Kraftort Großstadt

Die geomantische Qualität von Metropolen am Beispiel von München und New York

von Peter F. Strauss erschienen in Hagia Chora 2/1999

Seit vielen Jahren beschäftigt sich Peter F. Strauss mit der Geomantie von Städten. In besonderer Weise setzt er sich mit modernen Metropolen auseinander. Seine Forschungen suchen Antwort auf die Frage, wie sich die spezifische Qualität des ursprünglichen Siedlungsortes in der Stadtgeschichte widerspiegelt. Der typische Charakter einer Stadt und sogar die Funktionen einzelner Stadtteile lassen sich mit den geomantischen Potentialen der überbauten Landschaft zur Deckung bringen.

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Städte sind auf eine merkwürdige Art und Weise lebendige Wesen - über Jahrhunderte, manchmal auch Jahrtausende gewachsene Strukturen, welche die gesamte Geschichte des Ortes und Schicksale der Menschen in sich tragen. Insofern betrachte ich Städte als lebendige Organismen, die über bestimmte geistig-seelisch-ätherische Organe verfügen. Das Verständnis eines derart komplexen Wesens hat zwangsläufig subjektiven Charakter. Mit dieser Studie möchte ich daher keine endgültigen Aussagen machen, sondern neue Perspektiven eröffnen, die Rolle und die Bedeutung des Organismus "Stadt" einmal neu zu sehen.
München als Siedlungsplatz besteht vermutlich schon seit 400 v.Chr. Als Stadt wurde München von Heinrich dem Löwen gegründet, der hier Mitte des 12. Jahrhunderts seinen Herzogshof errichtete. Die Stadt blühte auf und wurde lebensfähig, als die dem Freisinger Bischof gehörende Brücke über die Isar bei Oberföhring zerstört und eine neue Brücke bei München gebaut wurde. Seitdem hat sich München zum wichtigsten Macht-, Handels- und Kulturzentrum Bayerns aufgeschwungen.

