Die Schleier lüften

Die unmittelbare Beziehung zwischen Außenraum und Innenraum in der Geomantie

von Maria Weig erschienen in Hagia Chora 1/1999

Wie durch eine gläserne Wand getrennt - so beschrieb eine Seminarteilnehmerin ihr Erleben der Natur. Diese Tatsache mache sie unendlich traurig , da sie die Natur und die Landschaft über alles liebe und als Bäuerin den Kontakt auch innig suche.

Das Gefühl von Getrenntsein ist uns allen bekannt. Wir kennen die Hülle, die uns wie eine Sphäre von Taubheit umgibt, die uns abschneidet vom unmittelbaren Erleben. Auch im zwischenmenschlichen Kontakt ist uns das nicht neu, bei unseren täglichen Begegnungen stellt sich trotz Wohlwollen der lebendige Kontakt erst bei einer gewissen Aufmerksamkeit ein.
"Zurück zur Natur" - das Sich-Hingezogen-Fühlen zu einer unmittelbaren Begegnung mit der Natur ist als Sehnsucht tief in uns eingeprägt. Die Tourismusbranche lebt davon; Träume von blühenden Gärten, vom Wilderness-Abenteuer, unsere Träume weiten sich zu Paradiesvisionen aus. Die tiefe Sehnsucht zeigt sich regelmäßig im kollektiven Bewußtsein. Am Ende dieses Jahrhunderts/Jahrtausends haben wir Naturphilosophie, Naturromantik, Jugendstil, Gartenstadtbewegung, aber auch Perversionen wie "Blut und Boden" hinter uns. Seit dreißig Jahren entwickelt sich eine ökologische Bewegung, die heute wichtiger ist denn je, da Naturzerstörung sich in einen unsichtbaren Bereich verlagert hat - in die steil aufsteigende Branche der Gentechnologie.
Noch suchen wir einen Weg - individuell wie kollektiv - die Einheit mit Natur und Landschaft zu leben - aber wie?
Das Trennende wird auch von Menschen erlebt, die viel in der Natur sind. Offenbar sind die Gründe dafür in unserem Bewußtsein zu suchen. Unser Lebensstil und unsere Kultur sind Ausdruck dieses "Trennungs-Bewußtseins". Wir alle kennen Phasen, in denen wir manchmal wochenlang ohne Kontakt zu Baum, Strauch oder Vogel leben. Oft ist uns das nicht einmal als Mangel bewußt.
Unsere Wahrnehmungsfähigkeit ist verengt, einseitig auf das Rationale hin gewichtet und belegt durch Beurteilungen. Ich verwende für letzteres den Begriff der konditionierten Wahrnehmung im Gegensatz zur authentischen Wahrnehmung.

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