Bewusstsein erschafft Raum

Möglichkeiten einer geomantischen Neuorientierung

von Manfred de Vries erschienen in Hagia Chora 4/1999

Eine der größten Herausforderungen im Bauwesen unserer Zeit sieht Manfred de Vries darin, Räume zu schaffen, die das Wachstum des Bewusstseins unterstützen, indem sie von Anfang auf diese wichtige Funktion hin geplant werden.

Viele Jahrhunderte hatte der Mensch Glück und Leid nur nach außen projiziert. Wenn er zu Gott gehen wollte, ging er zu seinen Stellvertretern in die Kirchen und Tempel. Wir dachten, dass es immer die Anderen sind, die zu unserem Glück (Lottogewinn, Hochzeit) oder Leid (Bankrott, Unfall) beitragen. Dass wir selbst die Erbauer unseres Turmes sind, war und ist den meisten Menschen noch gar nicht klar. Dabei gab es immer Menschen, die den Weg nach innen gegangen sind. Sie lebten eine spirituelle Praxis vor und gaben ihr Wissen an Suchende weiter. Die Essenz ihrer Aussagen läßt sich mit wenigen Worten ausdrücken und auch auf die Gestaltung von Räumen übertragen: "Wie innen, so außen - wie oben, so unten". Nahrung, Kleidung und Unterkunft sind unsere grundlegenden Bedürfnisse im Leben. Wenn wir zu essen haben, warm gekleidet sind und ein Dach über dem Kopf haben, sind unsere materiellen Grundbedürfnisse befriedigt. Danach können wir unsere spirituellen Bedürfnisse kennen lernen. Allgemein könnte man sagen, dass wir zur Befriedigung unserer Bedürfnisse das ganze Leben lang - meistens unbewusst - versuchen, "zur richtigen Zeit am rechten Ort das Richtige zu tun oder sein zu lassen". Wir werden in Raum und Zeit hinein geboren und bewegen uns entweder bewusst oder unbewusst darin, was uns zu Opfern oder Meistern von Raum und Zeit werden lässt. So kann es auch sein, dass man meint, das Rechte zur richtigen Zeit zu tun, und dann merkt, dass es nicht der richtige Ort ist. Also sollte man vielleicht eher bleiben lassen, denn es berücksichtigt nicht alle der Faktoren - Zeit, Ort, Tun und Sein. Wir gehen unser Leben lang auf einem Seil; wir sind Drahtseilkünstler in Raum und Zeit. Im Gegensatz dazu gibt es noch die andere Sichtweise, die sagt, dass alles, was auch immer wo und wann passiert, richtig ist, denn sonst würde es nicht geschehen. Also könnten wir auch alle nichts tun? Ein passives "Nichtstun" endet schließlich in negativer Gleichgültigkeit dem Leben gegenüber. Es gibt aber eine kreative Gleichgültigkeit, in der alles gleiche Gültigkeit und Daseinsberechtigung hat, die ihren Ursprung im Verständnis vom Nicht-Tun hat. Dieses gemeisterte und gelebte Nicht-Tun an Stelle von Nichtstun ist es schließlich, was uns irgendwann befähigt, zur richtigen Zeit am rechten Ort das Richtige zu tun. Unser Autopilot ist dann immer angeschaltet.

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