Lebewesen Wasser

Schlüssel für innere und äußere Ökologie

von Urs Honauer erschienen in Hagia Chora 5/2000

Mehr als zwei Drittel der Oberfläche unseres Planeten bestehen aus Wasser. Auch unser Körper besteht zu mehr als zwei Dritteln aus dem nassen Element. Urs Honauer sieht in dieser Analogie von Makrokosmos und Mikrokosmos, dass dem Wasser im Innen wie im Außen zentrale Bedeutung für ein Leben im natürlichen Gleichgewicht zukommt.

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Wasser aus einer Bergquelle ist nicht gleich Wasser vom Leitungshahn in der Großstadt. Der Unterschied ist gewaltig. Kein Wunder, angesichts des Um-Feldes, aus dem der wertvollste Gast der Erde fließt: Oben in der freien Natur quirlt das durchsichtige Nass durch die Ritzen von Gesteinen, tanzt es mit den Schwingungen der Mineralien, bejubelt es die gute Luft, jauchzt es in drehender Bewegung in die grenzenlos scheinende Freiheit der Natur. Unten in der dumpfen Röhre wird es scheinbar endlos zusammengepresst, auf engstem Raum in Isolierhaft gehalten. Das Feld ist grau und kalt, kein Sonnenstrahl findet seinen Weg ins längste Gefängnis der Welt. Wer Wasser als ein Lebewesen sieht, denkt an eine psychische Form der Folter. Wer Wasser als eine statische Formel versteht, für den fließt einfach das Nutzmittel H2O aus der Röhre - so wie für ihn H2O oben aus dem Berg quillt. Das Gefühl, die Empfindung, die mit der Wahrnehmung an den beiden genannten unterschiedlichen Polen entstehen, zählen nicht - als wäre ein enger, dunkler, verrauchter Raum das gleiche wie ein weiter, heller, sonnendurchfluteter, leichter Raum - einfach ein Objekt mit vier Wänden ohne Seele. Geomantie in diesem eindimensionalen Denken bliebe Hokuspokus - weil die Schwingungsebene vernachlässigt wird. Die Welt spielt sich einseitig im Neocortex ab, dem Hirnzentrum unseres Intellekts. Vergessen wird dabei, dass wir auch noch zwei andere Schlüsselzentren in unserem Gehirn haben: das Mittelhirn (oder das Säugetierhirn) als Schaltstelle des emotionalen Empfindens und das Reptilienhirn als Zentrum unserer primären, "niederen" Bedürfnisse. Wer sich auf die Schwingungsebene begeben will, braucht Kontakt zum limbischen System. Wir brauchen eine Art von "Geomantie im Gehirn" (das zu 90% aus Wasser besteht), um ganzheitlich wahrzunehmen. Wenn der berühmte Schweizer Erzieher Johann Heinrich Pestalozzi einst das Gleichgewicht von Kopf, Hand und Herz forderte, dann verlangte er im Prinzip genau nach diesem Ausgleich der drei Gehirnzentren, die ja auch in der Evolution der Menschheitsgeschichte zentral sind.

Die Falle H2O
Die Wissenschaft hat mit der weltberühmten Formel H2O eine Größe geschaffen, die fast unbestritten als Synonym für Wasser gilt. Zwei Wasserstoffatome und ein Sauerstoffatom bilden zusammen ein Molekül, das als unveränderlich gilt und logisch klassifizierbar wird. Niemand kommt in diesem mechanistischen Gedankengebäude auf die Idee, Wasser als etwas Lebendiges, als etwas Beseeltes anzusehen. Die Seele hat ihr Zuhause im limbischen System, also im Mittelhirn - um hier nochmals das geomantische Gehirnmodell als Erklärung anzubringen, wieso in der Neocortex-Gesellschaft dieser Teil ausgeblendet wird. Wer Wasser von diesem Zentrum aus beobachtet, der nimmt mit feinem Gespür qualitative Unterschiede wahr. Daniel Goleman hat dafür den Begriff der "emotionalen Intelligenz" geschaffen. Emotionen und Wasser haben sehr viel miteinander zu tun. Beide können ihren Zustand auf Grund von äußeren Einflüssen in Sekundenbruchteilen verändern. Emotional empfindsame Menschen sind sehr wässrige Menschen. Am besten erkennen wir das bei Neugeborenen (die zuvor die ersten neun Monate ihres Lebens im Frucht-Wasser der Gebärmutter verbracht haben) - sie haben den Neocortex noch überhaupt nicht entwickelt, sie denken nicht logisch, sondern nehmen in erster Linie über Schwingungen wahr. Intuitiv finden sie nach der Geburt den Platz an der Mutterbrust. Ihr Emotionalkörper hat sie dorthin geführt, ihre Wasser-Intelligenz. Wenn wir von Delphinforschern hören, dass Kinder und Delphine sich außergewöhnlich gut verstehen, dann ist das nichts anderes als ein Ausdruck des Resonanzgesetzes: Hier treffen zwei Lebewesen aufeinander, die in der gleichen Weise kommunizieren. Delphine verkörpern die Welt des Säugetierhirns in vollendeter Meisterschaft.

