Dialog mit dem Genius Loci

Die verblüffende Tiefe der Landschaft

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 1/1999

Wie öffne ich den inneren Zugang zum Genius Loci einer Landschaft? Marko Pogacnik beschreibt anhand des Landschaftstempels Kungälv in Schweden seine persönliche Vorgehensweise, mit der er sich die vielfältigen Ebenen einer Landschaft erschließt: Es geht darum, die Gefühlsqualitäten und das Bewußtsein des Ortes zu erspüren, die ätherische Gestalt der Landschaft im Raum abzutasten und das vitalenergetische Herzzentrum zu finden. Daraus erwächst ein tiefes Verständnis für die harmonischen wie auch für die problematischen Energieflüsse der Landschaft.

Es ist nicht schwierig, die Mehrdimensionalität der Landschaft zu leugnen und zu behaupten, daß die sinnlich erfaßbare Gestalt der Erde und der Natur die einzige reale Ebene ihrer Existenz ist. Jedenfalls werden wir durch unsere fünf Sinne darin unentwegt bestätigt. Auf diese weitgehend überzeugende Erfahrung beruft sich letztendlich unsere Zivilisation, die den Umgang mit der materiellen Ebene der Erde und der Natur zur Grundlage ihrer Entwicklung gewählt hat. Dabei wird die Möglichkeit übersehen, daß der Mensch selbst - angesichts der Übermacht der Natur - die Entwicklung seiner Wahrnehmung in der Richtung der gegenwärtigen Exklusivität geführt haben könnte. In seinem Drang zur Selbständigkeit hat die Ratio ein Weltbild entstehen lassen, bei dem nur die dünne materialisierte Schale der Landschaft zählt. Die eigentliche Kraft und Lebensfülle des Erdwesens wird dabei ins Unterbewußtsein verdrängt.

Wahrnehmung ohne Messungen
Die moderne Geomantie versucht dagegen, das Bewußtsein des Menschen für die Mehrdimensionalität der Wirklichkeit zu öffnen, indem alternative Möglichkeiten der Wahrnehmung entwickelt und den Interessierten zur Erfahrung angeboten werden. Dieser Prozeß begann mit der Anwendung der Wünschelrute und der Erfahrung, daß es Strahlungen und Kräfte gibt, die unsichtbar auf den Mutenden so stark einwirken können, daß die Rute gegen seinen Willen ausschlägt. Andere - ich zähle mich dazu - behaupten, daß der Mensch selbst in seiner Mehrschichtigkeit fähig ist, die subtilen Ebenen der Landschaft wahrzunehmen, ohne ein Meßinstrument in der Hand zu halten. Man kann die feinen Reaktionen des eigenen Körpers beobachten, erspürte Gefühlsqualitäten analysieren und die Intuition der inneren Bilder deuten.

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