Das "Haupt" der Stadt
Auf einem der ältesten Stadtpläne von München aus dem 16. Jahrhundert erkennt man deutlich die Teilung in eine "linke" und eine "rechte" Hälfte. Die erste Stadtanlage mit dem Mauerring aus dem 12. Jahrhundert ähnelt zwei Lungenflügeln, die durch die Kaufingerstraße geteilt sind. Nach der Ausdehnung der Stadt im frühen 14. Jahrhundert unter Kaiser Ludwig dem Bayern ergibt sich hingegen ein neues Bild, das ich als Gehirn mit Ansätzen des Rückenmarks deute. Als ich den Plan 1988 zum erstenmal sah, kam mir diese Assoziation, denn München entwickelte sich ja tatsächlich im Laufe der Zeit zur "Haupt"-Stadt des Landes!
Nach längerer Beschäftigung mit der Thematik kam ich zu der Vorstellung, daß dies keineswegs "zufällig" ist, sondern bildhaft die Funktion der Stadt als "Gehirn" und Herrschaftszentrum Bayerns beschreibt. Nun weist das menschliche Gehirn zwei Hälften auf, die durch eine dicke Nervenfaserplatte, den sogenannten Balken, miteinander verbunden sind. Die linke Hälfte steuert die rechte Körperseite, die rechte Hirnhälfte die linke Körperseite. Wie bekannt ist, wird der linken Gehirnsphäre das logisch-rationale Denken zugeordnet, der rechten Hälfte dagegen das intuitive, assoziative Denken. Nachdem ich mir unter diesem Aspekt den Plan der Münchner Altstadt noch einmal genauer ansah, fiel mir auf, daß sich im "linken Teil" (der Pfarrei St. Peter im Südwesten) vor allem Handwerker wie Gerber, Färber, Schmiede und kleine Händler angesiedelt hatten, Tätigkeiten, die mit Schmutz und Gestank verbunden waren wie bei Gerbern und Färbern (Färbergraben) oder Viehhändlern (Rindermarkt). Im "rechten" Teil der Stadt wohnten hingegen vor allem Adlige, Kleriker und reiche Kaufleute, worauf Straßennamen wie Dienergasse, Weingasse und Burggasse hindeuten. Setzt man die linke Gehirnhälfte (und Stadthälfte) mit dem Yang-Prinzip und damit dem Männlichen gleich, die rechte Hälfte mit dem Yin-Prinzip und dem Weiblichen, dann ergibt sich eine verblüffende Übereinstimmung mit dem Organismus der Stadt:
St. Peter bildet das spirituelle Zentrum des Yang-Teils, die Liebfrauenkirche dagegen das Zentrum des Yin-Teils von München. Die beiden Teile werden durch die Kaufinger-/Neuhauserstraße getrennt. Diese Straße bildet nach der etruskisch-römischen Tradition der Stadtgründung den Decumanus Maximus, die annähernd rechtwinklig abknickende Weingasse am Marienplatz bildet den Cardo Maximus. Am Kreuzungspunkt dieser beiden Hauptachsen lag bei etruskischen wie römischen Städten der Omphalos, das sakrale Zentrum der Stadt. Die Funktion des Omphalos übernahm seit dem 17. Jahrhundert die Mariensäule auf dem ehemaligen Schrannenplatz, aber davon später.
Eine wesentliche Funktion bei der Koordination von linker wie rechter Gehirnhälfte nimmt der brückenbildende "Balken" (Corpus callosum) ein. Hier werden Informationen ausgetauscht, Verbindungen hergestellt etc. Das alte Münchner Rathaus übernahm, um im Bild zu bleiben, diese Funktion: Es verband die beiden Stadthälften tatsächlich, wobei sich ein Teil in der Peterspfarrei befand, ein anderer Teil in der Marienpfarrei.
In der etruskischen Stadt Misa bei Marzabotto kann man die klassische Struktur einer antiken Stadt des 6. Jahrhunderts vor Christus studieren. Die zwei größten Straßen bilden das Kreuz von Decumanus Maximus und Cardo Maximus. Im Zentrum dieser Kreuzung entdeckten Archäologen einen "Cippus" genannten Omphalos-Stein. Als Schnittpunkt der Hauptachsen war er zugleich das heilige Zentrum, an dem einmal im Jahr den Göttern der Unterwelt Opfer gebracht wurden. In München bildet seit dem 17. Jahrhundert zweifelsohne die Mariensäule diesen Mittelpunkt. Kurfürst Maximilian I. stiftete 1635 die vergoldete Figur der Muttergottes als Dank dafür, daß seine Residenzstadt München von den Schweden nicht niedergebrannt und verwüstet wurde. Gleichzeitig unterstellte er damit das Land Bayern dem Schutz der "Patrona Bavariae". Man kann hier - neben anderen Aspekten - einen Reflex auf die Verehrung der "Großen Mutter" sehen, die in landwirtschaftlichen, katholischen Regionen wie in Bayern oder Polen durch den Marien-Kult im Spätmittelalter wieder auflebte.

Die Chakren der Stadt
Betrachtet man sich den Stadtplan von München unter dem Aspekt, daß sich hier das "Haupt" des Landes (Landes-Haupt-Stadt) als Organ in Jahrhunderten gebildet hat, und zieht man eine Analogie zum Kopf des Menschen mit seinen Chakren, ergeben sich interessante Parallelen. Das Kronen-Chakra würde dann bei München mit dem Karlstor zusammenfallen. Tatsächlich wurde der Vorplatz des Karlstors im 19. Jahrhundert so umgestaltet, daß eine halbrunde Öffnung entstand, die stadtauswärts - in Richtung Bahnhof - weist. Jahrzehntelang strömte der gesamte Verkehr bis zur Anlage der Fußgängerzone in den 70er Jahren durch das Karlstor in die Altstadt. Der Bahnhof war mehr als hundert Jahre lang das "Tor zur Welt" und brachte entscheidende Impulse in die Stadt. Zeichnet man einen Kopf entlang der Grenze der Altstadt, dann markiert das alte Angertor das "Dritte Auge", der Gärtnerplatz hingegen könnte als physisches Auge betrachtet werden. Die Isar strömt durch den Mund und den Rachen hindurch und bringt die Kräfte des Wassers (aber auch die mit dem Wasser verbundenen ätherischen Kräfte) aus dem Gebirge in die Stadt. (Allerdings dürfte die Reduzierung der Wassermenge auch die Vitalität der Stadt geschwächt haben.) Die Maximilianstraße bildet den Beginn der Wirbelsäule; wo sich die Residenz befindet, gehen die "Nervenstränge" aus dem Kopf in die Wirbelsäule über. Im Zentrum des Kopfes liegt die älteste Stadt aus dem 12. Jahrhundert mit den zwei Stadthälften (Yin und Yang) und den zwei spirituellen Zentren: St. Peter und Liebfrauenkirche. Wo sich das Kehlkopfchakra befindet, wurde das Gasteig-Kulturzentrum mit seinen Konzertsälen und Bühnen errichtet.
Geht man in Richtung der geomantischen Hauptachse von München (Decumanus ordinaris) nach Nordwesten, stößt man auf das Schloß und den Park von Nymphenburg. Ich sehe hier ein "Höheres Selbst" des Stadtorganismus, das über dem Kronenchakra sitzt und Impulse in Richtung der Altstadt abgibt. Am südlichen Schloßrondell haben einige Stiftungen ihren Sitz, die an Konzepten eines besseren Verhältnisses zwischen Natur und Technik arbeiten. Der Ostbahnhof markiert das Herz-Chakra, der Solarplexus ist etwa in der Höhe von Ramersdorf. Das Basischakra liegt bei Neuperlach. Die Füße der "Stadtgestalt" stehen im Neuperlacher Forst, sie sind also im Wald verwurzelt. Diese "kosmische Achse" des Chakrensystems wird von der Isar gekreuzt, die von Südwest nach Nordost fließt und sozusagen die "irdische Achse" bildet, welche den Stadtorganismus mit Vitalität versorgt.

