Strahlende Geheimnisse

Geomantische Zonen und das Ley-Phänomen - Erfahrungen und Studien

von Hartmut Lüdeling , Ingeborg M. Lüdeling erschienen in Hagia Chora 2/1999

Die Radiästheten und Autoren Ingeborg und Hartmut Lüdeling sind seit vielen Jahren dem Geheimnis der Leylines auf der Spur. Sie begnügen sich nicht damit, gerade Linien in Karten einzutragen, sondern untersuchen vor Ort, welche für den Menschen wahrnehmbaren Phänomene in Ley-Systemen tatsächlich wirken.

Wieder neigt sich ein herrlicher Urlaubstag seinem Ende zu. Wir wollen den Abend genießen, ziehen uns warme Jacken an und wandern an Äckern und Wiesen vorbei. Die Vögel singen. Richtige Urlaubsstimmung umfängt uns, als wir das Meer riechen. Noch einige Minuten, und wir haben einen grandiosen Ausblick in die Bucht St. Cast-le-Guildo. Still und friedlich liegt das Wasser spiegelglatt vor uns in der Abendsonne. Die wenigen Wölkchen am Himmel haben zartrosa Ränder. Orange- und türkisfarbene Schlieren wehen über uns dahin. Der markante Pointe de St. Cast an der Côte d’Emeraude in der Bretagne ist erreicht.
Mein Mann geht einige Meter vor mir. Ich trödle immer gern etwas herum, um alles, was am Wegesrand so kreucht, fleucht und blüht, sehen zu können. Gerade gehe ich einen Schritt weiter, als ich Glocken läuten höre. Wie schön! Unwillkürlich schaue ich mich um. Wo ist die dazugehörige Kirche? Da ich auf den Klippen der Landzunge stehe, kann ich im Westen das Fort la Latte in der Nähe von Cap Fréhel sehen und im Osten die ganze Bucht überblicken. Keine Kirchturmspitze ist zu entdecken. Ich lasse es auf sich beruhen und gehe zwei, drei Schritte weiter. Fast schlagartig verstummt das Geläut. Nanu? Ich gehe wieder etwas zurück. Sofort höre ich das Läuten! Wie kann das sein? Irritiert mache ich nochmals einen Schritt nach vorn. Stille! Wieder einen Meter zurück, und schon höre ich die mysteriösen Glocken. Merkwürdig, das Gelände ist doch ganz frei und völlig ohne Hindernisse.
Ich rufe meinen Mann und zeige ihm dieses Phänomen. Gemeinsam suchen wir mit unseren Augen die Kirche, die dieser Stelle ihren Klang schenkt. In etwa acht Kilometern Luftlinie sehen wir am Ende der Bucht, weit im Inland, einen Kirchturm. Begeistert rufe ich: "Oh, wir haben eine Hörzone gefunden!" Unser Forschergeist war geweckt, und wir müssen diesen Klangkanal untersuchen!
Da mein Mann ohne seine Kohlefaserrute nirgendwohin geht, kann er gleich alles radiästhetisch untersuchen. Er staunt, als er deckungsgleich mit meinen Höreindrücken "Akustiklinien" entdeckt. Bis kurz vor dem Dunkelwerden sind wir beschäftigt, und zum Glück haben wir Papier, Bleistift und Kompaß dabei, so daß wir unsere Untersuchungen einmessen und aufzeichnen können.
Zurück in unserem Wohnmobil, tragen wir Ort und Richtung in unsere Karte ein. Die Kirche, von der das Glockengeläut ausging, muß in dem Dorf Lancieux stehen. Dahinter können wir auf gerader Linie noch eine weitere Kirche ausmachen. Zur anderen Seite hin verlängert, finden wir auf der Verbindungslinie genau auf einem markanten Klippenvorsprung das Fort la Latte. Alle Objekte lassen sich mit einem Lineal verbinden, ein Zufall?

Geomantische Zonen
Zwischen Steinsetzungen, Grenzmarkierungen oder auf alten Straßen und Wegen finden Rutengänger immer wieder Strahlungszonen, die weite Strecken meist schnurgerade überbrücken. Im Gegensatz zu den bekannten Wasseradern und anderen aus der Erde austretenden Strahlungsfeldern verlaufen diese Linien oberhalb der Erdoberfläche, sind aber ansonsten genauso deutlich mit Rute oder Pendel zu finden.
Bis in dieses Jahrhundert ist belegt, daß die Gilde der "Feldgeschworenen" mit speziellen Ruten regelmäßig nachgeprüft hat, ob die Grenzsteine noch an den richtigen Stellen stehen. Die Prüfung der Ortsgrenzen, die in Vorzeiten sogar als "heilig" und unverletzlich angesehen wurden, ist heute noch in vielen Gegenden regelmäßiger Brauch. In Westfalen wird diese Tradition Schnat- oder Schnadegang genannt. Ein besonderes Ereignis dabei ist vor allem für Neulinge das "Polläsen". Dabei wird der arme Neuling an einer alten Grenzmarkierung von kräftigen Mitschnadegängern an Armen und Beinen hochgehoben und mit viel Gejohle mehrmals auf den Grenzstein fallengelassen. Die blauen Flecken an seinem Gesäß sollen ihn noch lange Zeit daran erinnern, wo der Grenzstein zu stehen hat.

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