Tanz der Masken
Theater für die Erde
Die Gesänge sind verstummt. Das zikadenhafte Schrillen der Instrumente ist erloschen. Ein Zug von Menschen hat sich zur kleinen Waldlichtung aufgemacht und ist zur Ruhe gekommen. Die Dämmerung hat die Linien und Farben der diesseitigen Welt verschlungen. Jetzt geht ein Murmeln durch die Menge - die Wesen der Zwischenreiche erscheinen zwischen Felsen, am Ufer des Sees und bei den Wurzeln alter Bäume . Der Schauspieltherapeut und Geomant Deert Jacobs nutzt den Tanz der Masken als geomantisches Verfahren.

Wer heute den Gang ins Theater wagt, wagt nichts mehr. Das Geschehen auf der Bühne hat keine Wirkung mehr auf die Wirklichkeit. Dem Zuschauer werden zwar noch die Sinne und der Geist umspielt, aber er wird in seiner gesamten Existenz nicht mehr angesprochen. In alten Zeiten war Theater noch heiliges Spiel, in dem der Mensch sich selbst erkennen und entwickeln konnte. Auch war die Bühne gegenüber den Zuschauern noch nicht abgegrenzt, so dass Bühne, Spieler und Zuschauer eine Einheit bildeten. Die Aufgabe der Schau-Spieler war es, auch das ins Verborgene Gedrängte, zutiefst Menschliche ins Tageslicht des Bewusstseins zu spiegeln. Sie vermieden die alltägliche Sprache, da sie wussten, dass Worte dazu missbraucht werden, lebendig Gewebtes in tote Muster zu verwandeln. Sie sprachen mit den Augen, dem Gesicht, mit Händen und Füßen und mit der Kraft ihrer Herzen. Sie unterwarfen sich nur den undurchschaubaren Gesetzen der Natur und spielten sich den Weg frei zu den Quellen der menschlichen Existenz. So war auch der Ort, an dem die Weihespiele stattfanden, zumeist im Freien. Entrückt vom Alltäglichen war das Theater den Einflüssen des Himmels, der Erde und der Atmosphäre ausgesetzt. Die umgebende Landschaft war nicht nur Kulisse, sondern fügte sich als weitere Mitspielerin in das Geschehen ein. Der Ort, der Wind und der Regen, die Sonne und die Konstellation der Sterne, alle und alles Anwesende hatte Teil und teilte sich mit. Doch die Zeit der alten Mysterienspiele ist vorbei. Ich frage mich, welche Möglichkeiten und Aufgaben Theater heute haben kann und versuche einen Brückenschlag zwischen dem Theater und der Geomantie. Ich bin der Ansicht, dass beide Künste nicht nur viel voneinander lernen und sich ergänzen können, sondern dass sie von ihrem Ursprung her verwandt sind. Theater entsteht für mich aus der Beziehung, die sich zwischen Spieler und Raum bildet. Die Aufgabe des Spielers ist es, sich auf den Raum einzulassen und von ihm geführt zu werden. Nur gemeinsam mit ihm kann er ein wirkliches Bild kreieren. Kommt der Spieler den Kräften des Raumes zu sehr nach, so verliert und verstrickt er sich in dessen Vergangenheit. Steht andererseits der Spieler dem Raum zu wenig zur Verfügung, so ist der Ort um seine Entwicklung betrogen. Das Spiel hat für ihn keinen Nutzen. Bei dem Theater, zu dem ich tendiere, sind Spieler und Raum Partner, die sich gegenseitig fördern und voneinander lernen.
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