Manhattan-Energy-Trace
Das Modell der Chakras hat selbstverständlich keinen allgemeingültigen Anspruch. Trotzdem halte ich es für sehr fruchtbar, auch eine solche Sicht zu wagen. Auf eine vom Ansatz her ähnliche, aber viel umfassendere Art und Weise als bei den Münchener Studien, habe ich mich innerhalb des Kunstprojekts "Manhattan Energy-Trace" seit 1998 der Metropole New York angenähert, gewissermaßen in einer konzeptuellen "Spurensuche" im Sichtbaren wie im Unsichtbaren. Das Projekt geht auf eine Recherche aus dem Jahr 1989 über die ehemaligen Wasserläufe, Bäche und kleinen Flüsse auf dem Gebiet des heutigen Manhattan zurück, die im Anschluß an das Symposium "Art and the Invisible Reality" in New York City stattfand. Die nun weitergeführte Arbeit stellt eine These auf, warum sich New York zu einer der bedeutendsten Städte der Welt - zur "heimlichen Welthauptstadt" - entwickeln konnte.

Die Geologie Manhattans
Die vom Hudson im Westen und vom East River im Osten umflossene Insel Manhattan sowie die im Nordosten liegende Region von Yonkers bilden eine Besonderheit in der Geologie dieses Teils der amerikanischen Ostküste. Nur hier tritt der sonst tieferliegende Granit des kanadischen Schildes zutage. Die Streichrichtung liegt bei ca. 63° Nordost-Südwest. Geologen bezeichnen Manhattan als "erodierten Kamm eines alten Gebirgszuges". Besonders der tausend Meter dicke Eispanzer der letzten Eiszeit hinterließ deutliche Erosionsspuren an den Granitformationen, wie im Centralpark deutlich zu sehen ist. Aus europäischen Regionen mit Tiefengestein (z.B. Bretagne, Waldviertel, Böhmerwald) weiß man, daß hier nicht nur überproportional viele megalithische Sakralorte, vor allem Quellkultorte, Schalensteine, Schlupfsteine etc. vorkommen, sondern daß sich fast durchwegs Wasser mit radiästhetisch "rechtsdrehender" Qualität finden läßt. Regionen mit Granit weisen zudem eine höhere natürliche Radioaktivität auf. Reinhard Schneider wies darauf hin, daß bestimmte Anregungsphänomene möglicherweise mit natürlicher Radioaktivität zusammenhängen.
Erste radiästhetische Untersuchungen im Norden wie im Süden von Manhattan ergaben, daß in Klüften und Spalten des Grundgesteins Ströme von Wasser fließen; Intensitäten von 0,3-0,8 (Lecherantenne) sind keine Seltenheit. Die Vermutung liegt nahe, daß der größte Teil des unterirdisch fließenden Wassers eine rechtsdrehende Polarisation mit hohen Intensitäten und damit hoher Schüttung aufweist.
All dies hatte auf das energetische Klima nicht zu unterschätzende Auswirkungen. Durch die Bebauung mit Hochhäusern in Stahl-Glas-Architektur ergibt sich die Situation eines Systems von vertikalen "Antennen", die von unten angeregt werden und spezifische Frequenzen abstrahlen. Man kann von einem gigantischen "Sender" sprechen, der über weite Entfernungen hinweg seine Signale verbreitet.
Man könnte in diesem Zusammenhang die Frage stellen, ob die Entwicklung New Yorks auch diesen spezifischen Ortskräften zuzuschreiben ist. Heute ist New York nicht nur der Sitz der Vereinten Nationen, sondern auch der bedeutendsten Handels- und Finanzorganisationen der Welt. Die kulturelle Lebendigkeit und das kreative Potential dieser Stadt ist ebenso phänomenal wie die multikulturelle und ethnische Vielfalt. Wenn auch manche Kritiker New York als das moderne "Babylon" bezeichnen, so ist doch auf der anderen Seite durchaus etwas vom "Neuen Jerusalem" spürbar, eine Ahnung, wie die Zukunft der Menschheit aussehen könnte, wenn Rassismus, Haß und Abgrenzung überwunden sind und die Menschen in gegenseitiger Toleranz und Achtung vor den jeweiligen Traditionen friedlich zusammenleben.

