Baubiologie in der neuen Geomantie

Grundlagen des ökologisch und geomantisch sinnvollen Wohnens

von Gyanam Jürgen Schneider erschienen in Hagia Chora 3/1999

Wenn ein Haus mit Holzschutzmitteln vergiftet ist, hilft das beste Feng Shui nichts - die Bewohner werden krank. Gyanam Jürgen Schneider plädiert dafür, die baubiologischen Fakten bei der geomantischen Hausuntersuchung nicht außer Acht zu lassen.

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Die Baubiologie kam als Thema in der zweiten Hälfte der 60er Jahre auf. Erste Erkenntnisse, dass uns die Bauweise und die Materialien unserer Häuser krank machen, führten zur Auseinandersetzung mit Baustoffen und deren Herstellung, mit der Qualität des Bauplatzes und der seelenlosen und rein funktional ausgerichteten Bauweise. Einen wichtigen Beitrag leistete hier Prof. Dr. Anton Schneider (siehe nächsten Artikel) mit seinem Institut für Baubiologie+Ökologie in Neubeuern.
Die Baubiologie begreift sich als ganzheitlich, übergeordnet und geistig, nämlich als die Lehre von den Beziehungen zwischen der bebauten Umwelt und ihren Bewohnern. In diesem Sinne geht die Baubiologie von einem ganzheitlichen, ökologischen Ansatz aus. "Ökologie" - darin steckt bekanntlich der griechische Wortstamm "oikos", was "Haus" oder "Heim" bedeutet. Im umfassenden Sinne ist die gesamte Schöpfung unser Heim - unsere persönliche Behausung ist darin ein winziger Mikrokosmos. Mit dem Wort "Heim" verbinden wir eine nährende und schützende, weibliche Qualität. Die Beziehung zu unserem eigenen Heim und im übertragenen Sinne die Beziehung zu unserer "Heimat" Erde sind deshalb zentrale Angelpunkte des ökologischen Bewusstseins.

Ökologische Aspekte der Geomantie
In der geomantischen Hausgestaltung begreife ich baubiologische und ökologische Aspekte als wichtige Bestandteile. Die innere und die äußere Welt sind nicht zu trennen. Alles schwingt, klingt, hat Farbe, Ton und Rhythmus. Mit allem, was uns umgibt, stehen wir in einer vielschichtigen Wechselwirkung. Im Laufe der Zeit hat sich die Baubiologie trotz ihres umfassenden Anspruchs leider rein wissenschaftlich orientiert, daher halte ich sie heute für eindimensional. Die Geomantie hingegen verfolgt einen mehrdimensionalen Ansatz, denn sie berücksichtigt auch unsichtbare Welten und die subjektive Erfahrung jeder/jedes Einzelnen.
Für eine "neue Geomantie" ist es meiner Meinung nach zentral wichtig, die Baubiologie und Ökologie einzubeziehen. Erst wenn die Geomantie moderne Erkenntnisse und die sich verändernden Bedürfnisse der heutigen Zeit berücksichtigt, wird sie ihrem umfassenden Anspruch gerecht. Dazu gehört das Wissen um Baustoffe, mögliche Schadstoffbelastungen und Elektrosmog - ein Wissen, welches die Baubiologie mit erarbeitet hat.
Der Begriff "Geomantie" bedeutet "Wahrnehmung oder Schau der Erde", was in einem Zustand gesteigerter Wahrnehmungsfähigkeit wie Trance oder Ekstase möglich wird. Diese Definition verdeutlicht, warum Geomantie gelebte Ökologie ist. Die "Wahrnehmung oder Schau der Erde" passiert in einem Zustand, in dem wir "im Herzen sind". Betrachten wir die Erde jedoch in einem getrennten Zustand, fallen wir unweigerlich in die destruktive Haltung, die in unserer Zivilisation vorherrscht. In der geomantischen Schau endet diese Trennung.
Wir leben in einer Zeit, die größte Herausforderungen stellt. Gleichzeitig sehe ich in einem neuen Verständnis der Erde ein enormes Potential für Veränderung.

