Strahlende Geheimnisse

Geomantische Zonen und das Ley-Phänomen - Erfahrungen und Studien

von Hartmut Lüdeling , Ingeborg M. Lüdeling erschienen in Hagia Chora 2/1999

Die Radiästheten und Autoren Ingeborg und Hartmut Lüdeling sind seit vielen Jahren dem Geheimnis der Leylines auf der Spur. Sie begnügen sich nicht damit, gerade Linien in Karten einzutragen, sondern untersuchen vor Ort, welche für den Menschen wahrnehmbaren Phänomene in Ley-Systemen tatsächlich wirken.

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Wieder neigt sich ein herrlicher Urlaubstag seinem Ende zu. Wir wollen den Abend genießen, ziehen uns warme Jacken an und wandern an Äckern und Wiesen vorbei. Die Vögel singen. Richtige Urlaubsstimmung umfängt uns, als wir das Meer riechen. Noch einige Minuten, und wir haben einen grandiosen Ausblick in die Bucht St. Cast-le-Guildo. Still und friedlich liegt das Wasser spiegelglatt vor uns in der Abendsonne. Die wenigen Wölkchen am Himmel haben zartrosa Ränder. Orange- und türkisfarbene Schlieren wehen über uns dahin. Der markante Pointe de St. Cast an der Côte d’Emeraude in der Bretagne ist erreicht.
Mein Mann geht einige Meter vor mir. Ich trödle immer gern etwas herum, um alles, was am Wegesrand so kreucht, fleucht und blüht, sehen zu können. Gerade gehe ich einen Schritt weiter, als ich Glocken läuten höre. Wie schön! Unwillkürlich schaue ich mich um. Wo ist die dazugehörige Kirche? Da ich auf den Klippen der Landzunge stehe, kann ich im Westen das Fort la Latte in der Nähe von Cap Fréhel sehen und im Osten die ganze Bucht überblicken. Keine Kirchturmspitze ist zu entdecken. Ich lasse es auf sich beruhen und gehe zwei, drei Schritte weiter. Fast schlagartig verstummt das Geläut. Nanu? Ich gehe wieder etwas zurück. Sofort höre ich das Läuten! Wie kann das sein? Irritiert mache ich nochmals einen Schritt nach vorn. Stille! Wieder einen Meter zurück, und schon höre ich die mysteriösen Glocken. Merkwürdig, das Gelände ist doch ganz frei und völlig ohne Hindernisse.
Ich rufe meinen Mann und zeige ihm dieses Phänomen. Gemeinsam suchen wir mit unseren Augen die Kirche, die dieser Stelle ihren Klang schenkt. In etwa acht Kilometern Luftlinie sehen wir am Ende der Bucht, weit im Inland, einen Kirchturm. Begeistert rufe ich: "Oh, wir haben eine Hörzone gefunden!" Unser Forschergeist war geweckt, und wir müssen diesen Klangkanal untersuchen!
Da mein Mann ohne seine Kohlefaserrute nirgendwohin geht, kann er gleich alles radiästhetisch untersuchen. Er staunt, als er deckungsgleich mit meinen Höreindrücken "Akustiklinien" entdeckt. Bis kurz vor dem Dunkelwerden sind wir beschäftigt, und zum Glück haben wir Papier, Bleistift und Kompaß dabei, so daß wir unsere Untersuchungen einmessen und aufzeichnen können.
Zurück in unserem Wohnmobil, tragen wir Ort und Richtung in unsere Karte ein. Die Kirche, von der das Glockengeläut ausging, muß in dem Dorf Lancieux stehen. Dahinter können wir auf gerader Linie noch eine weitere Kirche ausmachen. Zur anderen Seite hin verlängert, finden wir auf der Verbindungslinie genau auf einem markanten Klippenvorsprung das Fort la Latte. Alle Objekte lassen sich mit einem Lineal verbinden, ein Zufall?


Geomantische Zonen
Zwischen Steinsetzungen, Grenzmarkierungen oder auf alten Straßen und Wegen finden Rutengänger immer wieder Strahlungszonen, die weite Strecken meist schnurgerade überbrücken. Im Gegensatz zu den bekannten Wasseradern und anderen aus der Erde austretenden Strahlungsfeldern verlaufen diese Linien oberhalb der Erdoberfläche, sind aber ansonsten genauso deutlich mit Rute oder Pendel zu finden.
