Schnitzelwerk

Ein Versuch, die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf die Landschaft zu erfassen

von Reinhard Falter erschienen in Hagia Chora 1/1999

Wasser- und Windkraft gelten heute pauschal als umweltfreundlich. Wasserkraftbetreiber nennen ihre Machwerke gerne verharmlosend Mühlen, obwohl diese Bäche austrocknen lassen und Flüsse in Stauseen verwandeln. Ähnlich die Windindustrie: Mit Mühlen, die die Bilder niederländischer Landschaftsmaler zieren, haben die 100 Meter hohen Himmelszerschneider nichts mehr zu tun.

Fundierte Kritik an den Auswirkungen des Windkraftbooms zu üben, ist nicht ganz einfach. Heute gibt es kaum Begriffe, die geeignet wären, die landschaftlichen Wirkungen der Windkraftanlagen zu erfassen. Gegner der Windkraftwerke konzentrieren sich hauptsächlich darauf, den energiepolitischen Nutzen in Frage zu stellen. Sie machen plausibel, daß es sich nicht einmal um einen Tropfen auf den heißen Stein, sondern um einen reinen Placeboeffekt handelt. So braucht man beispielsweise 25 Windkraftanlagen (WKA) für den Betrieb einer einzigen E-Lok, 2 WKA im Binnenland gleichen gerade den CO2-Effekt eines einzigen LKWs aus.

Was das Thema Windkraftwerke für den klassischen Naturschutz schwierig macht, ist, daß der hauptsächliche Schaden nicht auf der Ebene von - immerhin noch zählbaren - Arten liegt. Allerdings deckt das Naturschutzgesetz keineswegs nur Bemühungen um Artenschutz, sondern auch die "Vielfalt, Eigenart und Schönheit" der Landschaft sind Schutzgüter des Bundesnaturschutzgesetzes. Der Zugang, den ich hier vorschlagen möchte, setzt bei der seelischen Wirkung von Landschaft und Landschaftsveränderung auf den Menschen an. Ich möchte die Frage stellen, wie sich Windkraftwerke auf die Wahrnehmungsqualität und den Erholungswert einer Landschaft auswirken, und untersuche dabei die folgenden Punkte:

1. die Erlebniswirkung

2. die ästhetisch-atmosphärische Wirkung

3. die tonische Wirkung

4. die Resonanzwirkung

5. die erfahrungsreligiöse Wirkung einer Landschaft.



Erlebniswirkung

Viele Erholungsuchende sind heutzutage ausschließlich auf Erlebniswirkung fixiert. Windkraft setzt Akzente in der Landschaft. Jedes Urteil, ob diese zur Eigenart der Landschaft passen oder nicht, setzt bereits ein Landschaftsverständnis voraus. Insofern ist jene zynische Rede eines Windkraftwerkbetreibers, der sagte, Windkraftanlagen brächten Leben in die Eintönigkeit der Marschlandschaft, für viele Menschen plausibel, freilich nur für diejenigen, die keine innere Beziehung zu dieser Landschaft haben.

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