälen und Siedlungen umgeben. Seit Sommer 1997 ist der Mechtenberg Schauplatz des einzigartigen LandArt-Projekts "Erd-Energiespuren/Übertage-Untertage" des Künstlers Peter F. Strauss und des Landschaftsarchitekten Hartmut Solmsdorf.

Mit einer Fläche von rund 34 Hektar landwirtschaftlicher Fläche dürfte der Mechtenberg das größte LandArt-Projekt in Europa sein. Ziel der Arbeit war, die geologischen, historischen und mythologischen Gegebenheiten des Ortes mit geomantischen und ästhetischen Mitteln sichtbar und über den Wechsel der erfahrbar zu machen.
Die gewöhnlich mit Monokulturen wie Zuckerrüben und Mais bepflanzten Felder sollten mit bunt blühenden, ölhaltigen Nutzpflanzen wie lila Phacelia, Öl-Lein, Klatschmohn oder Sommerraps besetzt werden, die keinen oder nur wenig Mineraldünger benötigen. Ferner sollten keine Herbizide und Pestizide eingesetzt werden.

Die Topographie
Um die "Blühfelder" abzugrenzen, wurden die Höhenlinien in die Landschaft zurückübertragen und durch breite Streifen aus Kleegras markiert. So ergab sich eine an der tatsächlichen Topographie orientierte Gliederung in sechs große Felder, die von oben nach unten mit gelb, rot, hellblau, dunkelblau und lila blühenden Pflanzen besetzt wurden. Die Landschaft wurde so völlig neu erfahrbar - anstelle des monokulturellen Einheitsgrüns leuchteten nun große Farbflächen an den Hängen.
Bei der Vermessung der Höhenlinien im August 1997 stellte sich heraus, daß sich die Gegend um den Mechtenberg durch den Bergbau um bis zu 20 m abgesenkt hatte. Die Flöze wurden bis 1000 m Tiefe ausgebeutet. Hunderte von Förder- und Fahrstollen, Wetterschächten etc. durchziehen den Untergrund. Aufgegebene Stollen stürzen nach gewisser Zeit ein, was eine allmähliche Senkung des Geländes zur Folge hat. Große Regionen des Ruhrgebiets liegen heute unter dem Grundwasserhorizont und müssen durch Pumpwerke vor Überflutung bewahrt werden. Dies hat für die Geomantie dieser Gegend sicherlich weitreichende Folgen.

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