Bis in dieses Jahrhundert ist belegt, daß die Gilde der "Feldgeschworenen" mit speziellen Ruten regelmäßig nachgeprüft hat, ob die Grenzsteine noch an den richtigen Stellen stehen. Die Prüfung der Ortsgrenzen, die in Vorzeiten sogar als "heilig" und unverletzlich angesehen wurden, ist heute noch in vielen Gegenden regelmäßiger Brauch. In Westfalen wird diese Tradition Schnat- oder Schnadegang genannt. Ein besonderes Ereignis dabei ist vor allem für Neulinge das "Polläsen". Dabei wird der arme Neuling an einer alten Grenzmarkierung von kräftigen Mitschnadegängern an Armen und Beinen hochgehoben und mit viel Gejohle mehrmals auf den Grenzstein fallengelassen. Die blauen Flecken an seinem Gesäß sollen ihn noch lange Zeit daran erinnern, wo der Grenzstein zu stehen hat.
Die Feldgeschworenen hatten sich offensichtlich nicht an Strahlungsfeldern orientiert, die von den Grenzsteinen selbst ausgehen. Es ist belegt, daß tief unter dem Platz des Steines "Zeugengegenstände" vergraben wurden. Diese Zeugen wurden früher beispielsweise aus schwach gebrannten Tonen gefertigt, die eine besondere Strahlung aussenden, so daß sie mit der Rute zu erspüren sind. Wurde nun der Grenzstein illegal versetzt, verblieb der strahlende Zeuge an ursprünglicher Stelle, und der Feldgeschworene konnte mit der Rute den Betrug treffsicher aufdecken.
Wie sich geomantische Strahlungszonen bilden, ist mittlerweile erforscht und läßt sich gut rekonstruieren. Die linienförmig verlaufenden Strahlungsfelder bilden sich immer zwischen einem Anfangs- und Endpunkt. Diese Punkte bestehen aus "stehenden Feldern", stark strahlenden, wirbel- und säulenartigen Gebilden, die fälschlicherweise von Rutengängern oft als Blind Spring (Blinde Quellen) bezeichnet werden. Ein solches stehendes Feld kann mit drei oder vier gewöhnlichen Ziegelsteinen, die entsprechend ihrer Polung richtig zueinander aufgestellt sind, erzeugt werden .1
Wird nun diesem stehenden Feld ein zweites, genau gleichartiges Feld gegenübergestellt, fangen beide an, mit einander zu "sprechen". Sie bilden - gleich wie Pole eines Stabmagneten - Feldlinien, die jeweils von dem einen stehenden Feld zum anderen verlaufen. Je weiter die einzelnen Pole voneinander entfernt und je intensiver die erzeugte Strahlung ist, desto größer scheint die Anzahl der Feldlinien zu sein. Wenn ein Rutengänger so eine geomantische Zone kreuzt, wird er stets eine ungerade Anzahl von Rutenreaktionen erhalten und den Eindruck haben, daß jede dieser Linien senkrecht aus dem Erdboden strahlt und sich scheinbar "wandartig" ausbildet. In der mittleren Linie kommen alle Wellenlängen gebündelt vor - ein ähnliches Prinzip wie bei natürlichen geologischen Störungen.