Geomantie der Baustoffe
Im Folgenden stelle ich einige Aspekte für die geomantische Hausuntersuchung und -gestaltung aus baubiologischer Sicht dar.
Einer der ersten Schritte bei einer Planung oder Hausuntersuchung sollte die Einschätzung und Überprüfung von Baustoffen und Materialien bezüglich möglicher Schadstoffbelastung und Auswirkung auf die Bewohner sein.
Geomantisch günstige Baustoffe sind vor allem Holz, Lehm, Naturstein, sowie natürliche Materialien für Oberflächen, Bodenbeläge, Gardinen und Farben. Lehm als Baustoff in Innenräumen sorgt für ein wunderbares Raumklima mit einer konstanten Luftfeuchtigkeit von 40-60%, was im umbauten Raum ein entscheidender Faktor für die Qualität der Luft, die wir atmen, ist. Einen Teil der Lebensenergie (Chi, Prana, Od) nehmen wir über die Atemluft auf.
Der Baustoff Holz speichert Lebensenergie und hilft den Bewohnern, ihre Individualität zu entwickeln. Wird ein Holzhaus bezogen, das Vorbesitzer oder -mieter hatte, muss Wert darauf gelegt werden, das Haus energetisch zu reinigen (z.B. durch Trommeln, Tanzen, rhythmisches Stampfen o.ä.).
Bei einem Neubau sollten möglichst Baustoffe, die aus dem Umfeld stammen, verwendet werden, denn solche Materialien helfen durch ihre Schwingung, mit der Gegend, in der man lebt, in Einklang zu sein. Dies ist erfahrbare und gelebte Ökologie, letztendlich auch Geomantie.
Ein weiterer großer Bereich, der bei der Gestaltung oder Untersuchung eines Hauses eine wichtige Rolle spielt, ist die mögliche Belastung der Bewohner durch elektrische und magnetische Wechselfelder, hochfrequente Strahlung und Elektrostatik - kurz Elektrosmog genannt. Die Problematik des Elektrosmog ist eine Herausforderung der Neuzeit. Die alten Geomanten und Feng-Shui-Berater waren mit dieser Herausforderung nicht konfrontiert.

Elektrosmog
Elektrosmog ist die unsichtbare Welt der Strahlen, Wellen und Felder, verursacht durch Elektroinstallationen, elektrische Geräte, Lampen, Fernseher, Computer, Fernseh- und Radiosender, Mobilfunksendemasten, Handys und schnurlose Telefone, synthetische Materialien, Eisen- und Straßenbahn etc. Auch im menschlichen Körper finden elektrische Vorgänge statt, deswegen kann es zu Wechselwirkungen und Fehlregulationen im Organismus kommen. Elektrosmog kann sowohl messtechnisch als auch radiästhetisch in der Auswirkung auf den menschlichen Körper untersucht und bewertet werden. Grundkenntnisse der physikalischen und elektrotechnischen Beschreibung dieser Welt sind hier für den Geomanten von zentraler Bedeutung.
Zur Regulation des Elektrosmogs werden häufig sogenannte Netzfreischalter eingesetzt. Diese sollten auf keinen Fall ohne messtechnische Überprüfung, welcher Stromkreis freizuschalten ist, eingebaut werden, denn unter Umständen verschlechtert sich Situation, wenn nämlich mehrere Stromkreise zusammengeführt sind und sie sich durch Freischalten eines einzelnen Stromkreises in ihrer Wirkung nicht mehr kompensieren. So kann man plötzlich in dem Raum, den man durch das Freischalten feldfrei schaffen wollte, höhere Felder feststellen als vorher. Abschalten, Entfernen oder Ausweichen sollten statt dessen die ersten Schritte sein.
Durch Wechselwirkung zwischen Elektrosmog und radiästhetischen Phänomenen kann es zu Potenzierungen und dem Aufbau von Feldstrukturen kommen, die nach Beseitigung des Elektrosmogs radiästhetisch nicht mehr auffindbar sind.