Chakren im Landschaftsorganismus
Sicherlich ist die Entwicklung Manhattans nicht das Produkt zufälliger Kräfte, sondern das Ergebnis geistiger Vorgänge, die sich sowohl "körperlich-geologisch", als auch auf verschiedenen ätherischen oder astralen Ebenen manifestieren. Diese Ebenen können, wie vorhin am Beispiel Münchens gezeigt, gut mit dem System der Chakren erfaßt werden. Im äußersten Bereich der Südspitze, der Battery samt dem militärisch genutzten Governors Island, sehe ich das Kronen-Chakra lokalisiert. Von hier aus wurde um 1615 die Stadt gegründet, und hier lag in der englischen Periode der Sitz des Gouverneurs. Es scheint vordergründig ein Widerspruch zu sein, hier das Chakra anzunehmen, das den Zugang zu den höchsten geistigen Ebenen ermöglicht. Möglicherweise liegt dem aber eine Strategie zugrunde, die an anderen Orten der Welt ebenfalls beobachtet werden kann. So liegt z.B. das megalithische Sonnenheiligtum von Stonehenge mitten im größten militärischen Übungsgebiet Englands, umgeben von Bunkeranlagen, Schießplätzen, Atomwaffenlagern etc. Es ist denkbar, daß bestimmte geistige Kräfte solche Zentren bevorzugt besetzen, um ihre Entfaltung zu verhindern und sie dadurch in ihrem eigenen Sinne nutzen zu können. Ich möchte es bei dieser Andeutung bewenden lassen.
Im Bereich des Financial District und des heutigen Rathauses von New York sehe ich das Ajna-Chakra oder das "Dritte Auge" lokalisiert. Hier befinden sich um die Wall-Street und das World Trade Center die wichtigsten Finanz- und Handelsorganisationen der westlichen Welt. Über dieses Chakra werden höhere Erkenntnisse, hellseherische Erfahrungen, inspiriertes Denken vermittelt. Ist dieses Organ unterentwickelt, so ist nur die äußere, sichtbare Welt für den Menschen die Realität. Im Gebiet von Greenwich Village vermute ich das Hals- oder Kehlkopf-Chakra, das für die Kommunikation steht. Diese Gegend Manhattans ist seit langem das Künstlerviertel mit zahlreichen Galerien und einer lebendigen Kulturszene. Die Grand Central Station markiert das Herz-Chakra der Stadt, und in der Region um den Central-Park ist der Solarplexus zu finden. Der große, mitten in der Insel gelegene Park bildet nicht nur die "grüne Lunge" der Stadt, sondern auch das Sonnengeflecht des Landschaftsorganismus. Die Gegend um Harlem und Morningside-Heights kann dem Sakral-Chakra zugeordnet werden, das nördliche Ende von Manhattan schließlich wäre als Basis-Chakra zu bezeichnen. Es entspricht dem Element Erde und verbindet den Menschen mit der physischen Welt. Hier können wir Kontakt mit der "Mutter Erde" aufnehmen. Dieser Teil ist am wenigsten bebaut, die bewaldeten Anhöhen des Fort Tryon Parks wie des Inwood-Hill-Parks vermitteln noch einen Eindruck von der ursprünglichen Naturlandschaft der Insel.

