Geomantie der Zukunft

Fünf Vorschläge von Hans-Jörg Müller

von Hans-Jörg Müller erschienen in Hagia Chora 1/1999

Geomantie der Zukunft
Fünf Vorschläge von Hans-Jörg Müller Metaphysische Erfahrungsformen oder Versuche, durch Sakralbauten, Grabinstallationen oder Stadtplanungen in jenseitige Dimensionen einzugreifen, scheinen heute keine Relevanz mehr zu besitzen. Ich sehe jedoch fünf Bereiche, in denen eine Notwendigkeit zum Handeln besteht:
1) Verantwortung für Eingriffe unserer Kultur in Jenseitsräume. Aus der Perspektive des Geomanten halte ich es für notwendig, daß wir wieder Verantwortung übernehmen für die besonderen Orte und ihre Funktionen. Gerade im Jenseitsbereich gibt es Störungen durch zivilisatorische Eingriffe: Friedhöfe, in denen Seelen eingesperrt sind, Städte, in welchen Naturwesen als destruktive Atmosphären vagabundieren, Landschaften, deren Organe mißhandelt wurden. Hier muß die Geomantie neue Wege gemeinschaftlichen Handelns finden.
2) Stärkung der Eigenorganisation der Natur. Zweifellos gibt es in Mitteleuropa bis auf wenige Orte keinen Naturraum mehr. Alles ist Kulturlandschaft, überall greift der Mensch ein. Wir sollten uns bemühen, die immanente Lebendigkeit des Erdenkörpers aufzugreifen und die Eigenintelligenz der Natur als Schöpfungsprinzip wieder Kraft gewinnen lassen.
3) Würde der Natur und Achtung der Lebendigkeit. Will sich die heutige Kultur aus ihrer von Natur und Kosmos isolierten Situation befreien, muß sie der Landschaft und der Natur ihre Würde zurückgeben. Bei der Neubewertung von Landschaft muß das Anerkennen einer Eigenintelligenz einem äußeren Umdenken vorausgehen.

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