Jungbrunnen in Avalon
Der Chalice Well in Glastonbury
Sagen, Märchen und Legenden bezeugen, dass Wasser von Anbeginn der Zeiten verehrt wurde. Der klare Lebenssaft ist eines unserer kostbarsten Güter - lebendig und wandlungsfähig. Ingeborg Lüdeling entführt uns zur Insel von Avalon, wo die nährende Kraft des Wassers eindrucksvoll erfahren werden kann.

Tief im Schoß der Erde, neben funkelnden Kristallen, singt stetig tropfendes Wasser seine eigene Melodie. Auf ihrem langen Weg durch den dunklen Erdenschoß fließen Silberfäden an erzhaltigem Gestein vorüber, sammeln Spuren von Mineralien ein und werden Träger der Lebenskräfte. Quellen, die Geburtsorte springender Bäche, sind ein Ort des Friedens und der Harmonie. Morgens, in den Nebeln über den Quellteichen, tanzen Elfen ihren Reigen. Die Sonne zaubert glänzende Spiegel ins Wasser und lässt den sorgengeplagten Menschen einen Augenblick Vergessen finden. Wasser ist der Schlüssel zur Entstehung des Lebens auf unserem Planeten.
Unter ihrem nachtblauen Mantel bewirkt die dunkle Erdgöttin mit ihrem Wasser das Wunder des Wachsens und Werdens. Am Anfang der Zeiten, als die Menschen die Erde noch als ihre Mutter ansahen, wurden zu ihrer Ehre viele Feste gefeiert, aus Ehrfurcht für das lebenserhaltende Wasser, oder aus Dankbarkeit für Heilungen von Krankheiten. Viele fröhliche und besinnliche Feste, Fruchtbarkeitsriten und Reinigungsrituale fanden an verwunschenen Quellen, stillen Seen und rauschenden Gebirgsbächen statt.
Jesus verwandelte Wasser in Wein, und auch heute ist es bekannt, dass sich Wassehr gut informieren lässt. Wir nehmen uns hin und wieder ein kleines Glasröhrchen voll heiligen Wassers wegen seiner guten Schwingung mit nach Hause. Glastonbury im Süden Englands ist das alte Avalon der Kelten. Früher als Insel in den Marschen des Bristol-Channels gelegen, war und ist der eindrucksvolle Glastonbury Tor (kelt. = Berg) eine weithin sichtbare Wegemarke für den spirituell Suchenden. Im Keltenreich war Avalon die paradiesische Insel der Apfelbäume und in den Zeiten des Übergangs zum Christentum die Gläserne Insel. Bevor Heinrich VIII. mit der Zerstörung der Kirchgüter begann, war Glastonbury Sitz einer der bedeutendsten Abteien Englands. Inmitten der betriebsamen Hektik der Gegenwart haben einige Hüter des Wissens ein kleines Refugium geschaffen, in dem ein Schatz ganz besonderer Art aufbewahrt wird. Das Refugium ist ein kleiner, gartenähnlicher Park, unterhalb des Tors am Fuße des Chalice Hill (= Kelchhügel) gelegen. Dort gibt es die rote Quelle, die Chalice Well oder Blutquelle genannt wird, die wir jetzt besuchen wollen. Wir treten durch einen Mauerdurchlass und befinden uns unvermittelt in einem wunderschönen Meditationsgarten.
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