Wasser und Wein
In der Sozialisation geht in unserer rational ausgerichteten Welt der Kontakt zu dieser Wasserwelt verloren. In der Schule zählen eigentlich nur noch die logisch fundierten Fächer, die Welt der Muse als Heim der Wasserqualitäten wird abgewertet. Recht haben entscheidet sich im Kopf - die ganze Juristerei ist darauf aufgebaut. Ihr Denken prägte die Welt allzu lange (Juristen sind als Berufsstand auch in der Politik in einem überdurchschnittlichen Ausmaß vertreten). Trotz perfektionierter IQ-Manie hat sich aber das Glücklichsein damit nicht einstellen lassen. Der EQ (emotionale Quotient) nach Goleman verlangt immer nach seinem Platz. Das Irrationale will gelebt sein und damit auch eine Essenz des Wassers, dieser irrationalsten aller chemischen Verbindungen: Wasser sucht sich nie den direkten, geraden Weg. Wenn an Fußball-Weltmeisterschaften auch die normalerweise nicht Fußball-interessierten Intellektuellen zu absoluten Fußball-Freaks werden, dann tauchen sie in ein stark von diesem nicht-linearen Grundwesen geprägtes Feld ein. Das Kapital kann den Fußball noch so sehr zu kanalisieren versuchen - ob der entscheidende Ball im Tor landet, ist damit aber nie und nimmer gewährleistet. In diesem Sinne ist das Phänomen Fußball eigentlich ein Ausdruck des Phänomens Wasser mit seinen nicht kontrollierbaren Eigenschaften. Ein anderer Bereich, in dem auch für Neocortexianer die Empfindungswelt hoch bewertet wird, ist die Welt des Weines. Beim Degustieren werden die Unterschiede von einem Tropfen zum nächsten unter der Zunge herausgearbeitet - ob ein Wein exzellent ist, entscheidet nicht der Verstand, sondern die Empfindung. Wer Wein einfach als Wein abklassiert, gilt als Banause - weil er eben das nicht kontaktieren kann, was mit guter innerer Raumschwingung umschrieben werden könnte. Beim Degustieren des Weines geht es letztlich darum, das Feng Shui eines beliebten Getränks zu ergründen. Nicht anders ist es beim Wasser, wenn es einmal analog zum Wein kontaktiert wird. Wenn die Sprache aber aufs Degustieren von Wasser kommt, ist weit und breit erstauntes Stirnrunzeln auszumachen. Wasser? Meinen Sie das ernst? Sieben Wässer sollen bei einer Gaumenprobe sieben unterschiedliche Gouts haben? Der Verstand sagt nein, die emotionale Intelligenz der Geschmacksnerven kommt aber zu einem anderen Schluss, wie ich in meinen Wasserseminaren immer wieder feststellen kann: Alle Testpersonen merken Unterschiede bezüglich der Qualitäten. Das eine ist außergewöhnlich weich, das andere wirkt fast ein bisschen ölig, das dritte hat einen fahlen Nachgeschmack, das vierte ist kraftvoll wie ein Stück frischer Bergkäse, das fünfte wirkt, als ob ein Stück Karton gekaut würde. Das sechste ist wieder ganz anders, hat ein rundes Bouquet und löst tiefes Wohlbefinden aus. Das siebte schließlich will nicht so recht die Kehle hinunter - der Körper will von sich aus das tun, was bei Weinproben als Schutz vor Trunkenheit offiziell geraten wird: er spuckt es aus.