Die Strahlung geomantischer Zonen besteht aus verschiedenen Wellenlängen, die durch den Einsatz von abstimmbaren Ruten (Grifflängenruten)2 unterschieden werden können. Es gibt zwar einige "Standard"-Grifflängen für geomantische Zonen3, aber auch diese lassen sich nicht in allen Fällen nachweisen. So sind die Strahlungen von z.B. alten Grenzverläufen grundsätzlich von denen auf alten Wegen verschieden. Auf "guten" alten Wegen, die geomantisch erkennbar sind, geht es sich besonders gut. Was Wunder, daß sich die geomantischen Strahlungszonen leicht finden lassen, wenn eine mit dem Testobjekt "Beinwell" gekoppelte Rute benutzt wird. Als Testobjekt kann dabei ein getrocknetes Blatt des Beinwells (Symphytum officinale)4 dienen. Wer die heilsame Wirkung des Beinwells kennt, kann leicht nachvollziehen, wie segensreich es ein römischer Söldner der Antike empfunden haben muß, wenn er auf dem harten Pflaster römischer Staatsstraßen zu heute unvorstellbaren Marschleistungen angetrieben wurde, dabei aber immerhin die heilsame Schwingung des Beinwells genießen konnte. Die Römer waren vor 2000 Jahren offenbar in der Lage, Heilprinzipien der Homöopathie anzuwenden, die bekanntlich über Schwingungen wirkt.5

Informierte Steine
Am Beispiel der alten Straßen und Wege wird deutlich, daß der Informationsgehalt geomantischer Zonen von großer Bedeutung sein kann. Ebenfalls können wir heute wieder nachvollziehen, mit welchen Mitteln die früheren Geomanten den geomantischen Zonen Informationen aufgeprägt hatten. Das Beispiel der Aufprägung mit der Information Beinwell weist uns den Weg. Bevor die Steine zur Erzeugung der stehenden Felder in ihre endgültige Position gebracht werden, nimmt man jeden einzelnen in die Hand und "beklopft" ihn. Dazu benötigt man ein Blatt oder eine Wurzel des Beinwells, legt darauf den Stein und hält beides in der linken Hand, so daß sich Pflanze und Stein dicht berühren. Dann wird mit der rechten Hand mit einem Hammer dreimal auf die Oberseite des Steines geklopft. Diese Prozedur wiederholt man mit jedem Stein des Systems. Anschließend kann man beobachten, daß die Schwingung des Beinwells in dem stehenden Feld nachweisbar ist. Baut man nach der gleichen Methode das zweite Feld auf, ist die Beinwellschwingung in der gesamten geomantischen Zone nachweisbar. Wichtig ist hierbei, daß die Steine sofort nach dem Beklopfen gegen weitere Berührungen und Beschädigungen geschützt werden. Man vergräbt sie deshalb an Ort und Stelle, und zwar so tief wie möglich.
Wir finden geomantische Zonen fast überall, sowohl bei prähistorischen, antiken oder mittelalterlichen Anlagen. Erst mit Beginn der Aufklärung in der Neuzeit (Ende des 18. Jahrhunderts) scheint diese Technik vorübergehend in Vergessenheit geraten zu sein.
Unsere abendliche Entdeckung an der bretonischen Küste zeigt eigentlich eine andere Dimension dieser Strahlungslinien. Hier muß über die Rutenarbeit hinaus der Erkenntnisweg der Psychometrie6 beschritten werden. An den markanten Orten, die von solchen "Linien der Hörsamkeit" berührt werden, finden sich auch Punkte, an denen sensible Menschen eine außergewöhnliche Steigerung ihrer Wahrnehmung erfahren. Wir haben an solchen Punkten schon häufig alte Wachtürme, Wachhäuschen oder ähnliche "Diensträume" gefunden7. Kundige Psychometer werden hier verwundert feststellen, daß unsere Vorfahren offenbar über modernste Horchtechniken verfügten. Sobald nämlich diese "Klangkanäle" von unerwünschten Eindringlingen überquert werden, kann eine Person mit geschulter Wahrnehmung auch bei Nacht oder im geschlossenen Raum dies deutlich vor ihrem "inneren Auge" erkennen .
Scheinen diese ersten Erkenntnisse schon recht abenteuerlich zu sein, wird unser Vorstellungsvermögen erheblich stärker strapaziert, wenn wir uns den Leylines zuwenden.

Sonnenaufgang an Beltane
Schon von weitem können wir diese kleine Kirche sehen, die trotzig von einem mit Moos und Gras bewachsenen Felsenhügel auf die ruhige, fast menschenleere Landschaft herabschaut. Hoch über uns jagt der immerwährende Wind graue Wolkenfetzen den Himmel entlang in die Weiten des Dartmoores. "Du liebe Güte, wer baut an so einem verlassenen Platz eine Kirche", wundere ich mich. "Hier war der Teufel wieder im Spiel," gibt mir eine nett gestaltete Hinweistafel am Zugangsweg bereitwillig Auskunft. Unsere ganze Reisegruppe klettert über Steine und an grasenden Kühen vorbei den Weg zu St. Michael auf dem Brentor hoch. In dem für das Dartmoor typischen Licht wirkt die Kirche aus grauem Granit etwas unheimlich. Oben reißen die wilden Windgeister an unseren Jacken, Hosen und Haaren und heulen laut dazu vor Freude.
