Res publica
Der neue Reichstag in Berlin - Kraftort erlebbarer Demokratie
Die moderne Geomantie bemüht sich heute nicht allein um Landschafts-, Bau- und Lebensraumoptimierung. Auch Großbauten und Stadtplanung lassen sich geomantisch beurteilen. Berlin-Kenner Hans-Jörg Müller betrachtet das Werden der neuen Bundeshauptstadt. Am Beispiel des neu eröffneten Reichstags wagt er eine geomantische Interpretation des möglichen Einflusses des Gebäudes auf Politik und Bewusstsein der Gesellschaft.
(Das ungekürzte Original-Manuskript finden Sie unter: http://www.geomantie.net/downloads/archiv/reichstag1.html )

Der Berliner Reichstag war schon immer ein Brennpunkt deutscher Geschichte. Scheidemann rief hier die Republik aus, die rote Fahne der Sowjetunion auf dem Reichstag markierte das Ende des Krieges, Ernst Reuter rief hier sein "Völker der Welt, schaut auf diese Stadt", und er bot die passende Kulisse für die Wiedervereinigungsfeier. "Sitz des Deutschen Bundestages ist Berlin". Diese Entscheidung fiel vor mittlerweile über sieben Jahren. Am 19. April des letzten Jahres fand die erste Sitzung des gesamtdeutschen Parlaments im neuen Reichstag statt. Zuvor gab es Bedenken vor der Übernahme eines Gebäudes, das schon als "Lesebuch der deutschen Erinnerungen" beschrieben wurde, etwa dass Schwere und Tragik der Geschichte übernommen würden und der gesunde Pragmatismus der "Bonner Republik" verlorenginge - bisher jedoch unbegründet: Der Reichstag steht frei und souverän da als Star der neuen Hauptstadtbauten und als Publikumsmagnet. Wie aber wird der Bau als geistiger Fokus des politischen und gesellschaftlichen Bewusstseins heute wirksam? Welche unbewussten Schichten seiner Realität können uns heute erfassen? Die Geomantie versucht Antworten: Regierungsgebäude repräsentieren die materiellen und geistigen Aspekte eines Staatswesens. Deshalb haben Herrscher aller Zeiten besonderes Augenmerk auf ihre Bauten gelegt und sie nach geomantischen oder geodätischen Richtlinien präzise erstellen lassen. So Pharao Echnaton, der eine neue Mitte der Welt gründete, der Palast in Peking mit dem Kaiser als lebendige Mitte, Kaiser Karl der Große, der Aachen als neue Hauptstadt in ein kosmisch-planetarisches Bezugssystem einfügte. Solche Vorgehensweisen fanden beim Reichstagsbau eindeutig keine Anwendung; umso mehr ist aus der Perspektive der Geomantie zu fragen, ob der Reichstag heute für die Zukunft des Landes bedenkliche, angemessene oder gar erfolgsverheißende Einflüsse verspricht.
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