Subjekt Wasser
Die Quintessenz des eben beschriebenen Phänomens ist einfach: Es gibt so viele verschiedene Wassertypen wie es verschiedene Menschentypen gibt. Von den Schneeflocken weiß selbst die Wissenschaft seit einigen Jahren, dass jede einzelne eine andere innere Struktur hat. Von den Wassertropfen hat man das bisher zwar auch angenommen oder aus einem bewussten Umgang mit dem Phänomen Wasser behauptet - ohne jedoch einen sichtbaren Nachweis erbringen zu können. Diese Zeiten sind nun aber vorbei, seit der japanische Wasserforscher Masaru Emoto seine exklusiven Bilder von molekularen Wasserstrukturen veröffentlichte. Im gefrorenen Zustand bei Temperaturen von Minus vier Grad Celsius gelang es seinem Forscherteam, den verschiedenen Wässern ihre ganz individuellen Gesichter zu geben. Wasser aus Paris präsentiert sich im Bild ganz anders als Wasser aus New York oder London. Wasser am Anfang eines Flusses zeichnet ein anderes Bild als das Wasser an der Mündung. Die gleiche Wasserprobe zeigt unterschiedliche Formen, wenn sie mit unterschiedlicher Musik berieselt wird. Bachs Goldberg-Variationen unterscheiden sich diametral von einem Heavy-Metal-Sound. Auch Gedanken wirken auf die Strukturen eines Wassers: Bei Liebe und Freundlichkeit entstehen helle, eindrucksvolle Figuren, die an Edelsteine oder Mandalas erinnern, bei Hass und Verachtung hingegen dunkle, krebsartige Geschwülste, die einen schaudern lassen. Emotos Verdienst ist enorm: Er hat es geschafft, die so unterschiedlichen Wesen von Wasser sichtbar zu machen. Der ständige Tanz der Molekularstruktur im Wasser, wie er in der von alternativen Wasserforschern erkannten Cluster-Theorie zentral ist, wird damit erstmals richtig fassbar. Das erst in englischer und japanischer Sprache vorliegende Buch "The Message from Water" erklärt nicht nur das innere Wesen des Wassers, sondern liefert zugleich eine Erklärung dafür, wieso beispielsweise die Homöopathie als Modell einer schwingungsmäßig fundierten Medizin Veränderungen bewirken kann oder warum die legendären Wässer aus Lourdes eine derart geheimnisvolle Kraft in sich tragen, indem es die Struktur des Lourdes-Wassers als eine Kette von Edelsteinen sichtbar macht. Emoto zeigt auf, wie im Wasser immer wieder Strukturen von universalen Geometrien auftauchen. Gesundes Wasser trägt die Pakuas und Sonnensymbole, wie wir sie aus dem Feng Shui kennen, in sich.