Die ursprüngliche Landschaft
Wenn man heute durch New York geht, macht man sich selten klar, daß noch zu Beginn des 18. Iahrhunderts der größte Teil des heutigen Stadtgebietes weitgehend unberührte Naturlandschaft war. Auf der 1859 erschienen "Water Map" von Egbert L. Viele erkennt man die zahlreichen Bäche, Sümpfe, Teiche, Tümpel und Salzwiesen der Insel. Die Karte zeigt auch die ursprüngliche Küstenlinie, bevor sie durch Auffüllungen künstlich verändert wurde, um Land zu gewinnen. Egbert L. Viele ging mit seinem Werk vor allem auf die Probleme ein, die entstehen, wenn man natürliche Wasserläufe unter Straßen und Gebäudeblocks "beerdigt" und so das natürliche Entwässerungssystem einer Landschaft zerstört. Da im 19. Iahrhundert zahlreiche Seuchen wie Cholera, Gelbfieber und Malaria grassierten, wollte er auf die Ursachen dieser Epidemien hinweisen. Egbert Viele sprach von der Störung des ökologischen Gleichgewichts durch das Zufüllen der lebenswichtigen "Wasser-Arterien", was zu ungesunden, sumpfigen Bodenverhältnissen und damit zu Seuchenherden führen würde.
Am 3. Januar 1998 brach unter der Fifth Avenue zwischen der 19. und 20. Straße eine Hauptwasserleitung und unterspülte die Straße. Dadurch bedingt, knickte eine Gaspipeline ab - eine zwei Stockwerke hohe Flamme schoß empor, und die New York Times schrieb: "What Next, Locusts? Fifth Ave. Endurs Flood, Then a Gas Fire". Frei übersetzt heißt das: "Was kommt als nächstes - Heuschrecken?", eine Anspielung auf die sieben biblischen Plagen Ägyptens! Genau an der Stelle des Wasserrohrbruchs entsprang Ende des 18. Jahrhunderts das "Minetta-Water". Hier zeigt sich als Symbol die Reaktion elementarer Naturkräfte, die nur zeitweise unterdrückt oder in künstliche Bahnen gelenkt werden können. Auf die Geomantie bezogen heißt dies, daß es sich rächt, lebendige Teile des Erdorganismus in ihrem Eigenleben zu beschränken.

Indianerpfade und moderne Straßen
Um 1804 begannen unter Leitung des Bürgermeisters von New York die Planungen zur Stadterweiterung, die ein Dutzend Nord-Süd-Avenues vorsah, die in regelmäßigen Abständen von 155 durchnumerierten Querstraßen rechtwinklig gekreuzt wurden. Solche Planungen waren Anfang des 19. Jahrhunderts bereits in Städten wie Philadelphia, Charleston oder New Orleans realisiert worden. Was damals als Fortschritt galt, kann heute als Eingriff in das ökologische System einer differenzierten Landschaft gesehen werden, der besser unterblieben wäre.
Der Broadway ist die einzige längere Straße mit irregulärem Verlauf im Stadtgebiet. Auf Karten des National Museum of the American Indian sind sowohl die Siedlungen der Urbevölkerung als auch die Wege eingezeichnet, welche die sechs Dörfer im Süden miteinander verbanden. Danach führte ein Pfad vom Dorf Kapsee an der Küste nach Nordosten. Bei Bowling Green macht der Weg einen Knick und folgt dem Verlauf des heutigen Broadway. Der Autor des 1922 erschienenen Buches "Indian Paths in the Great Metropolis", Reginald Pelham Bolton, spricht davon, daß weite Teile des Broadway einem alten "Indian trail" folgen. Er vermutet zudem, daß die schmalen indianischen Fußwege häufig über Wildwechseln liefen. Es ist wohl nicht falsch, anzunehmen, daß viele alte Straßen aus Tierpfaden hervorgingen. Eigene radiästhetische Untersuchungen in den 80er Jahren zeigten, daß Wildwechsel oft über Wasseradern laufen.
Im Dezember 1998 konnte ich am Beginn des Broadway oberhalb von Bowling Green Park eine Kluftzone mit Wasser und rechtsdrehender Polarisation mit hoher Intensität feststellen, die, aus Norden einfallend, durch den Park und das ehemalige Custom House läuft. Ich nehme deshalb an, daß zumindest Teile des Broadway und der Bowery über Kluftwasseradern mit höherer Intensität liegen. Aus meiner Sicht stellt der Broadway damit das "energetische Rückgrat" der Stadt dar. Vielleicht pulsiert deshalb das kulturelle Leben an dieser Straße so intensiv.

