Die Identität eines Hauses
Über die Arbeit mit dem Genius Loci am Beispiel eines Hotel-Projekts auf der Ostseeinsel Rügen
Rügen - Deutschlands größte Insel gilt zugleich als die schönste. Flache Sandstrände, steile Hochufer, stille Seen, dunkle Buchenwälder, Moore und Dünen prägen das Naturparadies. Werk und Biografie großer Persönlichkeiten wie Caspar David Friedrich, Theodor Fontane, Philipp Otto Runge, Alexander von Humboldt oder Johannes Brahms haben zur Bekanntheit Rügens beigetragen. In diesem Jahr wurde hier das Hotel "Solthus" eröffnet, dessen Gestaltung von Hans-Jörg Müller, Künstler und Geomant, maßgeblich betreut wurde.

Schon immer war Rügen Anziehungspunkt des begüterten Adels und des Großbürgertums. Später wurde die Insel zum Ferienrefugium für die Nomenklatura und die Staatsfunktionäre des ehemaligen deutschen Arbeiter- und Bauernstaates, und heute gehört sie zu den bevorzugten Lagen für hochwertigen Tourismus. Berühmt sind die Ostseebäder Binz, Baabe und Göhren mit ihren Kurhäusern und Strandpromenaden. Sicherlich wird sich Rügen rasch zu einem "Naherholungsgebiet" der neuen Hauptstadt Berlin entwickeln. In den letzten Jahren hat ein eher ungezügelter Bauboom die Behörden zu sehr restriktivem Verhalten gegenüber Baumaßnahmen veranlaßt. Allgemein kann man auch von einer Sättigung in der Bebauung sprechen, so dass kaum mehr größere Projekte realisiert werden können.
Vor diesem Hintergrund bildete das Hotel-Projekt am Selliner See eine seltene Ausnahme: Es konnte sich auf Bestandsschutz in einem ansonsten völlig unbebauten Landschaftsraum berufen. Hier sollte ein Gebäude entstehen, welches einerseits von seiner Form her Aufmerksamkeit erregt, sich aber andererseits in den Kontext von Landschaft und Architekturtradition einpasst.
Das Bollwerk am Selliner See - der Standort des Projektes - liegt am nördlichen Rand der Halbinsel Mönchsgut, das heute zum Unesco-Biosphärenreservat gehört. Die angrenzende Ortschaft Baabe war Fischerdorf, bis im 19. Jahrhundert der Badebetrieb einsetzte. Zahlreiche Denkmäler aus Ur- und Frühgeschichte umgeben den Ort: steinzeitliche Grabanlagen, bronzezeitliche Hügelgräber und slawische Burgwälle.
Das Grundstück des Hotelprojektes befindet sich in Alleinlage mitten in der herrlichen Landschaft des Selliner Sees in einer flachen Talmulde, die im Winter immer wieder von der Ostsee überflutet wird. Das Hotel wurde auf einen künstlichen Hügel gesetzt und ist im Ernstfall nur mit dem Boot erreichbar. Der Standort ist umgeben von einer ringförmigen Anhöhe, von der eine Flanke, das Reddewitzer Höft, als Klippe in das Meer ragt. Gegenüber, auf der anderen Seite des Höhenzuges, liegt Moritzburg. In Richtung Westen öffnet sich die freie Sicht über das Meer.
Das Projekt wurde nach einer vorangegangenen Planungsphase geomantisch optimiert. Das Büro AXIS MUNDI übernahm die künstlerische Oberbauleitung und betreute das Vorhaben bis zum Jahreswechsel 1999. Im Frühsommer 1999 wurde das Hotel eröffnet.
Mit der Beschreibung dieses Projekts sollen nicht nur außergewöhnliche, der Landschaft angepasste Bauformen präsentiert werden. Ich möchte vielmehr auch in das grundlegende geomantische Prinzip der Widmung, der Verbindung von Genius Loci und der Identität eines Projektes, einführen. Mein Anliegen ist dabei, im Zuge neuerer Architekturtendenzen zunehmend wieder vermittelbare Identität im Architekturkörper selbst zu zeigen.
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