In der Kirche ist es herrlich ruhig, besonders nach dem Windgebrüll da draußen. Ein wunderbar modriger, erdiger Duft steigt mir in die Nase. Viele von uns haben auf einmal das Bedürfnis, sich zu setzen, Ruhe zu tanken und die hier schwebende Stille ins Herz einziehen zu lassen. Manche schauen sich das bunte Altarfenster an. Dort ist der heilige St. Michael abgebildet, wie er in der Rechten ein nach unten gerichtetes Schwert und in der Linken die Waage der Gerechtigkeit hält. Kein Hüsteln oder Räuspern ist zu hören. Ich habe das Gefühl, in einem Vakuum zu sein. Höchst angenehm! Wieviel Zeit vergeht? Was ist überhaupt Zeit?
Als ich aufschaue, haben die meisten unserer Gruppe die Kirche schon wieder verlassen. "Ein merkwürdiger Ort hier," denke ich und beschließe, einmal um das Kirchlein herumzugehen.
Einige Schritte entfernt, sehe ich unseren Freund Jochen mit der Rute am Boden vor der Kirchenwand knien. "Na, hast du die Leyline gefunden?" frage ich ihn. "Ja, ich glaube schon. Sieh mal hier," antwortet er. Er spannt die Rute und führt sie langsam von der Seite in die vermutete Zone des Leys ein. Interessiert beobachte ich ihn, zumal ich seit unserem letzten Besuch weiß, wo die Leyline verlaufen müßte: Ein paar Zentimeter neben der nordöstlichen Außenecke.
Jochen sucht genau an der richtigen Stelle, gleich muß er sie finden! Doch was geschieht jetzt? Nein .! Kaum taucht die Rutenspitze in die Strahlung der Leyline ein, zuckt die graue Kunststoffgabel nur einmal und ein leises knackendes Geräusch löst die Spannung . Jochen hält plötzlich zwei Teile seiner Rute in den Händen. Sie ist zerbrochen! Ungläubig schaut er auf seine Hände, steht auf und sieht mich fragend an. Hilflos hebe ich meine Schultern und sage: "Sei nicht traurig, aber genau hier ist beim letzten Mal Hartmut auch eine Rute zerbrochen, damals sogar die unzerbrechliche Kohlefaserrute." Fassungslos schüttelt Jochen den Kopf. "Vielleicht hätte ich mich lieber auf das Erfühlen der Linie verlassen sollen," sagt er mit traurigem Blick auf seine Rutenreste.


Die St.-Michaels-Line
St. Michael de Rupe auf dem Brentor ist eines von vielen Höhenheiligtümern im Südwesten Englands. In eigenartiger Häufigkeit findet sogar ein unvoreingenommener Betrachter in der Landschaft eindrucksvoll aufragende Hügel, deren Kuppen von kleinen, aber markanten Kirchenbauwerken geschmückt sind. Auffällig ist weiter, daß diese Bauten - zumindest in den südwestlichen Grafschaften Cornwall, Devon und Somerset - meist dem heiligen Michael geweiht sind, andere wiederum dem heiligen Georg, also Heiligen, denen durchwegs Drachentötungen zugeschrieben werden.
Zwar gibt es in England rund 800 Michaelskirchen, aber Kirche und Hügel von Brentor zeichnen sich durch eine Besonderheit aus: Mit kundigem Auge und Fernrohr bewaffnet, kann man von dort eine Reihe von Landmarken erkennen, die auf einer geraden Linie liegen. Diese Linie markiert am östlichen Horizont den Punkt, an dem zu Beltane (1. Mai) und Llughnasad oder Lammas (1. August) die Sonne aufgeht. Diese beiden Feste waren in der alten Welt besondere Höhepunkte im Jahreslauf. Zu Beltane wurde die Wiederkehr des Sonnengottes (Bel) mit Leuchtfeuern auf den Anhöhen und Riten für die Fruchtbarkeit gefeiert; Lammas, das Schnitterfest, ist das Fest des Lug, des Sonnenkönigs, der mit dem niedergehenden Jahr stirbt, wie der Kornkönig, der mit dem geschnittenen Korn stirbt.8
Der englische Geomantie-Forscher John Michell hatte 1960 zuerst auf diese mysteriöse Verbindungslinie aufmerksam gemacht, die sich natürlich nicht auf Brentor und Umgebung beschränkt, sondern in einem Winkel von ungefähr 27° nördlich von Osten quer durch den Süden Englands verläuft. Weil auf dieser Linie auffällig häufig Michaelskirchen zu finden sind, ist sie in geomantischen Kreisen als St. Michael’s Alignment oder St. Michael’s Ley(line) bekannt.9
Über Leylines ist viel geschrieben worden. In zahlreichen Veröffentlichungen zur Geomantie gehört es zum guten Ton, auf mehr oder weniger gutem Kartenmaterial aufsehenerregende Geflechte geometrischer Figuren zu zeichnen, die bestimmte Plätze (manchmal auch bedeutende) verbinden. Wer aber unterscheidet hier noch, ob es sich nicht um zufällige Erscheinungen oder tatsächlich in ferner Prähistorie angelegte Strukturen handelt? Wir sind der Ansicht, daß dies nur ein geübter Rutengänger unvoreingenommen und im ehrlichen Blindversuch bestätigen kann. Mit diesem Anspruch im geistigen Gepäck haben wir eine Vielzahl von Leylines untersucht und mußten häufig enttäuscht feststellen, daß sich entlang der theoretisch auf Karten fixierten Linien keine mit Ruten erkennbaren Strukturen nachweisen ließen. Bei den schönsten Landschaftspentagrammen, Sternabbildungen und ähnlichen Strukturen bleibt die Rute leider oft ruhig und den Beweis einer energetischen Beziehung schuldig .