Die "mythische Landschaft"
Die Ureinwohner der Insel Manhattan, auch "Menatay" oder "Manatuouh" genannt, waren vorwiegend Angehörige des Narragansett-Stammes, die zur Sprachgruppe der Algonquin gehörten. Das animistische Weltbild dieser Menschen war geprägt vom Glauben an die Einheit von Mensch und Natur und von der schamanistischen Praxis einer direkten Kommunikation mit der Geisterwelt. Alle Schamaninnen/Schamanen hatten einen oder mehrere Hilfsgeister - die kollektiven Geistwesen der verschiedenen Jagdtiere -, die ihnen auf ihrer Astralreise behilflich waren. Eine Maske aus Westalaska zeigt z.B. den Schamanen auf einem Biber - seinem Schutzgeist - reitend. Berichte von Schamanen aus aller Welt handeln immer wieder von detailliert geschilderten Flugerlebnissen in der Trance, wobei Landschaften aus der Luftperspektive beschrieben werden. Geht man von der Vorstellung aus, daß sich im lebendigen Erdorganismus bestimmte Formen ausbilden können (z.B. Tierfiguren), dann wird das Auffinden solcher Bilder in der Landschaft nicht mehr als schiere Wunschvorstellung oder Ausgeburt einer blühenden Phantasie zu begreifen sein. Es handelt sich vielmehr um die Wiederentdeckung einer Zeichen- und Symbolsprache, der "verborgenen Sprache der Natur". Ausgangspunkt meiner Recherche nach verborgenen Figuren in der Landschaft im Großraum Manhattans war der alte indianische Name von Long Island "Paumonok" - Fisch. Diese Benennung wird nur dann verständlich, wenn man Long Island aus großer Höhe betrachtet, wo sich tatsächlich ein der Küste vorgelagerter riesiger Fisch mit deutlich erkennbarer Schwanzflosse und einem großen Auge zeigt. Bei näherer Betrachtung Manhattans erkennt man in der ursprünglichen Gestalt der Insel einen Biber, dessen Kopf nach Südwesten und dessen flacher Schwanz nach Nordosten weist. Auf der Höhe der heutigen City Hall erscheint eine Art Auge; Bachläufe und ein Sumpfgebiet markieren einen Mund auf der Höhe der jetzigen Houston Street. Die Holländer handelten in den ersten Jahrzehnten vor allem mit den Fellen von Pelztieren; daher zeigt das erste Wappen der Stadt um 1625 nicht zufällig Windmühlenflügel, die von Bibern und Fässern flankiert werden. Eine der ältesten Straßen der Stadt ist die Beaver-Street (Biberstraße). Eingelagert in diese Biberfigur - vielleicht das Totemtier Manhattans - sind weitere Tierfiguren zu finden. Solche Entdeckungen ermöglichen einen neuen Blick auf diese heute von Beton und Asphalt überzogenen Region. Unter dem Pflaster liegt nicht nur der Strand, sondern auch die mit mythischen Figuren durchzogene "verborgene Landschaft" New Yorks.
Aus meiner Sicht weist - trotz aller negativen Aspekte, die sich in New York ebenso deutlich zeigen - die Stadt in die Zukunft, eine Zukunft, die allerdings unter Einsatz aller geistigen Kräfte errungen werden muß. Diese auf Fels gebaute Stadt schenkt dem Einzelnen nichts, aber es gilt auch der Satz eines Songs von Frank Sinatra: "When you can make it there, you can make it everywhere".