Elektrostatische Aufladung
Elektrosmog ist jedoch nur ein Anteil der vielfältigen Einflüsse, die auf den Körper einwirken. Wesentlich ist auch das natürliche Erdmagnetfeld, von dem wir wichtige Informationen beziehen, die auf einer übertragenen Ebene mit Orientierung zu tun haben. Ein Bett aus Metall kann z.B. zu Überlagerungen des Erdmagnetfelds führen.
Elektrostatisch aufladbare Materialien, wie Synthetikteppichböden oder -gardinen, Bodenbeläge aus PVC, bestimmte Lacke oder Oberflächenbeschichtungen, sind aus baubiologischer Sicht einem günstigen Raumklima besonders abträglich. Sie schaffen, ausgelöst durch Oberflächenspannung und Ladungstrennung, ein Reizklima im Raum, wie es in der Natur nur vor einem Gewitter vorkommt. Die Entladung solcher Materialien geht unter Umständen nur sehr langsam vonstatten. So kann z.B. bei einem ausgeschalteten Fernsehbildschirm die Entladung mehrere Stunden dauern. Die elektrostatische Aufladung beeinträchtigt messbar die Ionisation der Luft, da eine Verminderung der Ionen in der Luft, besonders der physiologisch günstigen negativen Ionen, stattfindet. Denselben Effekt verursacht übrigens auch das Rauchen in Innenräumen.
An dieser Stelle soll erwähnt sein, dass die negative Aufladung vieler Kunststoffmaterialien ein Phänomen ist, das in der Natur nicht auftritt. Die Natur kennt nur positive Aufladungen. Die "künstliche" Welt fordert vom Menschen Anpassungen an neu geschaffen Gegebenheiten in einer Geschwindigkeit, die nicht jeder Organismus leisten kann.
Belastungen durch hochfrequente Strahlung, vor allem die gepulste Strahlung der meisten Mobilfunknetze, aber auch der DECT-Haustelefone, mit einer neuen technischen Informationsqualität, in der hochfrequente Strahlung im Gigahertzbereich zyklisch (d.h. in bestimmten Intervallen pro Sekunde), gesendet wird, stellt sicherlich eine der großen Herausforderungen für die neue Geomantie dar. Eine offene Diskussion über diesen Themenbereich scheint mir dringend angebracht.
In den genannten Bereichen hat das Feng Shui, dessen Tiefe und wunderbare Einsicht in die Natur und ihre Prozesse ich sehr schätze, einen großen Nachholbedarf. Das traditionelle Feng Shui läuft Gefahr, ein bloßes Nachbeten von Glaubenssätzen zu werden und seine Glaubwürdigkeit zu verlieren. Hier muss der Osten auch vom Westen lernen und den Sprung in die sich verändernden Lebensbedingungen vollziehen.

Ein Beispiel aus der Praxis
In meiner Praxis als Baubiologe, Geomantie- und Feng-Shui-Berater erlebe ich, wie wichtig es ist, möglichst viele Ebenen der geomantischen Arbeit zu beherrschen. Ein Beispiel hierzu: Der Kunde hatte ein Haus gekauft und wollte vor seinem Einzug in ein Holzhaus eine Feng-Shui-Beratung. Vom Vorbesitzer hatte er sich mündlich bestätigen lassen, dass das Haus nicht mit Holzschutzmitteln behandelt wurde. Im Laufe der Beratung vor Ort verdichtete sich bei mir das Gefühl, mit dem Holz sei etwas nicht in Ordnung, mein Körper reagierte auf eine bestimmte Weise. Ich empfahl daraufhin eine Untersuchung der verwendeten Hölzer auf Holzschutzmittel. Die Laboranalysen ergaben tatsächlich eine hochgradige Kontaminierung des Hauses mit entsprechenden Chemikalien. Ein Bezug des Hauses kam wegen des gesundheitlichen Risikos nicht in Frage. Wie kann ich nun in einem solchen Gebäude gutes Feng Shui schaffen oder es in ein "Haus mit Seele" verwandeln? Es muß nicht immer die geistige Ebene sein, die den Ansatz zur Lösung des Problems bietet, vielmehr gilt oft First Things First.

Wo bleibt die fachliche Diskussion?
Zum Schluss meiner Überlegungen halte ich es für wichtig, das Thema Entstörung und Abschirmung von Störfeldern, krankmachenden Häusern und Ähnlichem anzusprechen. Vielerlei Hilfsmittel werden in diesem Bereich auf dem esoterischen und geomantischen Markt angeboten. Was davon funktioniert, muss wohl jeder selbst herausfinden. Ich halte es für sehr wünschenswert, wenn über diesen Themenbereich innerhalb des Fachkollegiums eine Diskussion in Gang käme, die mit Ehrlichkeit Licht in dieses undurchsichtige Gebiet bringt. Wir stehen dort ganz klar am Anfang. Ich denke, es ist besser zu sagen, daß wir Vieles nicht wissen, anstatt leere Versprechungen zu machen, die womöglich nicht haltbar sind. Zu oft werden technische Hilfen als Alibi für Bequemlichkeit vorgeschoben. Um hier wirklich weiterzukommen, müssen neues und altes Wissen Hand in Hand gehen.