Die Leyline im Test
Mit dieser Skepsis sind wir vor Jahren an die Untersuchung des Michaels-Leys herangegangen. Um so größer war unser Erstaunen, daß wir plötzlich an den Stellen des Leys in Strahlungssysteme eintauchten, die unsere bisherigen Erfahrungen bezüglich der Ausdehnung geomantischer Zonen weit übertrafen. Auf einer Breite bis zu 300 m ließ sich der "Energiestrom" deutlich nachweisen - mitunter mit zwiespältigen Rutenerfolgen, wie das geschilderte Erlebnis am Brentor verdeutlicht.
Als wir im Steinkreis von Avebury den Michaels-Ley zum ersten Mal muten konnten, nahmen wir von der Mitte dieser Strahlungszone ein sogenanntes Testobjekt. Dies ist ein kleines Quarzglasröhrchen mit Verschluß, in das wir nichts weiter als sorgsam gewonnene Erde füllten, die allerdings das gesamte Strahlungsspektrum der Schwingung dieser Leyline gespeichert hat. Dieses Testobjekt hilft uns, uns an die Schwingung des Michaels-Leys anzukoppeln und uns vor vielen Irrtümern zu bewahren.10
Die Heiligtümer auf dem Michaels-Ley zu beschreiben, würde Bücher füllen. Eindrucksvoll ist sein energetischer Ursprung, der "Wünschstein" unter der Klosterkapelle von St. Michael’s Mount, dem im Südwesten Cornwalls gelegenen Gegenstück zum Mont St. Michel in Frankreich. Im Gegensatz zu dieser aus touristischen Gründen zur Halbinsel gemachten Attraktion wird der Michael’s Mount weitgehend noch in seiner lieblichen Schönheit durch eine private Stiftung erhalten und gepflegt. Wir untersuchten seine Abstrahlungen und konnten neben der deutlichen Resonanz auf unser Testobjekt auch starke "radioaktive Informationen" feststellen.
Über Brentor verläuft die Leyline durch den Nordwesten des Dartmoores fast schnurgerade bis zum Burrow Mump in Somerset. Der Mump, den eine zerfallene St. Michaels Kirche ziert, soll sogar künstlichen Ursprungs sein und aus rotem Lehm bestehen, einem Material, das erst in einiger Entfernung vorkommt. Auf dem Mump, in der Nähe des Turmes, finden Rutengänger häufig ein Strahlungsfeld, das sie als "Blinde Quelle" deuten. Tatsächlich kann man deutlich die sogenannten Brunnenringe muten, die sich auch um einen echten, von unten aufsteigenden, Wasserstrom bilden. Wir allerdings sind uns sicher, daß jede hier niedergebrachte Bohrung trocken bleiben wird. Wir haben es mit einem künstlich angelegten stehenden Feld zu tun, das möglicherweise sogar aus Steinabschlag des "Wünschsteines" geschaffen wurde. Die stark zu mutende "radioaktive Information" gibt einen Hinweis darauf.