Vom Makro- zum Mikrokosmos
Die Bilder aus Japan sind ein Spiegel aus der makrokosmischen Ebene. Wenn wir diese Bilder der äußeren Ökologie nun auf die Ebene der inneren Ökologie des Menschen projizieren, dann wird uns klar, wie sehr äußere Einflüsse mit ihren spezifischen Schwingungen unser Menschsein beeinflussen. Auch unser Menschenwasser trägt solche strukturellen Bilder in sich, und Masaru Emoto will in absehbarer Zeit den visuellen Beweis erbringen, wie auch wir als Lebewesen solche Bilder in uns tragen. Wir reagieren in unserem Wasserkörper ebenso auf Klänge, Bilder oder Inhalte. Wenn wir uns ein schönes Umfeld mit einer angenehmen Schwingung kreieren, lassen wir in uns jene Kristalle entstehen, die eine intakte Natur auszeichnen. Das Wasserpotenzial in uns sucht sich seinen einzigartigen Ausdruck. Der Mensch ist letztlich nichts anderes als ein weiteres Gewässer, das sich in der freien Natur seinen Weg sucht. Dieses Bild vermittelt, dass es im Leben darum geht, seinen eigenen Wasserkristall entwickeln und ausreifen zu lassen. Erziehung und Bildung bestehen dann darin, ein geschütztes Umfeld zu kreieren, in dem sich die Heranwachsenden so entwickeln dürfen, dass sie ihre ganz individuelle Wasserstruktur ausdrücken können. Der standardisierte Mensch ist so immer nur ein unfertiges, nicht in voller Blüte stehendes Lebewesen. Um einer Norm zu genügen, wird das Normale angestrebt und in Schule und Bildung herbeigezüchtet. Das Lineare dominiert dieses Verständnis vom Umgang mit Heranwachsenden - womit ein Weggehen von den Gesetzen der Wasserwelt vollzogen wird. Das Besondere wird an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Die Genialität der Natur
Wer sich etwas Zeit nimmt und dem Wasser draußen in der Natur zuschaut, erkennt bald, dass die Sprache des Wassers nicht linear ist. Flüsse, Bäche und Rinnsale winden sich in mäanderhafter Form durch Wiesen und Felder. Wellen an Seen oder Meeresstränden schlagen immer wieder anders ans Ufer - das Wasser und seine Eigendynamik stehen auch für das Unberechenbare und Paradoxe in der Natur. Wasser ist nicht bei jeder Temperatur gleich flüssig, selbst bei Temperaturen über null Grad nicht. Am flüssigsten und labilsten ist es bei 37 Grad Celsius - also genau im Bereich der menschlichen Körpertemperatur. Wie genial die Natur in sich organisiert ist, zeigt auch die Tatsache, dass bei einer Temperatur zwischen 36 und 37 Grad Celsius eine größere Energiemenge als sonst aufgewendet werden muss, um Wasser um ein Grad zu erhitzen. Diese Anomalie dient dem Menschen und anderen Warmblütern als Sicherheitszone. Der Körper befindet sich also von Natur aus in jenem Temperaturbereich, in dem die Chancen für das Eliminieren von Störfaktoren besonders groß sind - weil mehr Zeit als anderswo zur Verfügung steht. Auch andere Anomalien des Wassers sind für den Menschen und seine Umwelt existenziell. Als einzige chemische Verbindung wechselt Wasser zwanglos seinen Aggregatszustand zwischen fest, flüssig und gasförmig. Beim Gefrieren fällt das Paradoxe des Wassers besonders auf. Im Wechsel vom flüssigen in den festen Zustand dehnt es sich aus, was ganz im Gegensatz zum Verhalten von verwandten Substanzen steht. Wasser erweitert sich, statt sich zu verkleinern. Seine höchste Dichte und damit das größte Gewicht hat es bei vier Grad Celsius. Weil Eis eine niedrigere Dichte hat, ist es leichter und schwimmt auf dem Wasser. Wäre die Dichte größer, würde ein See von unten nach oben gefrieren - das aber hätte für die Lebewesen verheerende Folgen: Fische und Seepflanzen könnten im Winter nicht mehr überleben, und die Fauna würde zerstört. Die Natur hat sich also ihr ganz eigenes Feng Shui kreiert, um Wohlbefinden für alle zu garantieren - und das Wasser spielt dabei eine entscheidende Rolle. Es könnte noch eine lange Reihe weiterer Anomalien des Wassers aufgelistet werden, um diese These zu untermauern. Doch dafür fehlt an dieser Stelle der Platz.

Wasser und Komplementärmedizin
Wenn wir davon ausgehen, dass Wasser von innen her weiß, welche Bewegung und Dynamik es braucht, um sich vollkommen auszudrücken, dann ist das so etwas wie ein Blue Chip der Natur für ein Leben in Ganzheit und Vollendung. Auf die Gesundheit des Menschen bezogen bedeutet das, diesen inneren Fluss zuzulassen. In der so genannt zivilisierten westlichen Welt geht diese Qualität meist im Laufe der Sozialisation verloren. Die Raumenergie im Menschen gerät aus der inneren Balance. Das menschliche Feng Shui wird gestört. Unglücklichsein, Krankheit, Frustration und Zerfall sind die Folgen. Die Schulmedizin in ihrer bestehenden, rein rational ausgerichteten Form versucht dem mit Mitteln entgegenzutreten, die das Dilemma noch verstärken. Die Gesetze und Geheimnisse des Wassers werden in diesem medizinischen Denken zum größten Teil ignoriert. Anders ist das im boomenden, breiten Feld der Komplementärmedizin: Sie versucht auf sehr unterschiedliche Weisen, die menschliche Raumqualität wieder zu harmonisieren. Wenn in bestimmten alternativ-medizinischen Kreisen bewusst von der Energiemedizin als der Medizin der Zukunft gesprochen wird, dann ist das nichts anderes als ein Ausdruck dafür, die Raumenergie im Körper des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und zu optimieren. Energiemedizin ist letztlich nichts anderes als Feng-Shui-Medizin oder die Geomantie des Menschen. Weil der Mensch je nach Lebensalter zu 70 bis 90 Prozent aus Wasser besteht, sind die Weisheiten des Wassers für eine tiefe Heilung eminent wichtig. Indem komplementärmedizinische Verfahren danach trachten, die Schwingung im Menschen so zu verändern, dass sie wieder mit dem eigenen inneren Rhythmus in Einklang kommen kann, richten sie sich im Prinzip auf die Gesetze des Wassers aus - das seine innere Struktur zu einem kunstvollen Kristall ausreifen lassen will. Komplementärmedizin ist nichts anderes als Wassermedizin, die das Kunstwerk Mensch zu voller Blüte bringt.