Vedanda

Vedische Prinzipien bei der Neugründung einer Siedlung

von Wolf-Dieter Blank erschienen in Hagia Chora 2/1999

Nicht alle Tage ergibt sich die Gelegenheit, daß eine neue Stadt von Grund auf nach geomantischen Gesichtspunkten geplant werden kann. Wolf-Dieter Blank berichtet von seinem faszinierenden Projekt in Südspanien.

Die alte Verbindungsstraße von Malaga nach Granada, die sich über mehrere Bergmassive schlängelt, ist ein geschichtsträchtiges Verbindungsglied zwischen der schönen Hafenstadt Malaga und der von maurischer Kultur geprägten Bergstadt Granada. An dieser Straße liegt auf etwa 800 m Höhe mit einem rund 2000 m hohen Bergmassiv "im Rücken" ein Gelände mit faszinierendem Panoramablick in die umgebende Bergwelt mit ihren weißen Dörfern, Haziendas und dem Meer am Horizont. In Nachbarschaft zu mehreren Naturschutzgebieten findet man hier ein vielfältiges Landschaftsbild, das urwüchsige Kraft, aber auch Zartheit und Sensibilität vermittelt: Steinwüsten, südländische Pflanzen wie Eukalyptus, wilder Oregano oder Oliven, natürliche Kräutergärten, Felsschluchten, Gebirgsrinnsale, Felsformationen und alte Wegtrassen prägen den Charakter des Landstrichs.
An einem Abhang befindet sich hier eine Fläche von gut 90 Hektar Größe, die auf Wunsch der Eigner nach einem natur- und landschaftsintegrierten Konzept bebaut werden soll, das auf altem Wissen von Naturgesetzmäßigkeiten basiert und das die städtebauliche Zielsetzung, Harmonie zwischen der Landschaft und der Physiologie des Menschen zu schaffen, verwirklicht.

Der Veda
Kaum ein Konzept des Wissens über das Leben kann als universeller angesehen werden als das des Veda (Sanskrit: Wissen). Seine vielfältigen Aussagen berühren alle Aspekte des Da-Seins, vom Fein- zum Grobstofflichen, vom Wissen des Handelns (Karma) bis zum Wissen über die Physiologie des Menschen und ein gesundes Leben (Ayurveda), von der Kunst der Staatsführung (Dhanurveda) bis zur vedischen Mathematik und Astronomie, von der "himmlischen" Musik (Gandharva) bis hin zur versteinerten Musik, der Architektur. In den handwerklichen Künsten der vedischen Architektur, die Silpa Sastras, das Vastu Vidya und das Sthapathya, liegt ein tiefes, zeitloses Wissen begründet, das interkulturell einsetzbar ist, da es sich am "kosmischen Bewußtsein", an den Naturgesetzen der Erde und den Einflüssen von Sonne, Mond und den Planeten orientiert. Dies bedeutet z.B. Ausrichtung an den Magnetfeldern der Nord-Süd-Achse, Ostung der Gebäude, Beachtung der Geomantie der Landschaft oder der Kräfte des Bodens, wie sie sich an den Pflanzen, Bodenformationen und Farben, im Gelände und seiner Struktur ausdrücken.

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