Bei klarem Wetter sieht man in Fortsetzung der Leyline dann den Glastonbury Tor (= Berg). Auch dort ist noch der Turm einer Michaelskirche erhalten geblieben, der Rest des Kirchenbaus wurde im 19. Jahrhundert durch ein Erdbeben zerstört. Der Tor mit seinen Ausläufern war früher eine Insel im Wattenmeer und soll der Legende nach das sagenhafte Avalon der Kelten und der Sitz des Fischerkönigs gewesen sein. Über die große Steinkreisanlage von Avebury und viele weitere interessante Plätze setzt sich die Leyline fort, berührt unter anderem eine weitere große Abtei, Bury St. Edmunds, und erreicht bei Hopton die Nordsee.

Cheesewring
Bei strahlendem Sonnenschein wandern mein Mann und ich durchs Bodmin Moor an den Steinkreisen "The Hurlers" vorbei. Sie sind leider in keinem guten Zustand, viele der Steine sind umgefallen und einige sogar ganz verschwunden. Wir gehen weiter durch die traumhaft schöne Landschaft dieses Hochmoores. Bald erreichen wir die Cheesewring-Steine.
Der Cheesewring (= Käsepresse) ist ein abgewitterter Steinhaufen aus Granit, der von allen Naturkräften bearbeitet wurde. Noch immer ist er den Einflüssen der Elemente ausgesetzt. Windgesellen und Regenfrauen haben aus dem Felsen wie spielerisch riesige Steinplatten geformt, die einen Durchmesser von drei bis vier Metern haben. Wie gigantische Käseringe sind sie aufeinandergetürmt.
Mir fällt ein großer Felsen auf, der eine Ausbeulung hat. Auffällig ist, daß die Verwitterungsspuren hier völlig anders wirken als bei den anderen Steinen. Auch der eigenwillige Flechtenbewuchs springt sofort ins Auge. Auf dieser seltsamen konvexen Ausbuchtung bemerke ich ein großes Kreuz, gebildet aus unregelmäßigen Einkerbungen. Es ist schwer zu sagen, ob es durch Verwitterung entstanden ist. Oder wurde es doch hineingemeißelt? Ohne noch viel darüber nachzudenken, lege ich meine Stirn mit dem Punkt, der Drittes Auge genannt wird, auf die Mitte des gleichschenkligen Kreuzes. Ich schließe die Augen und konzentriere mich auf das Kreuz, welches ich deutlich an meiner Stirn fühle. Plötzlich "sehe" ich einen langen, dunklen Tunnel, und an seinem Ende leuchtet ein wunderbares blaues Licht. Ich schaue intensiver hin, und wie mit einer Kamera, die das Motiv näher an den Betrachter rückt, wird der runde, blaue Ausschnitt näher an mein Auge geholt. Es ist mir gleich, wie das geschieht, statt dessen bin ich fasziniert, wie sich in dem blauen Licht etwas bewegt. Auf und ab, auf und ab. Oh, es ist das Meer! Ein frischer Wind wirbelt an meine Stirn und bringt den Duft von Fisch und Tang mit. Eine Möwe schreit! Tief atme ich ein und . ich höre eine Stimme, und wie an einem Gummiband schnellt mein Bewußtsein blitzartig zurück durch den Tunnel in meine Stirn. Verwundert öffne ich meine Augen und trete einen Schritt vom Stein zurück.
Mein Mann sitzt mit einer topographischen Karte der Gegend auf dem spärlich bewachsenen Boden. "Das probiere ich auch," sagt er auf meine Erzählung hin, und legt seine Stirn an das Kreuz im Stein. "Den langen Tunnel und das blaue Licht habe ich auch gesehen. Erstaunlich!" berichtet er später. Natürlich kramt er jetzt seine Rute hervor und kann genau an dem Steinkreuz die Mitte einer Leyline feststellen und deren Richtungsverlauf bestimmen. "Ob man durch diesen Tunnel auch Nachrichten übermitteln kann? Wenn ich bloß wüßte, wo das Ende ist. Komm, wir sehen mal auf der Karte nach," überlege ich laut. Der gemutete Verlauf der Leyline weist vom Cheesewring aus - genau in Richtung St. Michael’s Mount. Wir sind auf den Michaels-Ley gestoßen! Vor meinem inneren Auge erscheint noch einmal das blaue Meer in der Mount’s Bay mit der malerischen Felseninsel und ihrem Schloß, um das weiße Möwen kreisen ... Es ist gerade Flut.